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Friday, November 6, 2026

Nithya Raman wird Bürgermeisterin: Eine Sozialistin für Los Angeles

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Ein weiterer Sieg für linke US-Demokraten: Nithya Raman wird Bürgermeisterin von Los Angeles. Ihr Verhältnis zu den Demokratischen Sozialisten ist jedoch kompliziert.

Leon Holly

Die Stadt der Engel komplettiert die Dreifaltigkeit. Nach dem Sieg von Nithya Raman bei der Bürgermeisterwahl in Los Angeles ist – nach der Bundeshauptstadt Washington, D. C. und der größten US-Stadt New York – auch die zweitgrößte US-Metropole an der Westküste künftig in der Hand demokratischer Sozialisten.

Während der Midterm-Sieg von Janeese Lewis George in D. C. schon am Dienstagabend Ortszeit feststand, ist die Auszählung in LA jetzt so weit fortgeschritten, dass sich die amtierende demokratische Bürgermeisterin Karen Bass bei Raman meldete, um der linken Herausforderin zu gratulieren.

Während des Wahlkampf zogen Beobachter immer wieder Parallelen zwischen Raman und dem New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani. Die 45-Jährige bedankte sich für die Vergleiche mit „einem der beliebtesten Politiker in Amerika“, der wie sie Wurzeln in Indien hat und der linken Vorfeldorganisation Democratic Socialists of America (DSA) angehört.

Zugleich beharrte sie, vielleicht etwas genervt, darauf, dass sie schon sie selbst sei. Und es gibt durchaus Unterschiede, etwa im Auftreten: Während Mamdani die direkte Ansprache der Wähler fast zur Perfektion beherrscht, versprüht Raman eher ein technokratisches Flair.

All about Wohnraum

Die frisch gewählte Bürgermeisterin wurde 1981 im südindischen Staat Kerala geboren. In die USA zog ihre Familie, als sie sechs Jahre alt war. Später studierte sie Sozialwissenschaften im Bachelor an der Harvard University und machte dann einen Master in Stadtplanung an der MIT. Raman ist mit dem Drehbuchautor Vali Chandrasekaran verheiratet, mit dem sie einen Sohn und eine Tochter hat.

2019 trat sie den DSA bei, nicht aus „ideologischem Antrieb“, wie sie sagte, sondern weil die DSA eine der einzigen Organisationen gewesen seien, die sich ernsthaft mit der Wohnungskrise in L. A. auseinandergesetzt haben. Ein Jahr später kandidierte Raman für den Stadtrat in L. A. und konnte durch einen beeindruckenden Graswurzelwahlkampf ihren etablierten Konkurrenten ausbooten.

Als Bürgermeisterin will sie sich für bezahlbares Wohnen für alle Einkommensschichten einsetzen. Dafür will Raman auch den Neubau von Wohnraum verdreifachen – auf dem offenen Markt, im preisgedeckelten Segment wie auch Sozialwohnungen.

Zudem sollen neue Obdachlosenunterkünfte die Wohnungslosenkrise in L. A. bekämpfen. Schon 2017 hatte Raman eine Freiwilligengruppe gegründet, die auf wohnungslose Nachbarn zugeht und sich gemeinsam mit ihnen für ihre Rechte einsetzt. Darüber hinaus will sie den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und die Filmindustrie in L. A. revitalisieren.

Streit mit der eigenen Organisation

Ramans Kontakte in die Filmbranche gehen über ihren drehbuchschreibenden Ehemann hinaus. Auf dem Höhepunkt der #MeToo-Bewegung leitete sie die Unterhaltungssparte von Time’s Up, einer Organisation in Hollywood, die über einen Rechtshilfefonds Frauen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern unterstützte, wenn sie sich gegen sexualisierte Übergriffe wehren wollten.

Der Bürgermeisterwahlkampf beschäftigte auch die progressive Filmwelt in Hollywood. So sprachen sich einige ältere Stars wie Jane Fonda und Samuel L. Jackson für die Amtsinhaberin aus, während jüngere Celebreties wie Poppy Liu und Adam Scott sich eher auf Ramans Seite schlugen. Unterstützung erhielt Raman auch von der Gewerkschaft für Film- und Fernsehautoren.

Obwohl Raman selbst den DSA angehört, ist ihr Verhältnis zu der Organisation alles andere als spannungsfrei. So stellten sich die DSA während der Vorwahl der Demokraten noch nicht hinter Raman und sprachen sich erst für sie aus, als sie in die Stichwahl gegen Bürgermeisterin Bass ging.

Trotz ihrer Unterstützung wiesen die DSA auf Ramans „inkonsistente Position zu Palästina“ hin, wobei sie „mit uns gearbeitet hat, um sich bei diesem Thema zu verbessern“. Laut der Zeitung Los Angeles Times hätte ein Bundeskomitee der DSA die Unterstützungsbekundung für Raman Anfang November beinahe zurückgenommen, das Votum fiel mit 14 zu 13 Stimmen denkbar knapp aus.

Das jüdische Establishment hingegen kritisierte Raman dafür, dass sie in der Show des linken Streamers Hasan Piker aufgetreten war. In dem Gespräch hatte Raman den Aussagen zugestimmt, dass Israel ein Apartheidstaat sei und in Gaza einen Genozid begehe. Sie hatte jedoch auch darauf beharrt, dass Israel ein „Existenzrecht“ habe. Anderswo bezeichnete Raman die Israel-Boykottkampagne BDS als „legitime Form des friedlichen Protests“.

Im Wahlkampf hatte Raman immer wieder ihre politische Unabhängigkeit betont. Im Gegensatz zu den DSA sagte sie etwa auch, dass die „Mansion Tax“ – eine Villensteuer, die Einnahmen zur Bekämpfung der Wohnungslosigkeit generieren sollte – reformiert gehöre, da sie weniger Geld als erhofft eingebracht habe und den Neubau behindere.

In der Tat dürften Ramans Wohnungs- und Sozialpolitik eher über ihr politisches Geschick entscheiden als ihr Drahtseilakt zu Israel/Palästina. Allen Spannungen im linken Lager zum Trotz postete der LA-Ableger der DSA aber noch während der Stimmauszählung ein Foto. Darauf stand: „YUP, das ist unsere Bürgermeisterin!!!“

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