„SaaSpocalypse“ abgesagt – oder verschoben? Software-Aktien steigen wieder
Angetrieben von guten Geschäftszahlen hat ein US-Aktienindex für Softwarefirmen und IT-Dienstleister am Dienstag den höchsten Stand seit November 2025 erreicht. Expertinnen und Experten sehen darin einen Hinweis darauf, dass die Warnungen vor der „SaaSpocalypse“ mindestens verfrüht waren. Das geht aus einem Bericht von Reuters anlässlich des neuen Jahreshöchststands des S&P 500 Software & Services Index hervor. Der hat demnach seinen größten Quartalssprung seit sechs Jahren hinter sich, angetrieben vorwiegend von Geschäftszahlen von Salesforce, ServiceNow und Accenture. Dieser erfolgte auch vor dem Hintergrund einer neuen Börsenrallye, die mit Nvidia den größten Profiteur des KI-Booms langsam an die Marke von 6 Billionen US-Dollar Marktwert führt.
Aktienkurse steigen und steigen
Unter dem Schlagwort „SaaSpocalypse“ wurde im Frühjahr vor Gefahren gewarnt, die die zunehmend leistungsfähigere KI-Technik für die Softwarebranche mit sich bringt. Die Annahme lautete, dass generative KI und vor allem autonome KI-Agenten das klassische Geschäftsmodell von Software-as-a-Service infrage stellen. Denn SaaS-Anbieter leben davon, dass alle Angestellten Zugang zu einzelnen Anwendungen benötigen. Leistungsfähige KI-Agenten könnten diese Kopplung auflösen, denn warum sollten Hunderte Vollzugänge bezahlt werden, wenn ein paar Agenten einen Großteil der Arbeit erledigen? Damit stand die ökonomische Grundlage der Softwareindustrie zur Debatte.
Zumindest bisher habe KI-Technik für viele der Softwareunternehmen aber „eher als Wegbereiter gewirkt als als disruptiver Faktor“, zitiert Reuters den Finanzexperten Adam Turnquist. Er hält es sogar für möglich, dass die Softwareindustrie die Halbleiterbranche an den Finanzmärkten überflügeln könnte. Bislang steht beim Softwareindex ein Jahresplus von 5 Prozent einem von fast 90 Prozent gegenüber. „Die gesamte ‚SaaSpocalypse‘ verlief bei weitem nicht so schnell, wie es einige Leute an der Wall Street erwartet hatten“, ergänzt mit Rebecca Wettemann eine weitere Expertin. Mit Brian Mulberry meint ein dritter Analyst aber, dass die echte Prüfung für die Branche nun in einem Jahr kommt, wenn viele Rechenzentren ans Netz kommen und KI-Coding zu einer größeren Bedrohung wird.
Gut gelaufen ist es zuletzt auch einmal mehr für die Aktien von Nvidia, der Konzern ist an der Börse inzwischen fast 5,8 Billionen US-Dollar wert. Angetrieben wurde der jüngste Anstieg beim Aktienkurs laut Bloomberg von einem starken Umsatzausblick und einer um 150 Milliarden US-Dollar aufgestockten Ermächtigung zum Aktienrückkauf, an der Wall Street liebe man so etwas. Nvidia sei dazu in der Lage, weil der Konzern so viel Geld einnehme, dass er überhaupt nicht wisse, was er damit alles anstellen solle. Den großen IT-Konzernen enteilt Nvidia damit weiter, noch hat kein anderer die Marke von 5 Billionen US-Dollar Marktwert überschritten. Apple und Alphabet kommen jeweils auf mehr als 4 Billionen, Microsoft kratzt aktuell an dieser Marke.
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