Start des neuen "Tankrabatts": Spritpreise sinken deutlich
Neuer "Tankrabatt" in Kraft Deutlicher Preissturz - Kartellamt will beobachten
Stand: 01.10.2026 • 16:11 Uhr
Der neue "Tankrabatt" macht sich an den Zapfsäulen bemerkbar: Benzin und Diesel sind zum Start deutlich billiger geworden. Doch wie lange hält die Entlastung? Das Bundeskartellamt will die Preise genau beobachten.
An der Tankstelle Mundorf in Troisdorf-Spich ist der "Tankrabatt" am Morgen deutlich zu sehen. Super kostet 2,15 Euro, Diesel 2,29 Euro, fast 20 Cent weniger als noch am Vortag.
Thomas Richter hat mit dem Tanken extra gewartet. 30.000 bis 40.000 Kilometer fährt er im Jahr. "Bei solchen Strecken tun hohe Kraftstoffpreise besonders weh. Ich habe gestern ein paar Liter nachgetankt, damit ich zum Kunden fahren kann", berichtet er. Erst heute habe er dann vollgetankt.
Stefan Napiletzki aus Köln ist zwiegespalten, fragt sich, ob das Ganze nachhaltig sei: "Es muss ja gegenfinanziert werden, und das fehlt wieder an anderer Stelle im Haushalt. Das Geld fehlt dann dem Staat."
Preise fallen schon in der Nacht
Bereits kurz nach Mitternacht waren die Preise vielerorts abrupt gesunken. Um 8 Uhr ermittelte der ADAC für Super E10 einen bundesweiten Durchschnittspreis von 2,062 Euro - 14,5 Cent weniger als 24 Stunden zuvor. Diesel kostete im Schnitt 2,209 Euro und damit 15,2 Cent weniger. "Damit kam bereits am Vormittag ein Großteil der steuerlichen Entlastung von rund 17 Cent bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern an", bewertet der ADAC die Entwicklung.
Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel, die Tanklager und Raffinerien verlassen, ein Steuernachlass von 16,7 Cent pro Liter. Eine Verpflichtung der Tankstellen, ihre Preise entsprechend zu reduzieren, gibt es nicht.
Bundeskartellamt will genau hinschauen
Ob die Entlastung dauerhaft bei den Autofahrern ankommt, beobachtet das Bundeskartellamt. "Stand heute Morgen kann ich nur sagen, der Tankrabatt ist weitergegeben worden", so die erste Bilanz von Präsident Andreas Mundt.
Entscheidend sei aber nicht ein einzelner Preis am Morgen, sondern die Entwicklung über einen längeren Zeitraum. Das Kartellamt kann diese detailliert verfolgen. Über seine Markttransparenzstelle laufen die Preisdaten sämtlicher Tankstellen. "Das heißt, wir wissen lückenlos über die Preise an allen Tankstellen in Deutschland zu jedem Zeitpunkt Bescheid", so Mundt.
Hinweise auf Preisabsprachen sieht Mundt derzeit nicht. Der Markt sei allerdings extrem transparent. Tankstellen könnten die Preise ihrer Wettbewerber jederzeit sehen. Die Gleichförmigkeit vieler Preise führt Mundt deshalb auch auf "Abgucken und Nachmachen" zurück.
Tankstellen geraten unter Preisdruck
Wie schnell dieser Mechanismus funktioniert, zeigt sich bei Frank Körschen in Essen. Der freie Tankstellenbetreiber wollte seine Preise zunächst gar nicht senken. Denn der günstigere Steuersatz gilt erst für neu eingekauften Kraftstoff. In seinen Tanks lagern aber noch Benzin und Diesel, die er zuvor teurer bezahlt hat.
Seine Marge liege ohnehin nur bei rund sieben Cent pro Liter. Körschen hält deshalb wenig vom "Tankrabatt": "Man sollte generell die Steuern senken. Und nicht erst Steuern erheben und dann so tun, als würde man den Leuten etwas schenken: Das ist so, als wenn ich sage, ich mache etwas günstiger, aber vorher erhöhe ich die Preise", so Körschen.
Doch am Ende kann auch er den Preis nicht halten. Die Konkurrenz in der Umgebung senkt - also senkt auch er.
Kritik an Milliardenkosten
Schon beim vorherigen "Tankrabatt" war umstritten, wie vollständig die Steuersenkung bei den Verbrauchern angekommen war. Das Bundeskartellamt meldete im Sommer, 80 Prozent der ersten Vergünstigungen seien weitergegeben worden - 20 Prozent nicht.
Kritik gibt es auch an der grundsätzlichen Konstruktion der Maßnahme. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, bemängelt, aus dem vergangenen "Tankrabatt" sei "nichts gelernt" worden. Bund und Länder gäben erneut rund 2,5 Milliarden Euro aus, ohne die Entlastung gezielt an Menschen mit geringeren Einkommen zu richten. Wer viel fahre und ein großes Auto besitze, profitiere besonders.
Die Mineralölwirtschaft wiederum weist den Vorwurf zurück, die Steuersenkung werde nicht vollständig weitergegeben. Ob der "Tankrabatt" tatsächlich über Wochen an den Zapfsäulen ankommt, lässt sich am ersten Morgen deshalb noch nicht beantworten. Der Preissturz zum Start ist deutlich. Entscheidend wird sein, was davon bleibt.
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