Zwangsgeräumte Spanierin Maricarmen ist gestorben
Fall löste landesweite Proteste aus:Zwangsgeräumte Spanierin Maricarmen ist gestorben
Ihr Fall löste landesweit Empörung aus: Mit 87 Jahren musste Maricarmen Abascal ihre Wohnung verlassen, da sie die erhöhte Miete nicht bezahlen konnte. Nun ist sie verstorben.
In Barcelona sind Zehntausende gegen die Wohnungsnot auf die Straße gegangen. Nach weitgehend friedlichen Demonstrationen kam es zu vereinzelten Ausschreitungen und Festnahmen.
06.10.2026 | 0:21 minDie Zwangsräumung ihrer Wohnung in Madrid hat Massenproteste ausgelöst - nun ist die 87-jährige Maricarmen Abascal gestorben. "Wir bedauern mitteilen zu müssen, dass Maricarmen heute gestorben ist", teilte der Mieterverband am Mittwoch mit. Der Fall der 87-Jährigen hatte eine heftige politische Kontroverse, landesweite Proteste und schließlich Neuwahlen in Spanien ausgelöst.
Die Proteste, die in einem Protestcamp im Zentrum von Madrid gipfelten, hatten sich an der Zwangsräumung der Wohnung von Maricarmen am 23. September entzündet. Die alte Frau war auf einer Trage aus ihrer Wohnung in Madrid geholt worden, nachdem ein Investor den Mietpreis nach Angaben des Mieterverbands um 275 Prozent auf 2.650 Euro erhöht hatte. Maricarmen hatte seit mehr als 70 Jahren in ihrer Wohnung gelebt.
Mieterverband: Lösung für Maricarmen kam zu spät
Nach der Zwangsräumung wurde Maricarmen wegen Erschöpfung ins Krankenhaus eingeliefert. Es wurde danach zwar eine Einigung über ihre Rückkehr in die Wohnung erzielt, Maricarmen überlebte das aber nur wenige Tage. "Diese Lösung kommt zu spät", erklärte der Mieterverband. "Eine völlig vermeidbare Situation nach einem qualvollen Prozess."
Die Wohnungsnot in Spanien hat weitere Folgen: Regierungschef Sánchez kündigte Neuwahlen für Ende November an. Die Dekrete zur Bekämpfung des Problems sind im Parlament gescheitert.
05.10.2026 | 2:35 minDer Fall hatte landesweit Empörung und Wut ausgelöst. "Wir sind alle Maricarmen", stand auf Plakaten bei den Demonstrationen danach. Ihr Schicksal hatte auf besonders drastische Weise das Ausmaß der Wohnungsnot und Mietenexplosion in dem Land vor Augen geführt. Der Mieterverband erklärte nun, Maricarmens Fall sei eine Zäsur "in der Geschichte dieses Landes" gewesen.
Spanien steht vor Neuwahlen im November
Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez, der eine Minderheitenregierung anführte, wollte daraufhin seine Vorschläge gegen die Wohnungskrise im Parlament durchsetzen, brachte aber keine ausreichende Mehrheit zustande. Am vergangenen Montag verkündete er dann Neuwahlen für Ende November. Derzeit liegen die oppositionelle konservative Volkspartei PP und die ultrarechte Partei Vox in Umfragen vorne.
Nach der Ausrufung von Neuwahlen in Spanien werde der Wahlkampf dort "kurz und sehr heftig" werden, sagt ZDF-Korrespondent Thomas Walde. Eine Richtungsentscheidung stehe bevor.
05.10.2026 | 2:15 minDrastisch gestiegene Mieten und Wohnraummangel sind Umfragen zufolge für die Spanier schon seit geraumer Zeit das Problem Nummer eins im Land. Laut dem Immobilienportal Idealista haben sich die Durchschnittsmieten in Spanien in zehn Jahren fast verdoppelt.
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