Nach Räumung in Madrid: Seniorin darf zurück in ihre Wohnung
Nach Protesten gegen ihre Zwangsräumung darf eine 87-Jährige Spanierin in Madrid in ihre Wohnung zurückkehren. Vertreter von Maricarmen Abascal erreichten am Montagabend eine entsprechende Einigung mit dem Immobilienunternehmen, dem das Gebäude gehört, wie die spanische Tageszeitung "El País" berichtet.

Abascal war 1956 mit ihren Eltern in die Wohnung im Madrider Stadtteil Retiro eingezogen und hatte später den Mietvertrag übernommen. Nachdem das Gebäude an ein Immobilienunternehmen verkauft worden war, sollte sie ausziehen, weil ihr alter Mietvertrag nicht mehr gültig sei. Die neuen Eigentümer bekamen vor Gericht Recht. Jetzt heißt es, die Seniorin dürfe zurückkehren. Ihre Miete werde in etwa dem Betrag entsprechen, den sie bisher gezahlt habe: rund 500 Euro für Miete, Nebenkosten und Hausgeld.
Fast 300 Prozent mehr Miete
Die Wohnung der Seniorin war zuvor zwangsgeräumt worden, die betagte Dame war auf einer Trage aus dem Wohnhaus gebracht und in ein Krankenhaus verlegt worden. Der neue Besitzer des Gebäudes hatte zuvor die Miete drastisch erhöht. Wie es in spanischen Medien heißt, war die Miete um exakt 275 Prozent erhöht worden, so dass Frau Abasacal statt 500 Euro ab sofort 2650 Euro zahlen sollte.
Aus Empörung über die Zwangsräumung der 87-Jährigen und aus Ärger über die immer größere Wohnungsnot in Spanien waren in Madrid am Wochenende Zehntausende auf die Straße gegangen. Der Protest stand unter dem Motto "Ni una Maricarmen más" ("Keine weitere Maricarmen"). Die Demonstranten machten sowohl die linke Zentralregierung von Pedro Sánchez als auch konservative Regionalregierungen wie jene von Isabel Díaz Ayuso in Madrid für die Wohnungsnot verantwortlich.

Die Teilnehmer der Kundgebungen forderten die automatische Verlängerung von Mietverträgen auf unbestimmte Zeit, einen besseren Schutz vor Zwangsräumungen, ein Einfrieren der Mieten sowie eine Reform des Mietrechts, die Zeitmietverträge und die Vermietung von Zimmern stärker reguliert. "Wir wollen kein Trostpflaster, sondern angemessenen Wohnraum", sagte die Sprecherin der katalanischen Mietervereinigung, Carme Arcarazo.
Hunderttausende Wohnungen fehlen
Unter dem Eindruck der Proteste arbeitet die Regierung jetzt daran, ein neues Gesetzesdekret zur Wohnungspolitik zu verabschieden. Vorgesehen sind unter anderem Maßnahmen gegen Zwangsräumungen.
Drastisch gestiegene Mieten und Wohnraummangel sind Umfragen zufolge für die Spanier schon seit geraumer Zeit das Problem Nummer eins im Land. Laut dem Immobilienportal Idealista haben sich die Durchschnittsmieten in Spanien in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Die spanische Zentralbank schätzt, dass landesweit mehr als 700.000 Wohnungen fehlen.
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