Der Wahlkreis-Krieg war entschieden - dann kam Trump
Einige wenige Duelle entscheiden bei den US-Midterms über die politische Machtverteilung in Amerika. An diesen Kandidaten hängen die Mehrheitsverhältnisse im Kongress.
18.09.2026 | 1:17 minUS-Medien schrieben von einem "Krieg", ein Thinktank nannte es nüchtern eine "Todesspirale": Seit einem Jahr überbieten sich Republikaner und Demokraten darin, vor den Midterms die Wahlkreise zu frisieren. Nun scheint es, als ob die Republikaner diesen Wettstreit gewonnen hätten. Doch haben sie sich überschätzt?
ZDFheute USA-Update:Dein Newsletter zum Trump-Effekt
Verstehen, was in den USA passiert: Alles Wichtige zu den Midterms, Trumps Politik und den Folgen für Europa und die Welt – eingeordnet von unseren Korrespondenten. Jetzt abonnieren!
Seinen Anfang nahm der Streit vor einem Jahr in Texas - und genau hier gerät die Strategie der Republikaner jetzt ins Wanken. Auf Wunsch von Donald Trump nutzte die Partei die Methode des sogenannten Gerrymanderings. Anhand von Daten berechneten die Republikaner, wie die Wahlkreise in Texas zugeschnitten werden müssten, um möglichst viele Sitze zu gewinnen.
Texas bekam eine neue Wahlkarte: Fünf zusätzliche Mandate wollten die Republikaner so aus dem konservativen Bundesstaat quetschen und sich die Mehrheit im US-Repräsentantenhaus sichern. Doch dabei sollte es nicht bleiben.
Für Trump steht bei den Midterms im November viel auf dem Spiel. Noch unentschlossene Wähler will er überzeugen. Sein Ziel: die republikanische Mehrheit im Kongress halten.
10.09.2026 | 29:41 minDemokraten und Republikaner starteten Kartenkrieg
Der "Krieg" um die Wahlbezirke begann: Die Demokraten zogen nach und veränderten die Wahlkreise im demokratischen Kalifornien. Bundesstaat für Bundesstaat zerrten die Parteien in den Folgemonaten an bisherigen Wahlkreisgrenzen. Noch im Mai zeigte sich der demokratische Fraktionsführer Hakeem Jeffries siegessicher:
Am Ende wird das für die republikanischen Extremisten kein gutes Ende nehmen. Denn über die Mehrheit im Kongress entscheiden die amerikanischen Wählerinnen und Wähler, nicht Donald Trump.
Hakeem Jeffries, demokratischer Minderheitsführer im US-Repräsentantenhaus
Unter den Demokraten schien sich eine neue Haltung breitzumachen: Ja, das Gerrymandering sei nicht die feine Art - doch wenn die Republikaner so spielten, bliebe ihnen doch keine andere Wahl. "Es ist lächerlich, in einer Demokratie so vorzugehen", kritisiert dagegen Nicholas Stephanopoulos von der Harvard Law School. Durch ihr Gerrymandering erschwerten beide Parteien den Wählern faire Abstimmungen.
Gerrymandering: Wer verändert die Wahlkreise besser?
Über die gesamte Wahlkarte hinweg konnten die Parteien nur einen Teil der Distrikte verändern, doch für eine Mehrheit im US-Repräsentantenhaus zählt jedes Mandat. Und heute, rund ein Jahr nach dem Auftakt in Texas, steht fest: Die Republikaner haben den Kampf um die Wahlkarte gewonnen.
Sie konnten in deutlich mehr Bundesstaaten die Wahlkreise ändern, demokratische Gegenversuche erlitten derweil Rückschläge. Auftrieb gab den Republikanern auch ein Urteil des Supreme Courts: Das Gericht schwächte den Schutz vor Zerschneidung von Wahlkreisen mit mehrheitlich Schwarzer Bevölkerung - und traf damit eine wichtige Wählergruppe der Demokraten.
Die Neugliederung der Wahlkreise in Texas sollte den Republikanern bis zu fünf zusätzliche Sitze im Repräsentantenhaus bescheren.
Quelle: APBis zu 16 zusätzliche Sitze könnten sich die Republikaner gesichert haben, schätzten US-Medien noch im Sommer. Bei den Demokraten waren es dagegen lediglich sechs Mandate. Punktsieg für die Republikaner, wenn auch keine Garantie für einen Sieg bei den Midterms. Denn der Vorteil beginnt zu schmelzen: Im Bundesstaat Missouri kassierten Gerichte die republikanischen Pläne, sich einen weiteren Sitz per Gerrymandering zu sichern. Und womöglich zahlen sich auch die anderen Wunsch-Distrikte weniger aus als zunächst erhofft.
Zeigt Texas den Republikanern Grenzen auf?
Die Demokraten vermuten bei den Republikanern einen Schwachpunkt: Donald Trump. Der US-Präsident gilt zunehmend als unbeliebt - doch bei der Gestaltung der Wahlkreise hatten die Republikaner auf Wählergruppen gehofft, die Trump einst gewonnen hatte. Nun scheint unklar, ob diese Wähler den Republikanern treu bleiben.
Donald Trump steht bei den Midterms 2026 in den USA nicht zur Wahl. Doch es geht um die Mehrheit der Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus - und damit auch um seine Macht.
09.09.2026 | 1:26 minUnd da kommt wieder Texas ins Spiel: Hier setzten die Republikaner beim Neuzuschnitt der Wahlkreise auch auf Latino-Wähler, die Trump zuvor bei der Präsidentschaftswahl überzeugt hatte. Allerdings bröckelt Trumps Rückhalt unter den Latinos. So sieht eine Studie inzwischen die Demokraten in einem Teil der texanischen Wahlkreise vorne, in dem viele Latino-Wähler leben.
Fünf neue Sitze wollten sich Trump und seine Partei in Texas sichern - doch der Plan sei von Anfang an unrealistisch gewesen, erklärt Mark Jones von der Rice University. Die Republikaner hätten die Loyalität der ehemaligen Trump-Wähler überschätzt. Zwar verschwinde der Vorteil durch die neuen Wahlkreise nicht völlig, doch statt der angepeilten fünf neuen Sitze könnten die Republikaner bestenfalls drei zusätzliche Sitze in Texas gewinnen.
Donald Trump ist ein Mühlstein um den Hals republikanischer Kandidaten im ganzen Land.
Mark Jones, Rice University
Trump droht, bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im Kongress zu verlieren. Deshalb versucht er, mit allen Mitteln Zweifel an den Regeln zu säen. Vor allem die Briefwahl hat er im Fokus.
16.09.2026 | 10:55 minAuch in Florida sorgen sich Republikaner vor den Midterms
Und nicht nur in Texas, auch anderswo kommen Zweifel am Erfolg der neuen Wahlkreise auf. In Florida hofften die Republikaner auf vier zusätzliche Sitze durch das Gerrymandering. Doch trotz des Zuschnitts seien weiterhin all diese vier Rennen offen, erklärte Floridas republikanischer Gouverneur Ron DeSantis gegenüber einem Lokalmedium - und verwies auf die "bestimmte Stimmung" im Land.
Trumps ursprüngliche Strategie, die politische Landkarte zu seinen Gunsten zu zeichnen, scheint auf dem Papier gelungen. Doch vielleicht krankt diese Strategie an einer entscheidenden Variable - ihm selbst.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.