Selenskyj sieht Putin als "Patient Null" der Kriegstreiberei
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in New York mit deutlichen Worten vor der Gefährlichkeit Russlands für die Weltgemeinschaft gewarnt. In der Generaldebatte der Vereinten Nationen beschrieb Selenskyj nicht nur die Last, die sein Land in dem seit mehr als viereinhalb Jahren dauernden russischen Angriffskrieg tragen müsse. Russland unter Staatschef Wladimir Putin bedrohe auch die Republik Moldau, Polen und die baltischen Staaten (Litauen, Lettland, Estland), sagte Selenskyj.
Die Führung in Moskau respektiere die Selbstständigkeit der Staaten im Südkaukasus und in Zentralasien nicht. Syrien und Länder in Afrika hätten leidvolle Erfahrungen mit "russischer Brutalität" gemacht.

Nordkorea habe seine Militärtechnik in Kooperation mit Russland weiterentwickelt und werde zu einer größeren Gefahr für seine asiatischen Nachbarn, erläuterte der ukrainische Präsident weiter.
Selenskyj belegte Putin mit einem medizinischen Fachbegriff: "Er ist der Patient Null, von dem die Idee des Krieges sich immer weiter verbreitet." Durch ihn werde die Welt für alle anderen gefährlicher. "Deshalb muss der Patient Null gestoppt werden, man muss ihm den Raum nehmen, zu handeln und das Böse zu verbreiten."
Selenskyj bittet abermals um Flugabwehrraketen
Zugleich machte der ukrainische Präsident nochmals deutlich, sein Land sei in seinem Abwehrkampf auf internationale Hilfe angewiesen. Man brauche vor allem dringend Flugabwehrwaffen.
Ferner beschrieb er die Fortschritte der Ukraine bei der Drohnentechnik, die nun mit Partnern geteilt würden. "Es geht nicht einfach darum, Drohnen zu verkaufen. Es geht um Kooperation mit anderen Ländern, um ein modernes integriertes Verteidigungssystem gegen die Drohnengefahr in die Luft, zu Wasser und an Land zu schaffen."
Viele Tote bei russischen Luftangriffen auf zivile Ziele
Bei neuen russischen Luftangriffen auf die Ukraine gab es in der Nacht zum Donnerstag weitere Todesopfer. Ein Ziel war ein Landwirtschaftsbetrieb in einem Dorf in der nordukrainischen Region Charkiw. Hier wurden sechs Menschen getötet, und zwölf Landarbeiter verletzt, wie der Gouverneur der Region im Onlinedienst Telegram mitteilte.
Auch auf die Hauptstadt Kyjiw wurden wieder ballistische Raketen und Drohnen abgefeuert. Die Behörden sprachen von mindestens zwei Todesopfern und mehreren Verletzten.

Selenskyj erklärte bei Telegram, die Angriffe hätten der zivilen Infrastruktur gegolten, Wohngebäuden, der Geburtsklinik, der Energieversorgung und der Logistik.
Kyjiw mit seinen rund drei Millionen Einwohnern war bereits in den vergangenen Tagen besonders heftig mit russischen Drohnen attackiert worden.
Lawrow: Angriffe werden nicht gestoppt
Unterdessen wies Russlands Außenminister Sergej Lawrow Überlegungen des Westens zu einer Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine nachdrücklich zurück. "Wir werden in unserer speziellen Militäroperation keine Pause einlegen", machte Lawrow bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York deutlich.

Nur Europa wolle eine solche Pause, um die Ukraine "in dieser Zeit mit Waffen vollzupumpen", sagte Lawrow.
Wadephul: Russlands hybride Angriffe haben neue Stufe erreicht
Auch Deutschlands Außenminister Johann Wadephul ging im UN-Sicherheitsrat auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ein. Er warf Putin angesichts zunehmender hybrider Attacken eine Eskalation der Aggression gegen Europa vor. "Russlands hybride Angriffe gegen diejenigen, die die Ukraine und das Völkerrecht unterstützen, haben eine neue Stufe erreicht", kritisierte der CDU-Politiker in der Sitzung in New York.
Wadephul erwähnte den versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle im Bundesland Sachsen Anfang August. Die Bundesregierung macht Moskau hierfür verantwortlich. Der Kreml weist jeden Zusammenhang mit dem Drohnenvorfall zurück.
Russland habe versucht, ukrainische Frachtflugzeuge mit einer mit Sprengstoff präparierten Drohne zu zerstören, sagte der Minister der konservativen CDU. "Dies ist kein Einzelfall von Russlands rücksichtsloser und gefährlicher Eskalation in Europa", fügte er hinzu.

Unter hybrider Kriegsführung versteht man einen koordinierten Einsatz militärischer, wirtschaftlicher, geheimdienstlicher und propagandistischer Mittel.
"Russland verschärft weltweit Hunger und Not"
Der Außenminister machte zugleich deutlich, die Folgen des Angriffskriegs gegen die Ukraine seien weltweit zu spüren. So habe die Ukraine eine sehr gute Getreideernte eingefahren. Aufgrund der russischen Attacken auf ukrainische Häfen könne das Getreide aber nicht in die Welt geliefert werden. "Damit verschärft Russland weltweit Hunger und Not", so Wadephul.
Der Minister rief nochmals zu einem sofortigen Waffenstillstand auf - beginnend am Schwarzen Meer, um die Versorgung mit Getreide und Lebensmitteln zu sichern. Er verlangte zudem einen umfassenden Austausch der Kriegsgefangenen und die Rückkehr zu Verhandlungen auf der Basis des Völkerrechts, um Frieden zu erreichen. "Lassen Sie uns endlich aus dieser Spirale der Zerstörung und Gewalt ausbrechen", forderte Wadephul.
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