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Wednesday, October 21, 2026

Diplomatie gegen einen neuen Krieg am Horn von Afrika

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Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed hat eine Übergangsregierung für die nördliche Region Tigray angekündigt. Sie hat sechs Monate Zeit, um Regionalwahlen vorzubereiten und die Stabilität wiederherzustellen.

Die Ankündigung vom vergangenen Freitag ist der vorläufige Schlusspunkt einer Militäroffensive, die die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) gemeinsam mit sechs weiteren bewaffneten Gruppen im September gestartet hatte. Die Angreifer wurden schließlich zum Rückzug gezwungen und verloren die Kontrolle über die Region.

"Damit die Menschen in Tigray endlich den Frieden erreichen, der ihnen so lange verwehrt geblieben ist, ihr Recht auf Selbstverwaltung wahrnehmen und endlich die Früchte der Entwicklung genießen können, die ihnen seit vielen Jahren vorenthalten wurden, müssen sie diesen Kreislauf der Gewalt durchbrechen", schrieb Abiy in einer auf X veröffentlichten Erklärung.

Shishay Amare, der neue Bürgermeister der Regionalhauptstadt Mekelle, sagte laut der französischen Nachrichtenagentur AFP, man werde "die Voraussetzungen für Wahlen schaffen, indem man in ganz Tigray Frieden und Stabilität gewährleiste".

Er sei zuversichtlich, dass dies wie geplant innerhalb von sechs Monaten gelingen werde, sagte Amare. Zu den vorrangigen Aufgaben gehörten die Wiederherstellung des Friedens, die Unterstützung der Vertriebenen bei ihrer Rückkehr, die Wiedereröffnung der Märkte und die Sicherstellung humanitärer Hilfe für Bedürftige.

Warum die Beziehungen zu Eritrea entscheidend sind

Die jüngsten Kämpfe haben die Sorge vor einem Wiederaufflammen des verheerenden Kriegs in Tigray von 2020 bis 2022 verstärkt. Rund eine Million Menschen sind infolge des damaligen Konflikts noch immer vertrieben. Die Afrikanische Union schätzt unter Berufung auf Wissenschaftler der Universität Gent, dass etwa 600.000 Menschen durch Kampfhandlungen, Hungersnot und den Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung ums Leben kamen.

Die neue Regionalverwaltung steht vor ungelösten Konflikten um politische Macht und um Gebietsansprüche. Dazu gehört das Gebiet West-Tigray, das sowohl von Tigray als auch vom benachbarten Regionalstaat Amhara beansprucht wird.

Äthiopien und Eritrea waren einst erbitterte Feinde, unterzeichneten 2018 jedoch ein Friedensabkommen. Während des Krieges in Tigray kämpften eritreische Truppen später an der Seite der äthiopischen Bundesarmee. Seither haben sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern allerdings wieder deutlich verschlechtert.

Addis Abeba wirft Asmara vor, die Streitkräfte in Tigray zu unterstützen und auf äthiopischem Territorium präsent zu sein. Eritrea weist die Vorwürfe zurück.

Äthiopien 2019 | Premierminister Abiy Ahmed, Präsident Isaias Afwerki & Debretsion Gebremichael
Äthiopiens Premierminister Abiy Ahmed, Eritreas Präsident Isaias Afewerki und Debretsion Gebremichael, Anführer der Volksbefreiungsfront von Tigray, gingen 2019 gemeinsam spazieren, als die beiden Länder ihre Grenze öffnetenBild: Office of the Prime Minister-Ethiopia

Berichte über Truppenbewegungen Eritreas nahe der Grenze haben die Besorgnis zusätzlich verstärkt. Wie umfangreich eine mögliche aktuelle Stationierung von Soldaten ist, bleibt jedoch umstritten.

Tsedale Lemma, Journalistin und Herausgeberin des renommierten Magazins Addis Standard, sagte Anfang des Monats gegenüber der DW, die Gefahr eines neuen Konflikts sei das Ergebnis jahrelang ungelöster Spannungen und der mangelnden Umsetzung des Pretoria-Abkommens vom November 2022, mit dem der Krieg in Tigray für beendet erklärt wurde.

