Randale in Frankreich: "Lehre aus der Gelbwestenbewegung"
Gewalt, Plünderungen und brennendes Rathaus: Die Ausschreitungen in Frankreich erreichen einen neuen Höhepunkt. Wie tief die Krise ist, ordnet ZDFheute live ein.
18.10.2026 | 21:36 minMassenproteste gegen hohe Lebenshaltungskosten und für ein besseres Bildungswesen sind in Frankreich in massive Gewalt und Ausschreitungen gemündet. In Paris und anderen Städten brannten Autos und Gebäude, Geschäfte wurden geplündert. Mindestens 1.800 Menschen wurden landesweit festgenommen, Hunderte Einsatzkräfte verletzt.
Die Politikwissenschaftlerin Hélène Miard-Delacroix von der Sorbonne-Universität ordnet die Ereignisse bei ZDFheute live ein.
Sehen Sie das Interview oben in voller Länge oder lesen Sie es hier in Auszügen.
Das sagt Miard-Delacroix zu ...
… den Teilnehmern der Proteste
"Es haben sich unterschiedliche Gruppen verabredet, an diesem Samstag zusammen zu protestieren" erläutert Miard-Delacroix. Aus den Schülerprotesten sei es zu Studierendenprotesten gekommen, aber auch zu einem Protest von Menschen aus dem ganzen Land, die gegen die Regierung protestieren. "Darunter waren auch die berühmten Gelbwesten, die gemeint haben, jetzt müssen sie nach mehreren Jahren wieder sich zeigen."
Die Leute, die auf die Straße gehen, haben - jede Gruppe für sich - einen guten Grund, haben Forderungen. Und hat den Eindruck, dass solange es nicht knallt, die Regierung nicht reagiert.
Hélène Miard-Delacroix , Universität Sorbonne
"Am Rande und zum Teil auch innerhalb jeder Gruppe gibt es Aktivisten, die [sagen] - und sie haben das auch in den Medien offen gesagt - solange man nicht alles kaputtmacht, wird man nicht gehört. Das sind die Lehren aus der großen Bewegung der Gelbwesten vor acht Jahren."
Bei Protesten in Frankreich hat es schwere Ausschreitungen gegeben. Premierminister Lecornu sprach von einem "entsetzlichen Ausmaß an Gewalt". In Limoges wurde das Rathaus in Brand gesetzt.
18.10.2026 | 0:21 min… den Reaktionen der französischen Politik
"In sechs Monaten gibt es Präsidentschaftswahlen, wahrscheinlich danach auch Parlamentswahlen", erläutert die Politikwissenschaftlerin. "Und es bilden sich zwei große Fronten, rechtsextrem und linksextrem, und beide Seiten versuchen, von der Situation zu profitieren."
"Das linksextreme Lager mit La France insoumise, mit Jean-Luc Mélenchon feuert zum Teil an und möchte auch zum großen Teil die Schülerproteste und alle Proteste von der Basis instrumentalisieren, daraus neue Stimmen gewinnen. Auf der anderen Seite profitiere aber auch die Partei von Marine Le Pen im Rassemblement National, sie "geriert sich als die einzige Möglichkeit, die Ordnung wieder herzustellen".
Das "mittlere Lager", Teile der Regierung oder der Sozialdemokraten, hätten laut Miard-Delaxroix derzeit kaum eine andere Handlungsoption als Entsetzen zu zeigen. Angesichts des finanziellen Zustands Frankreichs hätten sie nicht viele Antworten und könnten kaum Geschenke machen, um die Menschen wieder zur Ruhe zu bringen, so Miard-Delacroix.
In Frankreich demonstrieren Zehntausende gegen soziale Ungleichheit und hohe Lebenshaltungskosten. Bei den landesweiten Protesten kam es zu heftigen Ausschreitungen.
17.10.2026 | 1:40 min… der Rolle der französischen Linken
"Dieser Schülerprotest begann in einem Vorort von Paris, im Grunde als Solidarisierung der Schüler mit ihren Lehrern an ihrer Schule", berichtet Miard-Delacroix. Dort sei die Partei La France insoumise sehr gut vernetzt, auch in militante Gruppen.
"Hier organisiert La France insoumise diesen Unmut (…) und sagt: Nur auf der Straße, nur mit dem großen Umsturz kann man das System nicht nur verändern, sondern ersetzen", sagt Miard-Delacroix. "Sie liefert einigen Menschen eine vereinfachte Lösung auf ihre Probleme."
"Die Bilder, die man sehen kann, zeigen Menschen, die sich auch in den Vororten der Großstädte als nicht anerkannt verstehen, die den Eindruck haben, sie werden sowieso nicht wahrgenommen in dem, was sie sind. Und die dann die gute Gelegenheit ergreifen, da etwas sich anzueignen, was ihnen nicht gehört."
Das Interview führte ZDFheute live-Moderatorin Jessica Zahedi.
Brandstiftungen und Plünderungen
:Schwere Krawalle bei Protesten in FrankreichIn Frankreich ist es bei neuen Protesten zu den befürchteten schweren Krawallen gekommen. Es gab Brandstiftungen, Plünderungen und Angriffe auf öffentliche Gebäude.
mit Video0:21
Über das Thema berichtete ZDFheute live am 18.10.2026 um 12:45 Uhr.
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