Villiger karrt Maschinen in die Schweiz – und schafft Jobs

Nach Aus von Traditionsfabrik
Villiger karrt Maschinen in die Schweiz – und schafft Jobs
Nach über 100 Jahren beendet Villiger 2027 die Zigarrenproduktion in Waldshut-Tiengen (D). Jetzt zeigt sich, dass das überraschende Aus in Deutschland gut ist für die Schweiz. Zwei Drittel der Zigarren und Zigarillos werden bald am Hauptsitz in Pfeffikon LU hergestellt.
Publiziert: vor 20 Minuten
- Villiger beendet Zigarrenproduktion in Waldshut-Tiengen, 40 Stellen betroffen
- Zwei Drittel der Produktion wird nach Pfeffikon LU verlagert
- Villiger: 140 Mio. Franken Umsatz, 1200 Angestellte, 1 Milliarde Zigarren jährlich
Patrik BergerRedaktor Wirtschaft
Der Schweizer Tabakkonzern Villiger stellt im deutschen Waldshut-Tiengen Zigarren und Zigarillos her – seit 1911. Im nächsten Jahr endet diese Ära, dann stellt die Firma dort die Produktion ein. Wegen der Massnahme gehen 40 Jobs verloren. Dieser Entscheid ist hart für die deutschen Angestellten. Und er hat auch direkte Auswirkungen auf den Hauptsitz in Pfeffikon LU.
Denn Villiger verlagert einen Grossteil seiner deutschen Produktion in die Schweiz. Rund zwei Drittel der bisher in Deutschland hergestellten Zigarren und Zigarillos sollen künftig in Pfeffikon hergestellt werden. Das bestätigt Villiger-Chef Christoph Schüpbach (59) gegenüber dem Nachrichtenportal Zentralplus. Das restliche Drittel wandert ins indonesische Jember. Die Umstellung soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Kündigungen nicht ausgeschlossen
Damit die Luzerner Fabrik die zusätzliche Produktion bewältigen kann, werden Maschinen aus Deutschland in die Schweiz transportiert. Zudem will Villiger in Pfeffikon neue Mitarbeiter einstellen. Wie viele Stellen entstehen, lässt der Konzern offen. Der Ausbau soll den Hauptsitz insbesondere bei der Herstellung maschinengefertigter Zigarren stärken. Für die Region ist das eine erfreuliche Nachricht.
Anders sieht es für die Beschäftigten in Waldshut-Tiengen aus. Von derzeit rund 190 Stellen sollen etwa 40 verschwinden. Villiger will den Abbau möglichst über Pensionierungen, natürliche Abgänge und interne Versetzungen bewältigen. Kündigungen schliesst das Unternehmen allerdings nicht aus. Ganz dicht macht der deutsche Standort nicht. Rund 150 Mitarbeitende sollen dort weiterhin für Verpackung, Logistik und Vertrieb zuständig sein.
Hinter dem Umbau stehen laut Villiger Doppelspurigkeiten in der Produktion, sinkender Tabakkonsum und steigende regulatorische Anforderungen, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Europa bleibt für den Konzern zentral: Rund 80 Prozent des Umsatzes erzielt Villiger auf dem Kontinent, Deutschland ist der wichtigste Absatzmarkt.
Das traditionsreiche Familienunternehmen wurde 1888 in Pfeffikon gegründet. Villiger produziert heute laut eigenen Angaben jährlich eine Milliarde Zigarren und Zigarillos, hat 1200 Angestellte und macht 140 Millionen Franken Umsatz. Neben dem Hauptsitz in Pfeffikon und dem Standort in Waldshut-Tiengen betreibt das Unternehmen ein weiteres Werk in Bünde (D) und je eines in Brasilien, Indonesien und Nicaragua. Im Juli 2025 verstarb der langjährige Zigarrenpatron Heinrich Villiger (1930–2025) – nach über 75 Jahren Tätigkeit im Familienbetrieb.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.