Keine Befunde bei Frauen: Männer sollten Essenszeiten auch an freien Tagen einhalten

Keine Befunde bei FrauenMänner sollten Essenszeiten auch an freien Tagen einhalten
11.09.2026, 11:40 Uhr
Als Jetlag wird die Störung der inneren Uhr bezeichnet, die hauptsächlich durch Langstreckenflüge entsteht. Forschende verwenden nun den Begriff in Bezug auf verschobene Essenszeiten, untersuchen dessen Auswirkungen und finden Risiken für Männerherzen.
Unregelmäßige Essenszeiten könnten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Das hat ein Forschungsteam der Université Sorbonne in Paris herausgefunden. Dabei stieg das Risiko nur für Männer, schreibt das Team um Xuân Le Folcalvez und Bernard Srour in "Nature - Communications Medicine" zu den Ergebnissen. Die Forschenden sprechen von "Jetlag durch Essen", womit unregelmäßige Mahlzeiten zwischen freien Tagen und Arbeitstagen gemeint sind.
Für die Untersuchung wurden die Daten von fast 105.000 Studienteilnehmenden der Nutrinet-Santé-Studie aus Frankreich genutzt. Das Durchschnittsalter lag zu Studienbeginn bei 42,7 Jahren, der Anteil der Frauen betrug 79 Prozent. Die verwendeten Daten wurden durch Selbstauskunft gewonnen und durch Daten aus Krankenakten abgeglichen. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Mittel 8,1 Jahre. Die Daten wurden zwischen 2009 und 2023 erhoben. Insgesamt kam es im Untersuchungszeitraum zu rund 2400 Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Der Schweregrad des Essensjetlags durch verschobene Essenszeiten wurde anhand der Zeitpunkte der ersten und letzten Mahlzeit des Tages an Wochentagen und an freien Tagen berechnet. Um zu klären, ob es einen statistischen Zusammenhang zwischen Jetlag durch Essen und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt, wurden geeigneter statistischer Modelle genutzt. Bei diesen wurden auch Faktoren wie Alter, Familienstand, Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder, sozioökonomische Faktoren, Rauchen, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität, Ernährung sowie Schlaf berücksichtigt, erläutern die Forschenden in einer Mitteilung.
Einteilung in drei Kategorien
In einem weiteren Schritt wurden die berechneten Verschiebungen von Essenszeiten der Teilnehmenden in drei Kategorien unterteilt:
Frühe für diejenigen, bei denen die Mahlzeiten am Wochenende im Durchschnitt um zwei Stunden früher eingenommen werden.
Reguläre für diejenigen, bei denen die Essenszeiten kaum abweichen.
Verspätete für diejenigen, bei denen die Mahlzeiten am Wochenende mit einer durchschnittlichen Verzögerung von einer Stunde und vierzig Minuten eingenommen werden.
Bei der Auswertung der Daten wurde deutlich, dass jede Stunde Verschiebung der Mahlzeiten, egal ob es sich um ein früheres oder ein späteres Essen handelt, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 14 Prozent bei Männern erhöht. Das Risiko für eine sogenannte koronare Herzkrankheit stieg für Männer sogar um 21 Prozent. Für Frauen konnten die Forschenden jedoch keinen dieser Befunde feststellen. Nicht berücksichtigt wurden die Qualität oder die Menge der aufgenommenen Nahrung.
Verstellung der inneren Uhr bei Männern
Warum es diesen Unterschied beim Essensjetlag zwischen den Geschlechtern gibt, können die Forschenden nicht begründen. Es könnte an den physiologischen Unterschieden zwischen beiden Geschlechtern liegen. Denkbar seien aber auch Unterschiede im Lebensstil und in den sozioökonomischen Umständen von Frauen und Männern, die zu unterschiedlichen zirkadianen Rhythmen führen können.
Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, könnten auch keine kausalen Rückschlüsse gezogen werden, warnen die Forschenden. "Vor einigen Jahren vermuteten wir einen Zusammenhang zwischen späten Mahlzeiten und einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen", sagte Srour. Die Ergebnisse der aktuellen Studie deuteten jedoch darauf hin, dass die Einhaltung regelmäßiger Essenszeiten an Wochentagen und Wochenenden ebenso wichtig sein könnte - vor allem für Männer. Ob die Einhaltung regelmäßiger Essenszeiten tatsächlich dazu beitragen könnten, den biologischen Rhythmus zu synchronisieren und die Herzgesundheit zu unterstützen, müssen weitere Forschungen zeigen.
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