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Thursday, October 15, 2026

Starlink: Eine Weltraumfirma beeinflusst die Geopolitik

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Ob in den unwirtlichen Wüsten der Sahara oder im tiefen Amazonas-Regenwald, in den Weiten des Stillen Ozeans oder auf dem Eispanzer der Arktis: In vielen Gegenden dieser Welt hat der moderne Mensch ein großes Problem. Ihm fehlt der Internetzugang.

Ursprünglich ließ der US-amerikanische Tech-Milliardär Elon Musk Starlink entwickeln, um genau dieses Problem zu beheben: weltweit schnelles Netz in Regionen zu bringen, in denen dies auf herkömmlichem Weg, also über Kabel oder Glasfaser, nicht möglich ist - oder aber so teuer, dass es sich einfach nicht lohnt.

Porträt des US-Tech-Milliardärs Elon Musk
Starlink-Gründer Elon MuskBild: Julia Demaree Nikhinson/AP Photo/dpa/picture alliance

Ob in der Ukraine oder im Iran: Mittlerweile ist der Anwendungsbereich von Starlink noch deutlich größer geworden. Es wird zur Kommunikation in Katastrophengebieten genutzt, aber auch von Armeen oder Protestbewegungen - etwa in Gebieten, in denen das ursprüngliche Internet durch feindlichen Beschuss zerstört oder von diktatorischen Regimes abgeschaltet wurde. Doch das Ganze hat auch seine Schattenseiten: Denn in der Ukraine etwa ist die Armee hochgradig abhängig von Elon Musks Satellitensystem. Das zeigt sich vor allem jetzt, da die Verbindung von außen beeinträchtigt wird.

Wie funktioniert Starlink?

Im Grunde handelt es sich bei Starlink, das von dem US-Raumfahrtunternehmen SpaceX betrieben wird, um ein satellitengestütztes Internetsystem, bei dem knapp 10.000 kleine Satelliten die Erde umspannen. Sie leiten einander Datenpakete über Laser-Verbindungen weiter und sind dabei nicht auf eine ständige direkte Sichtverbindung zu einer Bodenstation angewiesen, die das Satellitensystem mit dem herkömmlichen Internet verlinkt.

Starlink-Empfänger auf einer Dachterrasse
Auch bei den Portesten im Iran Anfang 2026 kam Starlink zum EinsatzBild: Middle East Images/picture alliance

Im Gegensatz zu anderen Internetsatelliten, die in etwa 36.000 Kilometern Höhe kreisen, befinden sich Starlink-Satelliten nur rund 550 Kilometer über der Erdoberfläche. Dadurch können Internetsignale wesentlich schneller weitergeleitet werden; die Verzögerungen werden so gering gehalten, dass auch datenintensivere Anwendungen ermöglicht werden.

Nutzer benötigen lediglich ein kleines Empfangsterminal mit einer elektronisch gesteuerten Antenne, die sich automatisch auf die vorbeiziehenden Satelliten ausrichtet. Das empfangene Signal leiten diese Terminals an einen in der Nähe befindlichen Router weiter, der die Internetverbindung im lokalen Netzwerk bereitstellt.

Wo kam Starlink bereits zum Einsatz?

Ukraine: Seit Beginn des russischen Angriffskrieges im Februar 2022 hat sich Starlink zu einem der wichtigsten Kommunikationsinstrumente im Kriegsgebiet entwickelt. Militärs nutzen Starlink zur Koordination von Einheiten, zum Betrieb von Drohnen und zur Steuerung unbemannter Bodensysteme. Im zivilen Bereich wird das System etwa für Krankenhäuser, Rettungsdienste, Energieversorger oder die ukrainische Eisenbahn eingesetzt.

Starlink: Wie ein Satellitensystem Kriege prägt

In der Ukraine zeigt sich besonders deutlich, wie stark ihre militärische Handlungsfähigkeit inzwischen von Starlink abhängt. In dieser Woche meldeten ukrainische Armee-Einheiten Einschränkungen bei der Datenübertragung, was insbesondere dazu geführt haben soll, dass die Steuerung von Kampf-, Abfang- und Aufklärungsdrohnen stark beeinträchtigt wurde. SpaceX-Gründer Elon Musk erklärte, Beschränkungen bei Geschwindigkeit und Nutzung von Starlink würden vom US-Militär und letztlich vom US-Präsidenten bestimmt. Wer die konkrete Einschränkung veranlasst hat, ist bislang nicht abschließend geklärt.

Iran: Anfang 2026 kam es zu landesweiten Protesten gegen das Regime in Teheran, das unter anderem mit einer Abschaltung des Internets reagierte. Berichten zufolge sollen jedoch tausende Terminals ins Land geschmuggelt und zu Schwarzmarktpreisen weiterverkauft worden sein. Dadurch konnte die Protestbewegung Starlink nutzen, um trotz staatlicher Internetzensur ihre Demonstrationen gegen das Regime zu koordinieren.

Irans Behörden gehen hart gegen den Satellitendienst und seine Nutzer vor. Mohammad Amin Aghamiri, Sekretär des Obersten Nationalen Cyberspace-Rates, bezeichnete Starlink als feindliches "Kriegsinstrument“ und gab an, das Regime verfüge über mehrere Instrumente zur Unterbrechung der Satellitenverbindungen. Starlink ist im Iran offiziell verboten. Wer den Dienst dennoch nutzt, dem drohen Haftstrafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. In Verbindung mit Anklagen wegen Gefährdung der nationalen Sicherheit oder Spionage kann sogar die Todesstrafe verhängt werden.

