Trumps Unterstützung half seinen Kandidaten nichts

Darum gehts
- Bei den US-Midterms hat Donald Trumps Unterstützung den republikanischen Kandidaten nicht geholfen.
- Im Senat verloren Trump-Kandidaten sechs Sitze an die Demokraten, darunter Texas mit Ken Paxton.
- Paxton erlitt mit fast 26 Punkten den grössten Einbruch gegenüber Trumps Resultat von 2024.
- In den Vorwahlen war das noch anders: 96 Prozent der Trump-Kandidaten hatten sich durchgesetzt.
«Wählt, als stünde ich auf dem Wahlzettel», hat US-Präsident Donald Trump im Vorfeld der Midterms mehrfach gesagt. Als sich in der Wahlnacht dann das Debakel für die Republikaner abzuzeichnen begann, schrieb er auf seiner eigenen Social-Plattform Truth: «Ich stand nicht auf dem Wahlzettel, und wenn doch, hätten wir einen Erdrutschsieg erzielt!» Gegenüber Fox News doppelte er nach: «Ich habe jeden dieser Staaten verlassen, und die Orte waren voll mit Tausenden, teils Zehntausenden Menschen. Wenn ich nicht auf dem Wahlzettel stehe, gehen sie nicht wählen.»
Angesichts der Zahlen darf das bezweifelt werden. Gemäss einer Auszählung von USA Today (Stand 4. November) sieht Trumps Bilanz derzeit so aus:
Im Senat verloren Trump-Kandidaten sechs republikanische Sitze an die Demokraten: Iowa, Kansas, North Carolina, Ohio, South Carolina und Texas. Bei den Gouverneurswahlen gingen fünf republikanisch regierte Staaten an die Demokraten, darunter Texas, wo Gouverneur Greg Abbott abgewählt wurde. Ein Teil der elf Niederlagen fiel allerdings in sichere demokratische Staaten wie Kalifornien, New York und Illinois, wo Trumps Kandidaten ohnehin kaum Chancen hatten. In drei Senatsrennen versuchte Trump, demokratische Sitze zu erobern. Alle drei Kandidaten verloren.
Diese Zahlen allein sagen aber wenig, auch wenn viele Medien nun bereits vom Ende Trumps als Königsmacher schreiben. Denn in einer Wahl, in der die Demokraten landesweit zulegten, verloren auch Republikaner ohne Trumps Segen.
20 Minuten hat deshalb die 33 bereits entschiedenen Senatsrennen mit Trumps Resultat von 2024 im gleichen Staat verglichen. Im Schnitt schnitten die republikanischen Kandidaten 15,2 Prozentpunkte schlechter ab als Trump vor zwei Jahren.
Auf den ersten Blick schnitten Trumps Kandidaten etwas schlechter ab. Doch beim Vergleich ist Vorsicht geboten: Die Republikaner ohne Trumps Unterstützung traten alle in Staaten an, die Kamala Harris 2024 gewonnen hatte, Trumps Kandidaten fast ausschliesslich in roten Staaten. Und gerade dort war der Einbruch generell besonders gross. Ob das Endorsement geschadet hat oder ob es schlicht an den Staaten lag, lässt sich deshalb nicht trennen. Klar ist nur: Geholfen hat es nicht.
Das zeigt sich auch bei den Neulingen, die Trump handverlesen aufgestellt hatte. Sie verloren kaum mehr als die Amtsinhaber, die er routinemässig unterstützt hatte, schnitten aber auch nicht besser ab. Die langjährige Senatorin Shelley Moore Capito aus West Virginia büsste 21,5 Punkte ein, mehr als Trumps Wunschkandidatin Julia Letlow in Louisiana (20,2 Punkte). Der Einbruch traf die Republikaner flächendeckend, mit oder ohne Trumps Segen.
Am tiefsten stürzte ausgerechnet Ken Paxton in Texas ab, den Trump in der Vorwahl gegen Senator John Cornyn durchgesetzt hatte: Statt Trumps Vorsprung von 13,7 Punkten aus dem Jahr 2024 verlor er mit 12,1 Punkten Rückstand.
In den Vorwahlen war Trumps Segen Gold wert
Bemerkenswert sind diese Zahlen vor allem im Hinblick auf die Vorwahlen. In ihnen entschied sich, welcher Republikaner für die Partei ins Rennen steigt. 96 Prozent der Kandidaten, die Trump unterstützte, gewannen ihre Primary. Auch in umkämpften Vorwahlen ohne Amtsinhaber setzten sich 61 von 69 Trump-Favoriten durch. Mit seiner Hilfe stürzten Herausforderer die Senatoren John Cornyn (Texas) und Bill Cassidy (Louisiana) sowie den Abgeordneten Thomas Massie (Kentucky).
«Kein Weisses Haus hat die eigenen Leute mehr sabotiert»
Trump bestimmte damit weitgehend, wer für die Republikaner antrat. «Noch nie war ein Präsident so stark an der Auswahl der Kandidaten seiner Partei beteiligt, in den Vorwahlen wie in der Hauptwahl», schrieb Marc Short, früherer Stabschef von Trumps erstem Vizepräsidenten Mike Pence, auf X. «Mir fällt kein Weisses Haus ein, das mehr getan hat, um die eigenen Parteikollegen zu sabotieren.»
Im November half Trumps Auswahl nicht. Gemäss der AP-Wählerbefragung fanden in North Carolina rund sechs von zehn Wählern, Trumps Kandidat Michael Whatley unterstütze Trump zu stark. Whatley verlor mit fast 20 Punkten Rückstand.
Umfragen zufolge waren die Wählerinnen und Wähler vor allem wütend über die hohen Lebenshaltungskosten und den andauernden Krieg im Iran. Vizepräsident JD Vance sieht darin auch den Hauptgrund für die Niederlage: Verloren habe man wegen des Kriegs. Selbst Trump räumte ein, dass der Krieg gegen Iran, den er vor rund neun Monaten begonnen hatte, und die gestiegenen Benzinpreise den Republikanern geschadet hätten. Bereuen will er nichts: Er würde es wieder tun.
Daniel Graf (dgr) arbeitet seit 2020 für 20 Minuten. Er ist Leiter des Ressorts News und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung.
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