Bund und UniCredit verhandeln über Commerzbank-Übernahme
Marktbericht
Bund und UniCredit Gespräche in Berlin zu Commerzbank-Übernahme
Stand: 14.09.2026 • 14:27 Uhr
Die UniCredit hat am Finanzmarkt Realitäten geschaffen, und die Politik muss reagieren. Heute wird Bankchef Orcel im Finanzministerium empfangen. Es geht um die gepalnte Übernahme der Commerzbank.
Zwei Jahre lang hatte die Bundesregierung Gesprächsangeboten von UniCredit-Chef Andrea Orcel widerstanden, nun muss sie sich den Realitäten des Finanzmarkts beugen.
Heute Nachmittag empfängt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) den italienischen Bankenchef, um über die anstehende Übernahme der Commerzbank zu sprechen. Laut Insidern will Klingbeil dabei auf den Erhalt "der deutschen Identität" und der Börsennotierung des Frankfurter Instituts pochen. Außerdem sollen die Italiener auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Der Bund wolle sich zudem zwei Sitze im Aufsichtsrat erhalten.
Die Commerzbank selbst, die lange gegen die feindliche Übernahme gekämpft hatte, steht offenbar schon seit ein paar Wochen im Gespräch mit der UniCredit.
UniCredit fast am Ziel
Allzu gut ist die Verhandlungsposition der Regierung nicht mehr, jetzt da sich die UniCredit fast 50 Prozent der Stimmrechte gesichert hat. Der Bund kann dagegen nur noch seinen Anteil von gut zwölf Prozent in die Waagschale werfen.
Weil die Commerzbank selbst eigene Aktien hält, die kein Stimmrecht besitzen, werden die Anteile oft unterschiedlich angegeben. Der Bund hält noch 12,1 Prozent aller Anteile, kommt aber damit aus dem genannten Grund auf derzeit 12,7 Prozent der Stimmrechte.
Vision einer europäischen Großbank
Allerdings dürfte auch Orcel um ein konstruktives Verhältnis zur Bundesregierung bemüht sein, um seine geschäftliche Basis in Deutschland nicht zu beschädigen. Mit der ehemaligen HypoVereinsbank haben die Italiener hier bereits beträchtliche Geschäftsinteressen. Seit 2005 gehört ihnen auch die Bank Austria aus Österreich.
Immerhin könnte Orcels Vision eines europäischen Gegengewichts zur übermächtigen US-Konkurrenz der Berliner Politik ein Einlenken erleichtern. Durch die Fusion entstünde eine Bank mit einer Bilanzsumme von mehr als 1,3 Billionen Euro. Die Europäische Zentralbank tendiert Insidern zufolge dazu, die Transaktion zu genehmigen.
Was wird aus dem Firmenkundengeschäft?
Derweil bleibt der Erklärungsbedarf gegenüber dem Bund erheblich. Wieviele Filialen sollen erhalten bleiben, und welches Gewicht soll das bedeutende Firmenkundengeschäft der Commerzbank behalten? Das Finanzministerium hatte zuletzt erneut die Bedeutung der Bank für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und insbesondere des Mittelstands betont.
Die Commerzbank bangt bei einer Übernahme auch um ihr umfangreiches Auslandsnetz, mit dem sie den Mittelstand beim Export begleitet. Die UniCredit setzt in ihrem Geschäftsmodell dagegen vor allem auf die europäischen Kernmärkte.
Die Bundesregierung werde im Sinne des Mittelstands, des Standorts und der Beschäftigten handeln, teilte das Finanzministerium am Freitag mit. Sie sei dazu in Gesprächen mit der Commerzbank und dem Betriebsrat.
Ob das Gespräch in Berlin greifbare Ergebnisse bringt, bleibt abzuwarten. Die Aktie der Commerzbank, die in den vergangenen Monaten deutlich angezogen hat, verliert heute mit einem Abschlag von über einem Prozent stärker als der Gesamtmarkt.
DAX im Öl-Stress
Der DAX gibt heute bis zum frühen Nachmittag 0,4 Prozent auf 25.460 Punkte nach. Dem Aktienmarkt machen vor allem die weiter steigenden Ölpreise infolge der gestörten Ölexporte Saudi-Arabiens zu schaffen.
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