"Starlink" und der Kampf um den Internetzugang im Iran

Sudan: Im sudanesischen Bürgerkrieg wird Starlink vor allem von den Rapid Support Forces (RSF) genutzt, einer paramilitärischen Gruppe, die gegen die staatliche Armee kämpft. Hunderte von Geräten wurden über die Vereinigten Arabischen Emirate ins Land geschmuggelt, mittlerweile hat sich im Land ein regelrechter Schwarzmarkt für Starlink-Terminals etabliert. Die RSF nutzen diese zur Kommunikation und Koordination ihrer Milizen, während die staatlichen sudanesischen Streitkräfte (SAF) versuchen, den Import und die Nutzung zu blockieren.

Venezuela: Auch dort wurde Starlink in der Vergangenheit dazu genutzt, um Informationssperren zu durchbrechen und den Zugang zum freien Internet zu sichern. Der Dienst war lange Zeit nur inoffiziell über den Kauf von Kits bei lokalen Händlern verfügbar. Nach der US-Intervention im Januar 2026, bei der auch Ex-Staatschef Nicolas Maduro gefangen genommen wurde, bot Elon Musk den Bürgern des Landes zeitweise einen kostenlosen Internetzugang an.

Gaza: Seit Juli 2024 wird Starlink im weitgehend zerstörten Gazastreifen für humanitäre Zwecke eingesetzt. Hilfsorganisationen und ein Feldlazarett können es nutzen, um dort telemedizinische Hilfe und logistische Koordinationen zu ermöglichen. Der breite Zugang für Zivilisten bleibt aber bislang eingeschränkt, auch aufgrund von Sicherheitsbedenken auf israelischer Seite.

Welche Kritik gibt es an Starlink?

Oft ist Starlink in Konfliktgebieten die einzige Internetquelle. Das verleiht Elon Musk einen extrem großen Einfluss. Teilweise hängt die Kommunikation kompletter Streitkräfte oder Hilfsorganisationen von seinem Unternehmen SpaceX ab. So verweigerte Musk der Ukraine in der Vergangenheit etwa die Freischaltung des Dienstes für einen Angriff nahe der Krim. Auch US-Präsident Trump drohte der Ukraine bereits mit einer Abschaltung der Satelliten, um Kyjiw in Verhandlungen zu Zugeständnissen zu zwingen.

Ukrainischer Soldat bedient einen Starlink-Empfänger
Wichtiges Kommunikationsinstrument im Kriegsgebiet: Ukrainischer Soldat mit Starlink-EmpfängerBild: Alexander Polegenko/picture alliance

Kritik gibt es auch aus ökologischer Sicht. Die Starlink-Satelliten sind auf Masse produziert und haben nur eine Lebensdauer von knapp fünf Jahren. Im Durchschnitt verglühen jeden Tag ein bis zwei der Musk-Satelliten in der Erdatmosphäre, das dabei freiwerdende Aluminiumoxid könnte die Ozonschicht beeinflussen und zur Erderwärmung beitragen. Zudem reflektieren die zahlreichen Satelliten das Sonnenlicht, wodurch der Nachthimmel insgesamt heller wird, was womöglich auch Auswirkungen auf die Tierwelt hat.

Wer arbeitet an Alternativen?

Allen Bedenken zum Trotz: Um das Monopol von Starlink zu brechen, wird insbesondere in Europa bereits an Alternativen gearbeitet. Der aktuell größte private Konkurrent von SpaceX heißt Eutelsat. Jedoch ist dessen Satellitendienst OneWeb mit einer Flotte von über 600 Satelliten deutlich kleiner; zudem konzentriert sich der Dienst auf Geschäftskunden und maritime Zwecke. Eutelsat ist aber auch beteiligt an der Entwicklung von IRIS² - dabei handelt es sich um ein ehrgeiziges, hochsicheres Satellitennetzwerk der Europäischen Union. Dieses soll Europa unabhängiger von Starlink machen. Erste Satellitenstarts sind für 2029 geplant, die vollständige Leistungsfähigkeit ist für 2032 vorgesehen. 

Auch innerhalb der USA droht Elon Musk Konkurrenz, und zwar von seinem Milliardärskollegen Jeff Bezos. Dessen Firma Amazon arbeitet derzeit mit Hochdruck an seinem Dienst "Amazon Leo": dem Aufbau eines Netzwerks aus über 3000 neuen Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn. Amazon will den Dienst noch im laufenden Jahr bereitstellen.

Eine weiße Rakete mit aufgemalter chinesischer Flagge fliegt in den blauen Himmel.
Ehrgeizige Weltraumnation China: Start einer Trägerrakete vom Typ "Langer Marsch 2F"Bild: Andy Wong/AP Photo/dpa/picture alliance

Es wird also voll am Himmel, zumal auch China an gleich zwei eigenen Satelliten-Kommunikationssystemen tüftelt. Das staatliche Projekt "Guowang" ist eher für nationale und militärische Zwecke konzipiert und soll bis zu 13.000 Satelliten umfassen, während das mit rund 12.000 Satelliten veranschlagte Projekt "Qianfan" eher kommerziell ausgerichtet ist und Schwellen- und Entwicklungsländer bedienen soll. Erste Massenstarts für beide Projekte sind ebenfalls schon für dieses Jahr vorgesehen.

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