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Thursday, October 29, 2026

«Es kann überall geschehen»

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Bahnexperte Walter von Andrian warnt nach tödlichem Zugunglück in Spanien

«Es kann überall geschehen»

Bahnexperte Walter von Andrian macht nach dem Crash in Spanien die Leitstelle als Knackpunkt aus: Nach dem Ausfall der Zugsicherung soll sie volle Fahrt erlaubt haben. So ein Fehler könnte auch in der Schweiz passieren.

Publiziert: vor 21 Minuten

  • Nach dem LZB-Ausfall gab die Leitstelle freie Fahrt, obwohl ein anderer Zug auf der Strecke stand
  • Bei Ausfall müssen Züge laut Experte mit 40 km/h fahren, um aus Sichtdistanz sicher zu bremsen
  • Für die Schweiz erwartet ein Bahnexperte vorerst keine Folgen, hält Unfälle für möglich bei Störung
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Pauline BouillonRedaktorin News Desk

In Spanien prallten am Mittwoch zwei Züge aufeinander. Bei der Kollision kamen 68 Menschen ums Leben. Nach dem Zugunglück steht die Sicherheit im europäischen Bahnverkehr im Fokus. Wie kam es zur Katastrophe? Und wäre ein ähnlicher Crash auch auf Schweizer Schienen denkbar? Walter von Andrian, Chefredaktor der «Eisenbahn-Revue», ordnet die Ereignisse ein.

Am Anfang des Unglücks stand nach aktuellen Ermittlungsergebnissen der Ausfall des Zugsicherungssystems LZB. Ein solcher Ausfall sollte für sich genommen noch kein Unglück auslösen. «Wenn das Sicherungssystem ausfällt, kommen alle Züge zum Stillstand – bei jedem modernen System», erklärt der Bahnexperte im Gespräch mit Blick.

Danach muss die Leitstelle die Lokführer per Funk anweisen, wie sie weiterfahren dürfen. Dabei gelten strenge Vorgaben: «Es gibt feste Regeln, die besagen, dass die Züge nur 40 km/h fahren dürfen, bis wieder Verbindung zum Rechner hergestellt ist.» Der Grund: «Mit 40 km/h kann ein Zug auf Sichtdistanz bremsen.»

Eine fatale Freigabe

Entscheidend war, was nach dem Systemausfall geschah: «Die Leitstelle hat alles freigegeben und nicht überprüft oder bemerkt, dass der Zug voraus noch stillsteht.» Laut den spanischen Behörden erhielt einer der beiden Züge freie Fahrt mit hoher Geschwindigkeit.

Für von Andrian ist das der Knackpunkt: «Wenn der Zug nur mit 40 km/h gefahren wäre, wäre es nicht zu dem Unglück gekommen.» Nach bisherigem Wissensstand machten die Lokführer keine Fehler. «Die Zentrale hat ihnen mündlich per Funk mitgeteilt, dass sie auf einer Strecke ohne Aussensignale ohne Geschwindigkeitsbegrenzung weiterfahren dürfen – das war der grosse Fehler.»

Der Unfall entstand durch eine Verkettung mehrerer Ereignisse. «Zuerst muss das System ausfallen, und dann müssen die Disponenten in der Zentrale die Nerven verlieren oder ungeschult sein», stellt von Andrian klar. Einen solchen Ablauf bezeichnet er als äusserst ungewöhnlich: «So ein Unfall ist bei modernen Systemen selten.»

Wie sicher ist die Schweiz?

Fahren Schweizer Züge sicherer? Hierzulande setzt die Bahn auf das europäische Zugsicherungssystem ETCS. Einen grundsätzlichen Vorteil sieht von Andrian darin aber nicht: «Man kann nicht sagen, dass eines der Systeme grundlegend besser oder schlechter ist.» Solange die Systeme funktionieren, sei ein solcher Crash nicht zu befürchten. Bei einer Störung komme es jedoch darauf an, dass das Personal die Vorschriften strikt einhält. Ein vergleichbares Unglück ist deshalb auch in der Schweiz möglich. «Es kann überall geschehen, wenn ein Sicherheitssystem ausfällt», sagt von Andrian.

Direkte Konsequenzen für das Schweizer Bahnnetz erwartet der Experte vorerst nicht: «Sollten keine neuartigen Erkenntnisse auftauchen, wird sich das Unglück in Spanien wohl kaum auf die Schweizer Zugsicherheit auswirken.»

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