The Jerusalem PostFamilies of American October 7 victims call for US congressional inquiry into massacreESPN DeportesRaúl Jiménez será operado y regresará en 2027ESPNLIV Golf should know its future by end of month, attorney saysRTP DesportoCarlos Vicens alerta para dificuldades e ambiente do estádio do CopenhagaDaily MaverickIN THE DOCK: Sibiya wiped phones before arrest, court hears, as alleged victims oppose bailZDF heuteEntdecken Sie das ZDF-NachrichtenstudioPremium TimesWAFU B U-17 Qualifiers: Nigeria’s Golden Eaglets lose to Niger in opening gameCBS NewsData center builder offers Kansas town residents $10,000BillboardRandy Rainbow Quotes Jay-Z’s ’99 Problems’ in RFK Jr.-Roasting New Song Parody: ‘The Worms in His Brain Clearly Drove Him Insane’SDP EspectáculosKennedy Suarez enfrenta señalamientos por su relación con RJ Mitte東洋経済オンライン300円貯金でまさかの「ガルバ通い」する76歳…"興味の数珠つなぎ"で見えてきた、人も自分も幸せになる「お金の使い方」 | ライフ | 東洋経済オンラインRolling StoneZach Bryan Announces ‘Young Manhood and Other Donatable Organs’ Tour Across North America and Australia
The Daily Newsstand · Free, Always
Wednesday, October 14, 2026

Eine Welt ohne Hunger rückt in weite Ferne

Translate

Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung des Welthunger-Index und des Hunger-Reports ist kein Zufall, denn Mitte Oktober, am 16.10.1945, wurde die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gegründet. Ihr Ziel: die weltweite Ernährung sicherzustellen. Darum aber ist es nach Einschätzung der Hilfsorganisationen "Welthungerhilfe" und der "Aktion gegen den Hunger" schlecht bestellt. Beide Nichtregierungsorganisationen beklagen in ihren Berichten massive Verschlechterungen.

Somalia, Kongo, Sudan und Sahel-Region besonders betroffen

"Ernährungssicherheit ist eine Voraussetzung für Frieden und Stabilität", sagt die Präsidentin der Welthungerhilfe Marlehn Thieme. Ihr Kollege, Generalsekretär Mathias Mogge, nennt im DW-Gespräch konkrete Beispiele: Somalia, Sudan, Kongo und die Sahel-Region. "Da gibt es mehr Hunger. Das sind häufig Länder und Regionen, in denen die Auswirkungen des Klimawandels ganz besonders stark sind. Da sehen wir einen ganz klaren Zusammenhang."

Welthungerhilfe-Generalsekretär Mathias Mogge sitzt vor einem schmalen Mikrofon. Hinter ihm ist das grüne Logo seiner Hilfsorganisation zu sehen. Der Brillenträger Mogge hat dichtes, hellbraunes Haar, das von rechts nach links gescheitelt ist. Über einem am Hals offenem Hemd ist er mit einem dunkelblauen Jackett bekleidet.
Der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Mathias Mogge, appelliert an Politiker weltweit, hungernde Menschen mehr zu unterstützen Bild: Marcel Fürstenau/DW

Der Welthunger-Index basiert auf vier messbaren Indikatoren: Unterernährung in der gesamten Bevölkerung sowie verzögertes Wachstum, Auszehrung und Sterblichkeit bei Kindern. Auf der Basis dieser Daten wurden die 122 erfassten Länder, in denen solide Daten vorlagen, in vier Hunger-Index-Gruppen eingeteilt: niedrig, mäßig, ernst, sehr ernst. Das Gesamtergebnis ist alarmierend: In 32 Ländern hat sich die Hungersituation verschlechtert.

Mehr Geld für Rüstung, weniger für humanitäre Hilfe

Welthungerhilfe-Präsidentin Thieme spricht nach fast zwei Jahrzehnten deutlicher Fortschritte von einer alarmierenden Trendwende: Sicherheit werde zu oft nur militärisch gedacht. Während die Etats des deutschen Verteidigungsministeriums um 20 und mehr Prozent anstiegen, gingen die für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe zum Teil um die Hälfte zurück. "Dabei gerät eine entscheidende Frage aus dem Blick: Wie sicher können Menschen leben, wenn sie nicht wissen, ob sie morgen genug zu essen haben?"

Trotz aller Rückschläge gibt es im Welthunger-Index aber auch ein paar Lichtblicke. Welthungerhilfe-Generalsekretär Mogge erwähnt Uganda, Kenia und Sierra Leone. "Verbesserungen sehen wir insbesondere dort, wo wir es mit einer stabilen Regierung zu tun haben, wo es keine oder nur sehr wenige Konflikte gibt. Und wo es eine klare Politik gibt, gegen die Auswirkungen des Klimawandels anzugehen."

Erfolge durch Investitionen in ländliche Gebiete

Dort behalte man die Ärmsten der Armen im Blick, sagt Mogge, der sich durch zahlreiche Reisen in die betroffenen Länder und Regionen selbst ein Bild von der Lage vor Ort macht. Erfolge gebe es vor allem dann, wenn in ländliche Gebiete investiert werde: "in Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung, aber auch in soziale Sicherungssysteme".

