Bollywood HungamaSaif Ali Khan sells Bandra west apartment for Rs 4.11 croresESPN Deportes¿Cómo la Hormiga González ha perdido minutos en el Olympiacos?ESPNWatt lands new deal as full-time CBS lead analyst replacement for RomoRTP DesportoSporting de Braga - GentThe Jerusalem PostIsraeli intelligence helps Saudi Arabia target Houthis as IDF prepares for potential escalationInquirer6 nabbed as cops seize P2.1-M ‘shabu’ in Metro ManilaDaily MaverickSOUND POLLUTION: Stadium noise and nuisance put Nelson Mandela Bay residents’ rights on the lineVarietyFormer Eminem Employee Pleads Guilty to Stealing and Selling Unreleased MusicZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioRMF24Limit wynagrodzeń i czasu pracy lekarzy. Sejm zdecydowałCollider5 Netflix Shows With a Perfect 100% on Rotten Tomatoes, RankedSudinfo« Sa jambe a atteint la taille d’une pastèque » : une morsure d’araignée plonge Glenn, un retraité de 73 ans, dans 18 jours de cauchemar
The Daily Newsstand · Free, Always
Thursday, October 22, 2026

Neues Plattenlabel von Igor Levit: "Mein Leben ist No Silence"

Translate
Igor Levit

Stand: 22.10.2026 • 17:23 Uhr

Igor Levit ist als Pianist international erfolgreich - und mischt sich immer wieder politisch ein. Mit seinem eigenen Label will er jetzt auch anderen Künstlern eine Plattform geben. Der Name hat eine persönliche Geschichte.

Max Kell

Igor Levit hat sich gerade am Klavier eingespielt. Jetzt sitzt er vorne im Saal des Berliner Columbia-Theaters zum Interview. Hinter ihm die Zuschauerplätze und die Bühne, auf der er am Abend spielen wird. Was bedeutet ihm dieser Abend? Levit überlegt einen Moment. Seine Antwort kommt dann aber ganz klar. "Heute Abend feiere ich, feiern wir gemeinsam die Geburt von "No Silence"."

Sein eigenes Plattenlabel. Oder, wie er es nennt: "mein erstes nichtmenschliches Baby".

Glaube an die Energie

Im Hintergrund werden noch Stühle aufgebaut. Levit spricht weiter, auch wenn es hinter ihm wieder scheppert. Und beim Erklären wird deutlich, wie persönlich dieses Projekt für ihn ist. Etwas, in dem viel Herzblut steckt. "Mein Leben ist No Silence. Ich glaube daran, ich glaube an diese Energie. Dass ich heute an diesem Abend mit allen hier die Geburt des Labels feiern kann, bedeutet mir so viel", sagt er. "So viel, ich weiß gar nicht, wie ich das in Worte fassen soll."

Auch bei den nächsten Fragen knallt es immer wieder beim Aufbau im Hintergrund. Dann wendet sich Levit doch an die Menschen hinter ihm: "Nur fünf Minuten Pause, ist das möglich?" Er fragt zögerlich. Schließlich wird hier für seinen Abend aufgebaut.

Eigene Aufnahmen und neue Künstler

Am Abend will Levit Musik spielen und erklären, wie sein neues Label arbeitet. Dort sollen seine eigenen Aufnahmen erscheinen, aber auch die anderer Künstler. Welche Künstler das sind und was sie aufnehmen, entscheidet er gemeinsam mit seinem Team. Das eigene Label mache sie unabhängiger. Levit hat die Entscheidung für ein eigenes schon vor Jahren getroffen. Weil es für ihn unklar ist, wie sich die Musikbranche entwickeln wird und welche Veränderungen es bei den großen Plattenlabels noch gibt.

Die ersten drei Alben erscheinen an diesem Freitag, den 23. Oktober. Darunter das erste Album des Pianisten Lukas Sternath mit Musik von Schubert und Liszt. Levit selbst spielt auf einem weiteren Album Beethovens dritte Sinfonie, die "Eroica". Eigentlich ein Werk für Orchester, hier in einer Bearbeitung von Franz Liszt für Klavier. Dazu kommt eine Aufnahme von Erik Saties "Vexations": dieselbe kurze Tonfolge, 840-mal hintereinander gespielt. Rund 16 Stunden lang.

Mit Beethoven international bekannt

Musikalisch besonders geprägt hat Levits Karriere aber die Musik von Ludwig van Beethoven. Schon sein Debütalbum von 2013 mit den fünf letzten Klaviersonaten des Komponisten brachte ihm international große Aufmerksamkeit. 2019 folgte die Aufnahme aller 32 Sonaten. Dazu kommen zahlreiche Auszeichnungen, darunter der Gilmore Artist Award 2018 und die Ehrung als Künstler des Jahres durch das britische Klassikmagazin "Gramophone" 2020.

