Gigantische Unterschiede: Forscher berechnen Energieverbrauch von Vögeln beim Fliegen

Gigantische UnterschiedeForscher berechnen Energieverbrauch von Vögeln beim Fliegen
19.10.2026, 13:58 Uhr
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Ein Kondor benötigt pro Flugkilometer nur ein Fünftel der Energie eines Schwans. Entscheidend ist, ob ein Vogel zu den Gleitern oder Flatterern zählt. Verschieben sich durch den Klimawandel atmosphärische Bedingungen, geraten ganze Wanderrouten ins Wanken.
Es sieht federleicht aus, aber kostet zuweilen eine Menge Energie: Die Rede ist vom Fliegen - und zwar nicht vom Urlaubsflug nach Mallorca, sondern von der Fortbewegungsart von Vögeln. Ein Team von Forschern des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie sowie der Universität Swansea hat herausgefunden, dass es für den Energieverbrauch extrem darauf ankommt, wie effizient Vögel Winde und Luftströmungen ausnutzen.
Das Team nennt im Fachjournal "Science" ein Beispiel: Ein Andenkondor und ein Trompeterschwan - beide etwa elf Kilogramm schwer - haben demnach eine sehr unterschiedliche Bilanz. Der Kondor brauche im Vergleich zum Trompeterschwan für einen Flugkilometer nur ein Fünftel der Energie. Die Luft mache dabei den Unterschied: Der Kondor nutze Aufwinde und schlage nur in 0,1 Prozent seiner Flugzeit mit den Flügeln, während der Schwan dies in 99 Prozent der Zeit mache. Bisherige Annahmen seien davon ausgegangen, dass sich der Energieverbrauch bei beiden ähneln müsste.
Es kommt darauf an, wie effizient man fliegt
Die Forscher betrachteten für ihre in "Science" veröffentlichte Studie insgesamt 50 Vogel- und Fledermausarten in freier Wildbahn und kommen zu dem Schluss, dass Fliegen mit Blick auf den Energieverbrauch die günstigste Art der Fortbewegung sein kann. Dafür berücksichtigte das Team eine Vielzahl von GPS- und Radardaten, den Angabe zufolge handelt es sich um die größte Studie bislang zu den energetischen Kosten des Fliegens bei Wildtieren.
Bislang sei die Wissenschaft davon ausgegangen, dass Schwimmen bei Tieren im Schnitt die energiesparendste Art der Fortbewegung sei - und danach das Fliegen komme. Allerdings beruhten diese Annahmen auf Messungen im Labor - also in Schwimmbecken, Flugtunneln oder auf Laufbändern. Dies lasse die Realbedingungen in freier Wildbahn außen vor, die jedoch beim Fliegen eine große Rolle spielten, argumentieren die Forscher.
Es gibt Gleiter und Flatterer
Es zeigte sich bei der genaueren Analyse: Die Tiere lassen sich in zwei größere Gruppen einteilen - die Gleiter und die Flatterer. Für den Verbrauch spielt dabei auch die Größe eine Rolle: Je schwerer ein gleitender Vogel, desto weniger flatterte er und desto geringer war sein Energieaufwand beim Fliegen. Bei leichteren Vögeln kann ein anderer Modus vorteilhafter sein.
"Für uns mag der Himmel vielleicht nur wie eine Kulisse für fliegende Tiere aussehen, aber er ist eine unverzichtbare Ressource, die die Kosten einer Reise drastisch verändern kann", erklärt die Erstautorin Martina Scacco. "Wenn fliegende Tiere Zugang zu natürlichen Luftströmungen haben, erhalten sie kostenlosen Treibstoff aus dem Himmel", fügt Co-Autorin Emily Shepard hinzu.
Aber weshalb ist es überhaupt relevant, wie viel Energie Vögel beim Fliegen benötigen? Seniorautor Kamran Safi erklärt: "Wenn sich die atmosphärischen Bedingungen ändern, ändern sich auch die Flugkosten und damit die Art und Weise, wie Tiere ihre Wanderrouten wählen und Gemeinschaften bilden." In Zeiten des Klimawandels könnte der Effekt also Folgen für Ökosysteme haben.
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