Schon wieder Reset-Knopf: Jürgen Klopp kämpft mit "doofem" Problem

Der zweite Akt beginnt: In München tritt erstmals der zweite Kader des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp auf die große Bühne. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt da gegen Serbien - und leidet nach wie vor unter Zeitnot und Erwartungsdruck.
Es ist nicht bekannt, ob Jürgen Klopp schon einmal im Ballett war. Und doch sieht er bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft immerhin Parallelen dazu. "Wenn man ein Ballett zusammenstellt", erklärte Klopp am Mittwochabend in der Münchner Arena, "und die sollen nach vier Tagen auftreten, dann rennen die sich über den Haufen."
Natürlich ist die DFB-Elf keine Tanzkompanie, das stellte auch Klopp klar. Und man sei bei der 0:1-Niederlage gegen Griechenland auch nicht über die Augsburger Bühne gestolpert. "Wir waren nur nicht aufeinander abgestimmt", sagte Klopp. Es ist trotzdem bezeichnend, dass er auch vor dem Duell gegen Serbien (20.45 Uhr/ZDF und im ntv.de-Liveticker) wieder einen neuen Weg gefunden hat, um die Öffentlichkeit um mehr Zeit zu bitten.
Noch immer hat der neue Bundestrainer kein Spiel gewonnen, die ersten beiden Spielen blieben sieglos. Die Fußballöffentlichkeit ist jetzt schon nervös. Sie debattiert über Mittelmäßigkeit und fehlende Unterschiedsspieler. Befeuert werden sie durch den zähen Auftritt gegen Griechenland. Das Publikum reagierte dort schon mit ersten zarten Pfiffen, weil sie ja etwas ganz anderes erwartet hatten: den Sehnsuchtsbundestrainer Jürgen Klopp, der den deutschen Fußball nur durch seine Präsenz rettet.
"Es ist halt nur doof"
All das weiß auch Klopp. Und er weiß auch, was sein Name bewirkt. Als ein Journalist fragte, ob Joshua Kimmich und Felix Nmecha im zentralen Mittelfeld nach seinen Vorstellungen harmoniert haben, wurde er grundlegender. "Ich verstehe total, dass nach dieser WM und wie die Tatsache behandelt wurde, dass ich Bundestrainer geworden bin, dass das ein großes Thema ist." Aber er sei gleichzeitig auch schon 25 Jahre im Fußball. "Und nach fünf Tagen hat noch keine Doppelsechs funktioniert. Es geht nicht. Es hat mit den Jungs nichts zu tun." Beim Ballett klappt das ja auch nicht.
Es sei vollkommen klar, dass die Spiele noch nicht so funktionieren, wie er das für in ein paar Monaten erwartet, legte Klopp im ntv/RTL/Sky-Interview nach. "Es ist halt nur doof, dass wir das in der Öffentlichkeit ablaufen lassen." Eine Entwicklung schreitet ja nicht schneller voran, nur weil sie unter dem Brennglas stattfindet. "Ich brauche niemanden fragen, sondern wir nehmen uns die Zeit, die wir dafür benötigen." Und am Ende soll dann eine erfolgreiche Fußballmannschaft auf dem Platz stehen.

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"Geht einfach nicht": Klopp bittet um Geduld
Deshalb kann er auch keine große Rücksicht nehmen. Schon in Augsburg sagte er, dass es ihm leidtäte, wenn er die Anfangseuphorie in seinem großangelegten Feldversuch erstickt hätte. Aber darum geht es ihm gerade gar nicht. Es sei wurscht, was die anderen gerade machen. Die Niederländer waren eingespielt, die Griechen auch, die Deutschen aber noch nicht. "Die Ergebnisse stören", sagte Klopp auf der Pressekonferenz, schnippte einmal und schob hinterher: "aber das ist nur ein Moment."
Neue Talente, neue Chancen
Damit sich das immerhin in Zukunft ändert, schlägt der Bundestrainer das nächste Kapitel auf. Erneut drückte Klopp den Reset-Knopf: Selbst Kapitän Kimmich musste abreisen, obwohl er das bis zur letzten Sekunde nicht wahrhaben wollte. Seit Sonntag ist der zweite Teil des 44er-Doppelkaders in Herzogenaurach aufgeschlagen. Neue Talente haben die Chance, sich zu zeigen.
Wenn der erste Kader eher das war, wo der deutsche Fußball gerade steht; dann ist der zweite der, der zeigen könnte, wie die Zukunft aussehen könnte. Das fängt schon im Tor an: Marc-André ter Stegen eröffnete den ersten Teil der ersten kloppschen Länderspielreise. Den zweiten Abschnitt schlägt Jonas Urbig auf, der die "Momentan"-Nummer-Eins wohl kurz- bis mittelfristig beerben wird. Der zweite Keeper des FC Bayern darf in München debütieren.
Und während die Abwehrreihe relativ DFB-erfahren ist (David Raum/Maximilian Mittelstädt, Malick Thiaw, Waldemar Anton, Ridle Baku), wird es davor spannender. Wer erbt die Kimmich-Position? In der Verlosung sind zwei Debütanten des eher rustikaleren Fußballs: Vitaly Janelt vom FC Brentford oder Mika Baur, der erst im Sommer zu Celtic Glasgow wechselte.
Davor könnte unter Umständen auch Florian Wirtz als Kapitän (falls nicht Serge Gnabry beginnt) auflaufen, neben ihm taucht entweder Aleksandar Pavlović oder U21-Kapitän Tom Bischof auf. Besonders spannend ist aber ohnehin das, was auf den Flügeln passiert. Dort stehen die Chancen gut, dass das Publikum in München die Flügelzange erlebt, die viele sich schon für die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada erhofft haben.
Die Fehler der anderen
Bayern-Jungstar Lennart Karl kehrt nach seiner tragischen Verletzung vor der WM ins DFB-Team zurück, mutmaßlich direkt in die Startelf. Und auf der anderen Seite könnte Kölns Said El Mala nun wirklich zu seinem DFB-Debüt kommen. Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte ihn nach Karls Verletzung etwas überraschend nicht während des Turniers nachnominiert, jetzt könnte er zeigen, dass er für die große Bühne bereit ist.

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Klopp macht ein Rätsel um Kapitänsfrage
Und der zweite Kader hat noch einen Vorteil: Sie konnten schon aus den Fehlern ihrer Vorgänger lernen, man habe "intensivst" daran gearbeitet. Schon vier Einheiten und drei Sitzungen hat Kader II in dieser Woche hinter sich. Dabei zeigt ihnen der Bundestrainer auch Bildmaterial vom Griechenlandspiel, schließlich erwartet man gegen Serbien eine ähnliche Partie. Und dort kam der Bundestrainer zur Erkenntnis: Auch richtige Handlungen können das falsche Ergebnis haben, wenn die Überzeugung fehlte. Als Beispiel nahm er das Gegentor, bei niemand die Griechen unter Druck setzte.
Er hätte auch gerne, dass es sofort klickt, sagte Klopp bei ntv, RTL und Sky. "Aber das ist unmöglich." Man kann nur hoffen, dass sie sich nicht über den Haufen laufen, um im Ballett-Bild zu bleiben. Denn statt Aufbruchseuphorie geht es sonst um gegen den Abstieg aus der Nations League. Eine Niederlage gegen Serbien könnte damit die EM-Quali etwas verkomplizieren.
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