The Daily Newsstand · Free, Always
Thursday, October 22, 2026

In Niger gekidnappte Europäerinnen: Freilassung nach anderthalb Jahren

Translate

Mehr als anderthalb Jahre nach ihrer Entführung im Niger sollen zwei Europäerinnen nach Angaben aus Libyen freigelassen worden sein. Die Österreicherin und die Schweizerin seien an den Flughafen der ostlibyschen Stadt Bengasi gebracht worden, bestätigten Kreise der Medienabteilung der sogenannten Libyschen Nationalarmee (LNA) der Deutschen Presse-Agentur. Auch das Online-Portal Libyan News Observatory meldet die Freilassung.

Es gebe ermutigende Informationen, was das Schicksal der im Januar 2025 entführten Österreicherin angehe, hieß es zunächst aus dem Außenministerium in Wien. Der Prozess der Freilassung und Übergabe sei komplex. Inzwischen heißt es aber offiziell aus Österreich und der Schweiz, dass die beiden Frauen frei sind

Entführte danken ostlibyschen Militärs

In einem vom Sender Al-Masar TV veröffentlichten Video waren die beiden ausgemergelten Frauen zu sehen, wie sie sich bei dem im Osten Libyens einflussreichen Befehlshaber Chalifa Haftar und dessen Sohn Saddam für ihre Freilassung bedanken.

Griechenland Athen 2026 | Saddam Haftar bei einem Treffen mit dem griechischen Außenminister (15.06.2026)
Saddam Haftar (Archivbild)Bild: Petros Giannakouris/AP Photo/picture alliance

Die Freilassung sei durch das Eingreifen von Saddam Haftar, dem stellvertretenden Oberbefehlshaber der LNA, ermöglicht worden, heißt es aus Libyen. Er habe auf Bitten der Familien der beiden Frauen gehandelt. Libysche Spezialeinheiten hätten ihren Transport nach Libyen abgesichert. Die Frauen würden an die Behörden ihrer jeweiligen Länder übergeben, sobald die erforderlichen Verfahren abgeschlossen seien, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters zwei nicht namentlich genannte Offizielle.

Die Schweizerin sagt in dem Video, wie sie heißt und dass sie 76 Jahre alt sei: "Und ich danke von ganzem Herzen Marschall Haftar und seinem Sohn Saddam, die uns freigelassen haben", macht sie auf Französisch deutlich. "Ich war ein Jahr und neun Monate lang als Geisel festgehalten worden", fügt sie hinzu.

Libyen Bengasi 2026 | Blur | Zwei Männer kümmern sich und die in Decken gehüllten Frauen (21.10.2026)
Die freigelassenen Frauen bei einer ersten medizinischen Untersuchung in BengasiBild: Libyan National Army/Handout/REUTERS

Die 69-jährige Österreicherin sagt in dem Video, sie sei "froh, wieder frei zu sein", und dankte ebenfalls Haftar. Weitere Einzelheiten zu den Umständen der Freilassung sind bislang nicht bekannt.

Frauen lebten seit Jahren im Niger

Die Österreicherin war im Januar 2025 aus ihrem Haus in der nigrischen Wüstenstadt Agadez verschleppt worden, die Schweizerin im April 2025 ebenfalls aus ihrem dortigen Zuhause. Beide Frauen hatten seit vielen Jahren in dem westafrikanischen Land gelebt und sich unter anderem in Bildungs- und Entwicklungsprojekten engagiert. Agadez liegt nordöstlich der Hauptstadt Niamey und galt trotz der Konflikte in der Region lange als sicher.

Sicherheitskreisen zufolge sollen Mittelsmänner die Frauen damals gekidnappt haben. Anschließend hätten sie die Entführten im Nachbarland Mali an Dschihadisten der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) in der Sahelzone übergeben haben.

Gespaltenes Libyen, gefährliche Sahelzone

Seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist Libyen geteilt. Die offizielle, von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdulhamid Dbeibah regiert in Tripolis im Westen.

Sie konkurriert mit der Gegenregierung in Bengasi, die von Chalifa Haftar unterstützt wird. Die von ihm befehligten ostlibyschen Streitkräften (ANL) kontrollieren den gesamten Osten und einen Großteil des Südens des Landes.

Das Dreiländereck der Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger gilt wegen der Ausbreitung islamistischer Terrorgruppen als eine der gefährlichsten Regionen der Welt. Im Niger hat sich die Sicherheitslage zuletzt noch einmal deutlich verschlechtert.

View the original on DW Deutsch →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.