Wurde Israel von Ägypten vor Hamas-Überfall gewarnt?
Netanjahu unter Druck Wurde Israel von Ägypten vor Hamas-Überfall gewarnt?
Stand: 27.09.2026 • 13:27 Uhr
Der Hamas-Terrorangriff von 2023 beschäftigt Israel bis heute. Einem Bericht zufolge wurde Israel von Ägypten vor dem Angriff gewarnt. Premier Netanjahu bestreitet das, doch die Vorwürfe setzen ihn vor der anstehenden Wahl unter Druck.
Was wusste Premierminister Benjamin Netanjahu über die Hamas-Pläne zum Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023? Diese Frage beschäftigt das Land erneut, Grund ist eine Recherche vom US-Magazin The Atlantic. Schon vorher hatte es Berichte gegeben, dass Netanjahu vor dem Angriff gewarnt worden sei.
Der neue Bericht beruft sich auf Regierungsvertreter in Israel, Ägypten und weiteren arabischen Ländern sowie auf Vertreter in den USA und Europa. The Atlantic schreibt, dass Ägyptens damaliger Geheimdienstchef Abbas Kamel Israel bereits elf Tage vor dem 7. Oktober vor einer drohenden Eskalation gewarnt habe. Kamel sei dafür eigens nach Israel geflogen. Sein Flugzeug habe sich 67 Minuten am Flughafen Ben Gurion aufgehalten. Ein konkretes Angriffsdatum oder operative Details soll die Warnung allerdings nicht enthalten haben.
Dieses Bild von 2021 zeigt Kamel und Netanjahu bei einem Treffen in der Residenz des israelischen Premierministers.
Dementi von Netanjahu
Bereits kurz nach dem Angriff hatte Netanjahu bestritten, dass er von Ägypten gewarnt worden sei. Nach der Veröffentlichung des The Atlantic-Berichts hieß es aus dem Büro Netanjahus erneut, die Behauptung sei falsch. Sie sei seinerzeit dementiert worden und werde nun wieder aufgewärmt, um die israelische Öffentlichkeit zu manipulieren.
Der Regierungschef habe weder mit Kamel gesprochen noch ihn getroffen. Auch sei ihm keine entsprechende Geheimdienstwarnung übermittelt worden. Laut The Atlantic soll Ägypten jedoch bis zwei Tage vor dem Angriff weitere Warnungen übermittelt haben.
Haaretz-Bericht: Warnung durch die Emirate
Der Bericht verstärkt die Debatte darüber, welche Informationen Israel vor dem 7. Oktober vorlagen. Bereits vor drei Wochen hatte die israelische Zeitung Haaretz berichtet, dass Israel Warnungen vor einem Hamas-Angriff vorlagen, die ignoriert worden seien.
Laut Haaretz soll der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed, Ende September 2023 mit Netanjahu telefoniert haben. Eindringlich habe er in dem Gespräch vor einem bevorstehenden Großangriff der Hamas gewarnt. Netanjahu-Berater Topaz Luk hatte den Haaretz-Bericht bestritten und ihn als Wahlkampf-Getöse abgetan: "Es gab kein solches Gespräch, keine solche Warnung wurde ausgesprochen." Netanjahu hat wegen des Berichtes eine Verleumdungsklage gegen die Zeitung angekündigt.
Netanjahu gegen Untersuchungskommission
Am 7. Oktober 2023 überfielen Hamas-Terroristen Israel. Sie töteten fast 1.200 Menschen und verschleppten etwa 250 als Geiseln in den Gazastreifen. Israel startete daraufhin einen Krieg gegen die Hamas. Zehntausende Menschen starben, darunter auch viele Zivilisten. Trotz einer Waffenruhe, die vor fast einem Jahr vereinbart worden war, greift Israel weiterhin Ziele im Gazastreifen an.
Oppositionspolitiker und Opfer des Überfalls fordern seit langem eine offizielle Untersuchungskommission, die Premierminister Netanjahu bisher immer verweigerte.
Beide Berichte sind auch wegen der anstehenden Parlamentswahl Ende Oktober in Israel brisant. Netanjahus Büro beschrieb den Haaretz-Bericht als eine "falsche Geschichte" im "Wahlkampf der Linken". Kritiker werfen ihm hingegen vor, keine persönliche Verantwortung für das Massaker vor fast drei Jahren übernommen zu haben.
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