Deutsche Forscher finden Lösung: So kann Flugverkehr weniger umweltschädlich sein

Deutsche Forscher finden LösungSo kann Flugverkehr weniger umweltschädlich sein
22.09.2026, 10:38 Uhr

Nicht nur das ausgestoßene CO2, auch der Ruß aus Flugzeug-Triebwerken heizt die Erde auf. Ein Forschungsteam des DLR zeigt, wie sich die Belastung drastisch senken lässt. Auch das Alter der Motoren spielt eine überraschend große Rolle.
Nachhaltige Kraftstoffe und Motoren mit einer sogenannten mageren Verbrennung können die Luftverschmutzung durch die Luftfahrt deutlich senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, bei der die Abgasfahnen von Flugzeugen in der Luft gemessen wurden. Bei einer mageren Verbrennung - dabei wird mehr Luft zugeführt, als für die Verbrennung nötig wäre - war die Menge der freigesetzten nicht-flüchtigen Partikel 1000 Mal niedriger als bei einer fetten Verbrennung.
Aber auch die Inhaltsstoffe der Kraftstoffe spielten eine Rolle bei der Entstehung von Partikeln, wie die Forschungsgruppe um Rebecca Dischl vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen im Fachmagazin "Science Advances" schreibt.
Beim Verbrennen von kohlenstoffhaltigen Kraftstoffen wie Benzin oder Kerosin entsteht das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2), das zur Erderwärmung beiträgt. Doch auch die von Flugzeugen freigesetzten Partikel wirken auf die Umwelt ein: einerseits durch die Feinstaubbelastung der Luft, andererseits durch die Bildung von Wolken, weil die Partikel als Kerne für die Anlagerung von Feuchtigkeit und damit für die Tröpfchenbildung funktionieren. Der Effekt der dadurch entstehenden Kondensstreifen auf die Erderwärmung sei mit der Wirkung von CO2-Emissionen aus der Luftfahrt vergleichbar, schreiben die Studienautoren.
Unterschiede in der Anzahl der nicht-flüchtigen Partikel
Das Team prüfte die Emissionen bei Testflügen mit zwei Airbus-Maschinen (A319neo und A321neo) im Herbst und im Frühjahr über Küstengebieten in Frankreich. Beide Flugzeuge waren mit einem Motor für magere Verbrennung ausgestattet, konnten aber auch auf eine fette Verbrennung umstellen.
Im Vergleich erzeugten beide Verbrennungsarten eine ähnlich hohe Anzahl an Partikeln. Doch bei der mageren Verbrennung war die Anzahl der nicht-flüchtigen Partikel, die größer als 14 Nanometer (tausendstel Millimeter) sind und zur Wolkenbildung beitragen, um den Faktor 1000 geringer als bei der fetten Verbrennung.
Nachhaltiges Kerosin senkte Partikelausstoß
Die Forscher testeten auch das synthetische, nachhaltige Kerosin Hefa-SPK, das aus Pflanzenölen, gebrauchten Speiseölen wie etwa Frittierfett und Tierfetten hergestellt wird. Sowohl bei der fetten als auch bei der mageren Verbrennung senkte Hefa-SPK den Ausstoß von flüchtigen und nicht-flüchtigen Partikeln im Vergleich zum größtenteils erdölbasierten Kerosin Jet A-1 um 65 bis 70 Prozent. Dischl und Kollegen führen diese Reduktion auf den sehr geringen Schwefelgehalt von Hefa-SPK zurück.
Deutlich geringer als bei Jet A-1 war die Partikelbildung auch bei einer Mischung aus 81 Prozent Hefa-SPK und 19 Prozent Jet A-1. Ein gewisser Anteil Jet A-1 ist notwendig, weil dieses Kerosin die Stoffgruppe der Aromaten enthält, die für die langfristige Nutzung heutiger Flugzeugmotoren technisch notwendig sind. Alternativ können die Aromaten auch dem Alternativkraftstoff Hefa-SPK beigemischt werden. Die Wissenschaftler testeten eine Mischung mit 8,4 Prozent Aromaten und eine mit 17,6 Prozent Aromaten. Die Mischung mit dem geringeren Anteil Aromaten führte auch zu einem niedrigeren Partikelausstoß.
Außerdem spielten Alter und Zustand des jeweiligen Triebwerks eine wichtige Rolle: Die Forscher stellten bei einem abgenutzten Motor eine zehnfach erhöhte Bildung flüchtiger Partikel fest. Deshalb lautet das Fazit der Studienautoren, eine Optimierung der Kraftstoffzusammensetzung und der Brennkammertechnologie könne die Partikelemissionen senken, die Luftqualität an Flughäfen bessern und die Erwärmung durch Kondensstreifen abschwächen.
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