Die internationale Gemeinschaft "unterschätze die Gefahr eines neuen Krieges völlig", fügte Lemma hinzu. Internationale Akteure hätten es versäumt, die Umsetzung des Abkommens wirksam zu überwachen und angemessen darauf zu reagieren, dass der Friedensprozess zunehmend an Dynamik verlor.

Droht ein größerer Regionalkonflikt?

Die Konfrontation fällt in eine Zeit großer Instabilität in der gesamten Region. Dazu tragen unter anderem der Krieg im Sudan und die Spannungen zwischen Äthiopien und Ägypten um ein gewaltiges Staudammprojekt am Nil bei: der Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD). Äthiopien nahm den GERD im September 2025 offiziell in Betrieb. Dieser Schritt stieß bei den nilabwärts liegenden Anrainerstaaten Ägypten und Sudan auf harsche Kritik.

Auch der Wettbewerb um den Zugang zum Roten Meer verschärft die strategische Konkurrenz in der Region. Äthiopien verlor 1993 mit der Unabhängigkeit Eritreas seinen direkten Zugang zum Meer.

Der britische Journalist Martin Plaut, der sich auf das Horn von Afrika spezialisiert hat, warnt, die Region stehe an einem Scheideweg. Er hat auch die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass äthiopische Streitkräfte in Eritrea einmarschieren könnten. Eine Invasion ist bislang jedoch lediglich ein mögliches Szenario und keine bestätigte Entscheidung der äthiopischen Regierung.

Ein größerer Konflikt könnte den regionalen Handel und die Sicherheit der Schifffahrt gefährden. Das Rote Meer und die Meerenge Bab al-Mandab verbinden die Seehandelsrouten zwischen Europa und Asien. Damit ist die Region weit über Afrika hinaus von strategischer Bedeutung.

Äthiopien Benishangul-Gumuz 2025 | Blick auf den Großen Staudamm der äthiopischen Renaissance (GERD)
Ägypten und Äthiopien sind wegen des Baus des Grand Ethiopian Renaissance Dam im Nordwesten Äthiopiens wiederholt aneinandergeraten - hier ein Foto der Einweihung 2025Bild: Brian Inganga/AP Photo/picture alliance

Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben Äthiopien und Eritrea dazu aufgerufen, Zurückhaltung zu üben und auf Grundlage des Friedensrahmens von 2018 wieder in einen Dialog einzutreten.

US-Außenminister Marco Rubio warnte am Samstag vor Journalisten auf der Joint Base Andrews im US-Bundesstaat Maryland, der militärische Aufmarsch an der Grenze zwischen Äthiopien und Eritrea könne zu einem größeren Konflikt eskalieren.

Washington hoffe, dass die Aufhebung bestimmter Sanktionen die Kommunikation mit beiden Seiten verbessern werde, sagte Rubio. Zugleich betonte er, es brauche eine "besonnene und maßvolle" Reaktion, um einen umfassenderen Regionalkrieg zu verhindern.

Auch Großbritannien hat beide Länder zu neuen Gesprächen aufgerufen. "Wir fordern dringend eine Deeskalation und die Rückkehr zum Dialog. Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die Rolle der Afrikanischen Union bei der Vermittlung", erklärte ein Sprecher der britischen Regierung am 15. Oktober.

Die Rückeroberung von Städten in Tigray durch die äthiopische Armee hat die militärischen Kräfteverhältnisse verändert. Die Spannungen in der Region sind damit jedoch nicht gelöst.

Ob internationaler Druck einen größeren Krieg verhindern kann, hängt davon ab, ob sich die beteiligten Regierungen für einen Dialog statt für eine weitere Eskalation entscheiden.

Äthiopische Bundespolizisten auf Patrouille nach Kämpfen in Tigrays Hauptstadt Mekelle
Mitglieder der äthiopischen Bundespolizei patrouillieren auf einem Pickup-Truck, nachdem sie am 9. Oktober 2026 die Rebellen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) in Mekelle zurückgedrängt hattenBild: AFP

Mitarbeit: Tamirat Geleta, Christine Mhundwa

Dieser Artikel wurde von Antonio Cascais aus dem Englischen übersetzt und für die deutsche Ausgabe redaktionell bearbeitet.

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