Open-Data-Experten: Offene Daten helfen Bürgern – und der Verwaltung selbst
Offene Behördendaten helfen nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch der Verwaltung selbst – so lautete am Mittwoch die Kernbotschaft von Open-Data-Experten auf dem KGSt-Forum 2026 in Leipzig. Die Beschäftigung mit offenen Daten stärke die Datenkultur in der Verwaltung und helfe beim Abbau von Silodenken, argumentierten Vertreter der Bertelsmann-Stiftung, der Technologiestiftung Berlin und des Rhein-Kreises Neuss in einer Podiumsdiskussion auf der Kongressmesse für Kommunen.
Klemens Maget, der für die Technologiestiftung Berlin bei der Open Data Informationsstelle Berlin (ODIS) tätig ist, berichtete von der Lage in der Hauptstadt. Diese gehöre zu den Open-Data-Vorreitern, mittlerweile seien über 3000 Datensätze der Verwaltung veröffentlicht. Zu den Vorzeigebeispielen zählen etwa die Erfrischungskarte, die der Öffentlichkeit an Hitzetagen hilft, die Luftkarte mit Daten zur Luftqualität, oder das Projekt „Giess den Kiez“, das Stadtbäume vor dem Austrocknen bewahren soll.
Open Data „fliegt noch nicht richtig“
„Doch so richtig in der Breite fliegt das Thema auch in Berlin noch nicht“, schränkte Maget ein. Immer noch wüssten einzelne Bereiche der Verwaltung nicht, welche Daten andere Bereiche verwalten. „Daher ist Open Data auch wichtig für die Verwaltung selbst.“ Die Diskussion über Open Data helfe darüber hinaus, die Datenqualität zu verbessern, Datenlücken zu schließen und Daten gut zu beschreiben.
„In Krisensituationen brauchen wir mehr statt weniger offene Daten“, sagt Klemens Maget von der Technologiestiftung Berlin.
(Bild: heise medien / Christian Wölbert)
Als Risiko für den Open-Data-Gedanken sieht der Experte die Verschärfung des Berliner Informationsfreiheitsgesetzes nach dem Anschlag auf eine Kabelbrücke im Januar. Theoretisch könnte die Verwaltung unter den neuen Regeln zum Beispiel Daten wie die Standorte von Krankenhäusern zurückhalten, sagte Maget. „Wir wissen nicht, wie es durchgesetzt wird, wir merken aber eine Verunsicherung bei den Open-Data-Beauftragten der Verwaltung.“
Auch die Bundesregierung will das Informationsfreiheitsgesetz einschränken. Maget fordert hingegen: „In Krisensituationen brauchen wir mehr statt weniger offene Daten.“ Wichtig im Krisenfall könnten zum Beispiel Daten zu Schutzräumen, Notunterkünften oder den Standorten von Defibrillatoren sein.
Zentrales Datenportal „völlig unterfinanziert“
Auch aus Sicht der anderen Diskussionsteilnehmer hilft Open Data nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch den veröffentlichenden Behörden selbst. „In Zeiten von KI muss man zuerst an die Daten denken, nicht an die KI-Systeme“, argumentierte Mario Wiedemann von der Bertelsmann Stiftung. Er verwies auf den Open Data Musterdatenkatalog, der zeigt, welche Kommunen schon viele Daten veröffentlichen und wo es noch Luft nach oben gibt. „Je kleiner die Kommune, desto schwieriger ist es“, fasste Wiedemann die Lage zusammen. Aber auch das zentrale Portal GovData sei „leider völlig unterfinanziert“.
Tobias Schellhorn, KI- und Open-Data-Beauftragter des Rhein-Kreises Neuss, berichtete aus erster Hand von den Vorteilen für die Verwaltung: Mit öffentlichen Daten könnten Medien selbst recherchieren, zum Beispiel zur Verbreitung von E-Autos im Landkreis. Fachexperten aus den Verwaltungsbereichen müssten die Daten dann nicht mehr aufwendig heraussuchen. Gleichzeitig helfe Open Data, Fehler in Daten zu entdecken und Trends zu identifizieren.
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