Geboren wurde Levit in Nischni Nowgorod, damals Sowjetunion, heute Russland. Mit acht Jahren kam er mit seiner Familie nach Deutschland. Er studierte Klavier an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Seit 2019 ist er dort selbst Professor.

Musik und politische Haltung

Außerhalb der Konzertsäle wurde er vielen während der Corona-Pandemie bekannt. Im Frühjahr 2020 übertrug er mehr als 50 Hauskonzerte auf Twitter, heute X. Musik meist aus seiner Wohnung, als öffentliche Konzerte nicht möglich waren. Menschen aus der ganzen Welt hörten zu. Eines der Konzerte spielte er auf Einladung des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue.

"Ich will nicht nur der Mann sein, der die Tasten drückt": Dieser Satz aus einem Interview mit der Zeit steht auf Levits Homepage gleich über seiner Biografie.

Gegen Rassismus und Antisemitismus, für Klimaschutz

Levit mischt sich ein. Gegen Rassismus und Antisemitismus, für Klimaschutz. Dafür setzte er sich auch an ungewöhnlichen Orten ans Klavier: 2019 bei "Fridays for Future", ein Jahr später im Dannenröder Forst, wo gegen die Rodung für eine Autobahn demonstriert wurde. Nach der umstrittenen Echo-Verleihung an Kollegah und Farid Bang 2018 gab er seine eigene Auszeichnung zurück. Ihre Texte waren wegen antisemitischer Aussagen in die Kritik geraten.

Im Juli dieses Jahres sorgte ein abgesagter Fernsehauftritt für Streit. Mit dem Rapper Danger Dan sollte Levit in der ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" das Lied "Keine Angst" spielen. Das ZDF sagte ab, weil der Text als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne. Levit kritisierte dies als "Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit".

Name hängt mit 7. Oktober zusammen

Der Name seines Labels hängt mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 und der Zeit danach zusammen. "Dieser Tag war der Startschuss, vollkommen unbewusst, von einer Art Selbstfindung und auch einer Klarwerdung darüber, wer ich in diesem Leben sein möchte", sagt der Pianist. "Da spielt sehr viel mit rein. Die Art, wie ich spreche, die Bedeutung meines Jüdischseins, die Frage der Zugehörigkeit."

Levit beschreibt diese Wochen als eine Zeit, in der ihm die Worte fehlten. Die Musik sei noch da gewesen, die Sprache nicht. Im November 2023 initiierte er dann mit dem Berliner Ensemble und Michel Friedman das Solidaritätskonzert "Gegen das Schweigen. Gegen Antisemitismus." Mit dabei waren unter anderem Margot Friedländer, Wolf Biermann und die Toten Hosen. Nach diesem Konzert entschied er sich für den Namen "No Silence".

Levit erinnert sich noch ganz genau, wie der Abend im Berliner Ensemble für ihn wie "eine Art Explosion" gewesen sei.

Das war wie so ein Ausbruch. Vorher hatte sich ja niemand nach dem 7. Oktober gezeigt, alle haben sich weggeduckt. Und dann war ich auf dem Weg nach Hause und mir war klar: Der Name meines Labels muss damit was zu tun haben. Kein Schweigen mehr, keine Stille. Auf Englisch: No Silence. Da war mir klar: Das ist der Name.

Pianist Igor Levit

Teilen, was gut tut

Auch den Blick auf seinen Lebensmittelpunkt Berlin hat der 7. Oktober verändert. "Die Stadt ist dunkler geworden, die Stadt ist aggressiver geworden und für den Juden in mir ist die Stadt beschissener geworden", sagt er. In den sozialen Netzwerken teilt er inzwischen häufig jüdische Witze. "Soll ich jeden Tag Koalitionsbildung kommentieren? Habe ich keine Lust", sagt er. "Ich hab Lust, das zu teilen, was mir so gut tut. Und das ist neben Musik gerade der jüdische Humor."

Bei seinem neuen Label kann sich Levit auch Jazz und Hip-Hop vorstellen. "Es gibt keine künstlerischen Limits unter dem Dach von No Silence", sagt er. Wie sehr jemand für eine Idee brennt, ist ihm wichtig - auch dann, wenn das Projekt zunächst verrückt erscheint. Mit anderen gemeinsam Musik zu machen, darum soll es gehen. "Es ist eindeutig kein Label, was ich nur für mich in die Welt bringe. Nein, ich will mit großartigen Kolleginnen und Kollegen gemeinsam durch diese Zeit."

View the original on Tagesschau →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.