Im Gazastreifen, aus dem Mogge kürzlich nach fünf Tagen zurückgekehrt ist, kann davon nach seinen Einblicken überhaupt keine Rede sein. Die Vereinten Nationen (UN) haben im Jahr 2025 für dieses nach dem Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas weitgehend zerstörte Gebiet eine Hungersnot festgestellt.

Gaza: "Wenig Hoffnung auf Verbesserung"

Inzwischen sei der Hunger dort nicht mehr so katastrophal, weil mehr Hilfsgüter nach Gaza reingekommen seien, sagt Mogge. Aber die Menschen seien auf engstem Raum zusammengedrängt, 90 Prozent müssten in Zeltstädten leben. "Die hygienischen Verhältnisse sind sehr schlecht, was dazu führt, dass insbesondere Kinder unter Hautkrankheiten und Durchfallerkrankungen leiden. Und sie sehen im Moment leider wenig Hoffnung auf Verbesserung."

Gazas verlorene Generation

Mogges frische Eindrücke decken sich mit einer offiziellen Einschätzung der Bundesregierung: Die humanitäre Lage in Gaza bleibe "katastrophal", heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken im Deutschen Bundestag.

Bundesregierung setzt auch auf Diplomatie

Als einer der größten bilateralen Geber habe Deutschland seit dem Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober 2023 bis zu 420 Millionen Euro für humanitäre Hilfe bereitgestellt. Außerdem setze man sich auf diplomatischem Wege gegenüber Israel "ohne Unterlass für eine Verbesserung der humanitären Zugänge ein".

Auch im Report der Aktion gegen den Hunger wird die Lage in Gaza als verheerend beschrieben: "87 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen wurden beschädigt, 81 Prozent der Gewächshausinfrastruktur zerstört und rund 90 Prozent des Wassers ist nicht trinkbar." Auch sonst überwiegen die schlechten Nachrichten.

"Krisen verstärken sich gegenseitig"

"Hunger konzentriert sich zunehmend auf wenige Länder, die gleichzeitig von Konflikten, Vertreibung, Klimaschocks und dem Zusammenbruch grundlegender Infrastruktur geprägt sind", bilanziert Geschäftsführer Jan Sebastian Friedrich-Rust. "Diese Krisen verstärken sich gegenseitig und treiben Millionen Menschen in die Not." Die Gesamtzahl der Menschen, die an chronischem Hunger litten, beziffert seine Organisation wie die Welthungerhilfe auf 645 Millionen.

Sudan: Suppenküchen sichern das Überleben

Grundlage des erstmals auf Deutsch veröffentlichten Hunger-Reports sind Daten des "Global Report on Food Crises" (GRFC), Analysen der Welternährungsorganisation (FAO), des Welternährungsprogramms (WFP) und vor Ort gewonnene Erkenntnisse der Aktion gegen den Hunger.

"Oftmals können wir nur noch lebensrettende Soforthilfe leisten"

Auch diese in 54 Ländern aktive Hilfsorganisation kritisiert die seit 2023 stark gesunkenen Etats für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe. "Wir sind zunehmend gezwungen, lebenswichtige Programme einzustellen, während der Unterstützungsbedarf gleichzeitig wächst", beklagt Geschäftsführer Friedrich-Rust.

"Oftmals können wir nur noch lebensrettende Soforthilfe leisten, während wir langfristig angelegte Projekte beenden müssen, die Menschen dabei helfen, widerstandsfähiger zu werden und sich selbst zu versorgen", skizziert der Geschäftsführer der Aktion gegen den Hunger eine Kettenreaktion, die er als "Teufelskreis" bezeichnet.

Afrikanische Länder sind am stärksten betroffen

In der Rangliste von zehn Ländern mit der höchsten absoluten Zahl von Menschen, die unter hoher akuter Ernährungsunsicherheit leiden, dominiert der Kontinent Afrika. An der Spitze stehen Nigeria, Kongo und Sudan. Der Südsudan ist erstmals im Ranking vertreten. Dort sind inzwischen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Friedrich-Rust warnt zugleich davor, die von 197 auf 177 Millionen gesunkene Zahl von Menschen in dieser Rangliste falsch zu interpretieren. Denn aufgrund von Datenlücken hätten relevante Krisenländer wie Äthiopien dieses Mal nicht berücksichtigt werden können. Allein in diesem ostafrikanischen Land seien im Vorjahr rund 22 Millionen Menschen von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen gewesen.

"Hilfe ist nicht nur eine moralische Verpflichtung"

Aus Sicht der Aktion gegen den Hunger steht außer Frage, wo der Hebel umgelegt werden muss: Die internationale Gemeinschaft müsse die Ursachen der Krisen angehen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen langfristig ein Leben ohne Hunger führen könnten. "Hilfe ist nicht nur eine moralische Verpflichtung", betont Friedrich-Rust.

Wer bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe kürze, handele kurzsichtig. "Wer heute spart, verschiebt die Rechnung nur auf morgen und macht sie am Ende sogar deutlich teurer."

View the original on DW Deutsch →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.