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Tuesday, October 6, 2026

Ex-BND-Chef Hanning wegen Spionageverdachts festgenommen

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Der frühere Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, ist nach Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) festgenommen worden. Gegen den 80-Jährigen wird demnach unter anderem wegen mutmaßlicher landesverräterischer Ausspähung, versuchten Landesverrats und geheimdienstlicher Agententätigkeit ermittelt.

Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) nahmen Hanning dem Bericht zufolge am frühen Morgen in seinem Haus in Nordwalde bei Münster fest. Auch ein weiterer ehemaliger hochrangiger BND-Mitarbeiter wurde in Bayern verhaftet. Manfred D., Hannings früherer Büroleiter, soll ihn über Jahre mit streng geheimen Informationen versorgt haben.

Die Bundesanwaltschaft wollte die Recherchen zunächst nicht kommentieren und verwies auf eine für später angekündigte Pressemitteilung.

Rund 2000 geheime Dokumente

Manfred D. arbeitete den Recherchen zufolge bis zum Frühjahr 2026 beim BND. Er soll Hanning bis mindestens 2022 gegen Geld geheime Unterlagen zugespielt haben. Insgesamt soll es sich um rund 2000 Dokumente handeln.

Darunter sollen zahlreiche Briefings für die sogenannte Nachrichtendienstlage im Kanzleramt gewesen sein. Dort tauschen sich die Spitzen der deutschen Sicherheitsbehörden regelmäßig aus. Die Unterlagen sollen unter anderem sensible Informationen zum iranischen Atomprogramm und zur russischen Armee enthalten haben.

Auch Erkenntnisse ausländischer Partnerdienste sollen darunter gewesen sein. Ein solcher Abfluss könnte das Vertrauen befreundeter Nachrichtendienste in den BND beschädigen und dazu führen, dass künftig weniger Informationen geteilt werden.

Hanning soll auf Grundlage der Unterlagen in mindestens einem Fall eine Sicherheitsanalyse für einen ausländischen Nachrichtendienst erstellt haben. Um welchen Dienst es sich handelt, ist nicht bekannt. Nach Informationen von WDR, NDR und SZ geht es nicht um Russland.

In einem weiteren Fall soll Hanning Erkenntnisse aus internen BND-Dokumenten in der Kommunikation mit einem ausländischen Agenten genutzt haben.

Affäre von historischem Ausmaß?

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte der Fall historische Dimensionen erreichen. Noch nie richtete sich in der Bundesrepublik ein vergleichbarer Landesverratsverdacht gegen einen ehemaligen Spitzenbeamten dieses Ranges.

Für den BND wäre es zudem der zweite schwere Spionagefall innerhalb weniger Jahre. Vor dem Berliner Kammergericht muss sich derzeit ein ehemaliger BND-Referatsleiter verantworten. Er soll 2022 gemeinsam mit einem weiteren Beschuldigten für Russland spioniert haben.

Hanning hatte jahrzehntelang wichtige Positionen in der deutschen Sicherheitsarchitektur inne. 1998 übernahm der Jurist die Leitung des BND. Ende 2005 wechselte er als Staatssekretär ins Bundesinnenministerium. Vier Jahre später wurde er in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Später arbeitete Hanning als Unternehmer und Sicherheitsberater. 

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