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Friday, October 30, 2026

Tagebuch aus Kasachstan: Irgendein Job, irgendwas mit Töten

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Etliche Männer aus Kasachstan berichten, Russland setze sie gegen ihren Willen im Krieg ein. Nun versucht die Regierung, sie nach Hause zu holen.

A nfang Oktober kursierten in Kasachstan plötzlich Videos, die mehrere Männer in militärischen Uniformen zeigen, wie sie in einem Unterstand sitzen, mutmaßlich auf ukrainischem Gebiet. Sie richten einen Hilferuf an die kasachische Regierung. Die Männer berichten, sie seien nach Russland gereist, um dort zu arbeiten. An einem Kriegseinsatz hätten sie nie teilnehmen wollen.

Arbeitsplätze bei Sicherheitsfirmen, in Fleischverarbeitungsbetrieben und Geflügelfabriken seien ihnen versprochen worden, berichten die Männer. Stattdessen seien sie unter Ausnutzung ihrer mangelnden Russischkenntnisse dazu gebracht worden, Militärverträge zu unterschreiben. Sie hätten nicht verstanden, wozu sie sich verpflichteten. Nun bitten sie die kasachischen Behörden, ihre Rückkehr zu ermöglichen. Sie hätten Angst, an der Front zu sterben.

Nach Angaben der Männer bestand ihre Gruppe ursprünglich aus 15 Kasachstanern. Zum Zeitpunkt der Videoaufnahme seien nur noch neun von ihnen als Gruppe zusammen gewesen. Die übrigen sechs seien bereits in Kampfgebiete geschickt worden. Später kamen Berichte über insgesamt 21 kasachische Staatsbürger auf, die sich in einer vergleichbaren Lage befinden sollen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Schilderungen der Betroffenen bislang nicht.

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Im fünften Jahr des russischen Großangriffs auf die Ukraine ist dies nicht der erste Bericht über Menschen aus Zentralasien, die ursprünglich für Jobs nach Russland gereist sein sollen und anschließend im Krieg eingesetzt wurden. Auch Staatsangehörige Kirgisistans, Tadschikistans und Usbekistans haben in der Vergangenheit entsprechende Vorwürfe erhoben. Betroffene berichteten von Täuschung, Drohungen und Gewalt. Zudem gaben einige an, Verträge auf Russisch unterschrieben zu haben, obwohl sie die Sprache nicht ausreichend beherrschten. In welchem Umfang solche Praktiken tatsächlich angewendet wurden, lässt sich nicht zuverlässig feststellen.

Kasachstans Regierung bewegt sich

Nach Schätzungen des ukrainischen Programms „Ich will leben“ haben bislang fast 13.000 Menschen aus zentralasiatischen Ländern auf russischer Seite am Krieg gegen die Ukraine teilgenommen oder nehmen weiterhin daran teil. Darunter sollen 2.389 kasachische Staatsbürger sein. Die Zahlen sind nicht nur nicht zu verifizieren, sie sagen zudem nichts darüber aus, wie viele der Betroffenen freiwillig in den Krieg zogen und wie viele möglicherweise unter Druck gesetzt oder getäuscht wurden.

Bemerkenswert an dem aktuellen Fall ist nicht nur die Zahl der mutmaßlich Betroffenen, sondern auch die Reaktion der kasachischen Behörden. Anders als bei früheren Berichten über die Beteiligung kasachischer Staatsbürger am Krieg schaltete sich diesmal das Außenministerium ein. Es kündigte an, die Vorwürfe zu prüfen, und nahm Gespräche mit der russischen Seite auf.

Etwa eine Woche später wurde bekannt, dass neun Kasachstaner unter Beteiligung des Außenministeriums aus dem Kampfgebiet gebracht worden sein sollen. Sie halten sich demnach inzwischen im russischen Woronesch auf. Wann sie nach Kasachstan zurückkehren können, ist unklar. Über das Schicksal der zwölf weiteren Männer liegen bislang keine gesicherten Informationen vor.

In der Heimat warten Probleme

Selbst eine Rückkehr in ihre Heimat würde für die Betroffenen nicht zwangsläufig das Ende ihrer Probleme bedeuten. In Kasachstan sind Söldnertätigkeit und die Teilnahme an Kampfhandlungen in anderen Staaten strafbar. In den vergangenen Jahren wurden kasachische Staatsbürger, die auf russischer Seite gekämpft hatten, nach ihrer Rückkehr wiederholt verurteilt, zu bis zu fünf Jahren Gefängnis.

Die entscheidende Frage bleibt, ob Menschen, die nach Russland kamen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ohne ihre informierte Zustimmung in einen Krieg geschickt wurden.

Nikita Danilin , Jahrgang 1996, ist ein Journalist aus Almaty (Kasachstan). Er war Teilnehmer eines Osteuropa-Workshops der taz panterstiftung.

Aus dem Russischen von Tigran Petrosyan.

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