Endlager-Suche: Schluss mit der Atommülltrennung!

Die Suche nach einem Endlager für radioaktive Abfälle kommt voran. Der Großteil des Atommülls wird dabei jedoch ausgeblendet. Das ist keine gute Idee.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
D ie Suche nach einem Endlager für den deutschen Atommüll kommt Schritt für Schritt voran. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung hat in einem Zwischenbericht die infrage kommenden Gebiete weiter eingegrenzt – auf nur noch 5 Prozent des Bundesgebietes. Im kommenden Jahr will sie konkrete Regionen benennen, die für eine weitergehende oberirdische Erkundung infrage kommen. Bis ein Standort benannt und ein Endlager gebaut und befüllt ist, wird es indes noch Jahrzehnte dauern.
Ein Makel dabei: Das Verfahren konzentriert sich lediglich auf die rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiven Atommüll. Zwar wird geprüft, ob auch eine zusätzliche Endlagerung schwach und mittelradioaktiver Abfälle möglich ist. Eine explizite Vorgabe ist das aber nicht.
Dabei drückt auch dieser Schuh ganz besonders. Für den weniger stark strahlenden und Wärme entwickelnden Atomschrott – der immerhin rund 95 Prozent ausmacht – ist bislang das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad in Salzgitter vorgesehen. Der Standort steht aber auf der Kippe. Umweltverbände halten ihn für nicht sicher und klagen gegen die Baugenehmigung. Denn in den Schacht tritt Wasser ein, zudem wurden die Abfälle dort nicht rückholbar eingelagert – aus Sicht der aktuellen Forschung ein No-go.
Vor allem aber: Schacht Konrad ist viel zu klein. Denn dort dürfen höchstens die rund 300.000 Kubikmeter Atommüll eingelagert werden, die im Betrieb der Atomkraftwerke sowie in Forschung und Medizin angefallen sind. Für die aus dem havarierten Salzbergwerk Asse zu bergenden Fässer sowie für die Rückstände aus der Urananreicherungsanlage Gronau – grob geschätzt jeweils etwa 150.000 Kubikmeter – wäre in Salzgitter aber definitiv kein Platz.
Das laufende Suchverfahren müsste also einen Standort in den Blick nehmen, der sicher alle Arten des angefallenen und noch anfallenden Atommülls aufnehmen kann. Eine Alternative wäre ein Neustart des 2017 bereits neu gestarteten Suchverfahrens für sämtliche schwach und mittelradioaktiven Abfälle. Das Problem auszublenden oder auf die ganz lange Bank zu schieben, ist jedenfalls keine gute Idee.
Vielleicht hilft ein Blick über die Grenzen: In der Schweiz ist ein Standort nahe der deutschen Grenze für alle Abfallkategorien im Gespräch, während Frankreich sein Endlager für hoch- und mittelradioaktiven Müll in Bure plant. Beide Projekte stoßen auf Widerstand von Umwelt- und Bürgerinitiativen. Das wird in Deutschland nicht anders sein. Denn eine verlässliche Sicherheitsgarantie über Hunderttausende von Jahren kann letztlich niemand geben.
Reimar Paul Autor
Jahrgang 1955, Journalist und Buchautor. Schwerpunkte: Umwelt, Atomkraft, Verkehr, Flucht & Asyl, Fußball. Schreibt u.a. für taz, nd, Tagesspiegel, Weser-Kurier und die Nachrichtenagentur epd. Leitet taz-Radreisen ins Wendland.
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