The Daily Newsstand · Free, Always
Wednesday, October 28, 2026

Studie zweifelt an Hypothese: Warum Kometen wohl nicht der Ursprung des Lebens sind

Translate

Studie zweifelt an HypotheseWarum Kometen wohl nicht der Ursprung des Lebens sind

28.10.2026, 12:37 Uhr

image
Lebensbringer Komet? Eine neue Studie rechnet die Wahrscheinlichkeit durch - und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. (Foto: imago/StockTrek Images)

Auf Kometen entdeckte organische Verbindungen bestärkten die Vermutung, die Eisbrocken könnten einst Bausteine des Lebens auf die Erde gebracht haben. Eine neue Studie rechnet jedoch vor, dass das extrem unwahrscheinlich ist. Andere Himmelskörper könnten dafür besser geeignet gewesen sein.

Wir wissen nicht, wo wir herkommen - der Ursprung des Lebens liegt weitgehend im Dunkeln. Eine Hypothese ist, dass Kometen die Bausteine für das Leben auf die Erde transportiert haben könnten. Auf diesen Eisbrocken wurden bereits organische Verbindungen wie Aminosäuren nachgewiesen, die in Proteinen vorkommen. Doch eine neue Studie hält es für extrem unwahrscheinlich, dass das Leben auf der Erde tatsächlich mit dem Einschlag von Kometen begann.

Ein Forschungsteam der University of Cambridge nutzte Computermodelle, um mögliche Einschläge von Kometen auf der jungen Erde zu modellieren. Dabei zeigte sich, dass die meisten Kometen zu schnell und in einem ungünstigen Winkel auftreffen. Empfindliche organische Moleküle würden beim Einschlag größtenteils zerstört, schreiben die Autoren im Fachjournal "Scientific Reports".

"Früher gingen Wissenschaftler davon aus, dass Kometen für die Entstehung des Lebens auf der Erde eine wichtige Rolle spielten, da sie kohlenstoff- und stickstoffhaltige Moleküle transportierten", sagte Hauptautor Richard Anslow laut einer Mitteilung. "Das ist zwar eine romantische Vorstellung, aber unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass dies höchst unwahrscheinlich ist."

Nur wenige Einschläge erfolgversprechend

Die Forscher konzentrierten sich bei ihren Computermodellen auf Cyanwasserstoff (HCN) oder Blausäure - ein Molekül, das als wichtiger Vorläufer für die Entstehung von Leben gilt. Es wird zudem regelmäßig auf Kometen im Sonnensystem nachgewiesen. Das Ergebnis der Simulationen: Nur äußerst wenige Einschläge würden im genau richtigen Winkel und mit der richtigen Geschwindigkeit erfolgen, um eine ausreichend hohe Konzentration an Cyanwasserstoff zu liefern.

Zudem war die Zahl der Kometeneinschläge in den ersten 500 Millionen Jahren der Erdgeschichte rasch zurückgegangen, betonen die Autoren. Es habe daher höchstens eine Handvoll Gelegenheiten für ein solches Ereignis gegeben. Nach dem Einschlag wäre der Cyanwasserstoff zudem nicht lange in ausreichend hoher Konzentration auf der Erde verfügbar geblieben. Die chemischen Prozesse zur Entstehung des Lebens hätten deshalb sehr schnell einsetzen müssen.

"Das müsste wirklich ein Ereignis sein, das nur einmal in einer Million vorkommt, denn es bräuchte nicht nur einen Einschlag mit genau der richtigen Geschwindigkeit und genau dem richtigen Winkel, sondern es müsste auch alles, was danach passiert - was die Konzentration und die Geschwindigkeit betrifft, mit der die chemischen Ursprünge des Lebens in Gang kamen -, genau so ablaufen", sagte Anslow. "Wir können nicht mit Sicherheit ausschließen, dass es so passiert ist. Aber es scheint sich um ein wirklich seltenes Ereignis zu handeln - bestenfalls um einen einmaligen Zufall."

"Rosetta" entdeckte Aminosäure auf Komet

Doch woher stammen die Bausteine für das Leben dann? Als mögliche Alternativen nennen die Forscher Einschläge von Asteroiden, die die Erde weit häufiger trafen als Kometen. Denkbar sei auch, dass sich die chemischen Vorstufen ohne Einfluss von außen auf der Erde selbst bildeten.

Kometen gelten seit langem als Kandidaten, weil sie viele dieser Moleküle enthalten. Die europäische Raumsonde "Rosetta" hatte etwa an einem Kometen organische Verbindungen, die Aminosäure Glycin und Phosphor nachgewiesen. Anslow und Kollegen hatten 2023 die These aufgestellt, dass Kometen in Systemen mit eng beieinander kreisenden Planeten durch "Abprallen" von Planet zu Planet abgebremst werden könnten. Die neue Studie zeigt, wie selten dieses Szenario jedoch in unserem Sonnensystem wäre.

Die Ergebnisse könnten nach Angaben der Forscher bei der Suche nach Leben in anderen Planetensystemen helfen - etwa wenn Nachfolger des "James Webb"-Weltraumteleskops wie das geplante Habitable Worlds Observatory in Betrieb gehen. Systeme mit "abprallenden" Kometen zu identifizieren, könne die Suche eingrenzen, so die Autoren.

View the original on n-tv →

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.