Renault zeigt Designstudie R8-Gordini-Coupé als Elektroauto
Renault stellt heute in Paris eine Designstudie vor, die den historischen Renault 8 Gordini als Elektroauto neu interpretiert. Die Studie soll danach vom 12. bis 18. Oktober den Appetit des Publikums auf dem Pariser Autosalon anregen. Eine Serienproduktion des zweisitzigen Coupés ist indes nicht geplant. Die 1898 gegründete, französische Automarke nennt die Studie vielmehr eine „Stilübung“, die die Markentradition in die Gegenwart übersetzen soll. „Mit dem Renault 8 Gordini Concept verbinden wir unser Erbe und die Moderne und bringen die Ikonen von gestern und morgen zusammen“, meint Design-Vizepräsident Alexandre Malval. Statt Nostalgie solle das Fahrzeug „echte Leidenschaft für Autos“ wecken.
Das Konzeptfahrzeug misst 4,12 Meter in der Länge, 1,88 Meter in der Breite und ist nur 1,27 Meter hoch. Damit ist es deutlich niedriger und breiter als der Renault 8, der ab 1962 als viertürige Limousine gebaut wurde. Hatte der historische R8 anfangs ganze 29,5 kW und der erste Gordini-R8 immerhin schon 63 kW, leistet die Studie mit ihrem Elektromotor an der Hinterachse 200 kW. Sind die vorderen Räder mit 19 Zoll bereits üppig, sollen die hinten montierten 20-Zöller den Heckantrieb optisch betonen.
Über technische Details sagt Renault nichts weiter. Angaben zu Batteriegröße, Zellchemie, Ladeleistung, Reichweite, Fahrzeuggewicht, Drehmoment oder Höchstgeschwindigkeit fehlen. Auch zu Fahrwerk, einem möglichen Sperrdifferenzial, Torque Vectoring oder Hinterachslenkung gibt es keine Informationen. Und damit auch keine Antwort auf die Frage, wie Renault den sportlichen Charakter des historischen Leichtgewichts mit dem typischerweise höheren Gewicht eines Elektrofahrzeugs vereinbaren will. Immerhin soll eine Karosserie aus kohlefaserverstärktem Kunststoff Gewicht sparen helfen. Das Konzept überträgt vor allem die Layout-Idee des Originals mit Motor und Antrieb hinten und die kompakten Maße in die Gegenwart.
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Florian Pillau
)Historische Zitate, moderne Technik
Zahlreiche Designelemente stammen erkennbar vom Original, wie die mittig eingezogene „Kofferraumhaube“, die Bleu-de-France-inspirierte Lackierung, die charakteristischen doppelten weißen Streifen, sechs runde Scheinwerfer als Reminiszenz an die Rallye-Zusatzleuchten, eckige Radhäuser und muschelförmige Außenspiegel. Digitale Rundanzeigen greifen die Formen der analogen Instrumente des Originals auf, flache Schalensitze tragen blauen Kordbezug. Ein auffälliger roter Knopf für den Racetimer in der Armaturenbrettmitte verweist auf den Motorsportcharakter.
Designstudie Renault R8-Gordini-Coupé (9 Bilder)

Renault
)Die Neuinterpretation geht weit über eine Nachahmung des klassischen R8 mit modernen Mitteln hinaus, denn nicht nur wurde aus der viertürigen Limousine ein flaches Zweisitzer-Coupé. Die sechs Scheinwerfer bilden eine dreidimensionale Lichtsignatur, die Rückleuchten strahlen durch die Karosserie. Die doppelten Streifen sind laut Exterieur-Designer Kévin Goncalves nicht mehr nur Dekoration: „Es sind nicht einfach dekorative Streifen auf einer Oberfläche, sondern strukturelle Elemente, die das Design koordinieren.“ Sie laufen über Karosserie, Windschutzscheibe und Armaturenbrett bis in den Innenraum, wo ihre Farbe von Weiß zu Blau wechselt. Karbon ist zwar der Werkstoff der Karosserie, wurde im Innenraum aber nicht verwendet.
Über 300 Entwürfe in internem Wettbewerb
Bemerkenswert ist der Entstehungsprozess: In einem internen Designwettbewerb wurden über 300 Skizzen eingereicht, die von klassischem Retrodesign über futuristische Ansätze bis zu GT-inspirierten Entwürfen reichten. Zwei Projekte wurden ausgewählt und als Modelle im Maßstab 2:5 weiterentwickelt. Das finale Konzept kombiniert Elemente beider Entwürfe. Renault stellt das Projekt als Inspirationsquelle für künftige Designentwicklungen dar, ein konkreter Hinweis auf eine neue Seriendesignsprache lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Das Renault 8 Gordini Concept reiht sich in eine Serie historisch inspirierter Einzelstücke ein: Zuvor hatte Renault bereits den R17 electric restomod in Zusammenarbeit mit Designer Ora Ïto und den Renault 5 Diamant mit Pierre Gonalons vorgestellt. Im Unterschied zum Renault 5 Turbo 3E, der laut Berichten als Kleinserie für circa 160.000 Euro gebaut werden soll, bleibt der R8 Gordini ein reines Showcar. Das Konzept soll später Teil der Sammlung im künftigen Museum „Renault Collections“ in Flins werden, dessen Eröffnung Renault in ungefähr 15 Monaten plant.
Eine Wiederbelebung der Marke Gordini als eigenständige Performance- oder Elektromarke hat Renault nicht angekündigt. Der Name des italienisch-französischen Automobil- und Rennwagenkonstrukteurs Amédée Gordini, der ab 1957 mit Renault zusammenarbeitete und den Renault intern als „Zauberer“ der Mechanik bezeichnete, dient hier ausschließlich als historisches Designmotiv.
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