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Friday, October 2, 2026

Warum Kyjiws Südbrücke Ziel russischer Angriffe ist

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Die Armee der Russischen Föderation hat mehrfach die große Südbrücke in der Hauptstadt der Ukraine angegriffen. Das führte dazu, dass die Kyjiwer Behörden den Verkehr auf der Brücke einschränken mussten. Am Freitagmorgen herrschte daraufhin in der ukrainischen Hauptstadt ein Verkehrschaos.

Beim ersten Angriff am Donnerstag überquerte gerade eine U-Bahn die Brücke. Laut der Stadtverwaltung von Kyjiw drang von der Druckwelle aufgewirbelter Staub durch die Lüftungsanlage in den Fahrgastraum ein. Die Drohnen, berichtete Bürgermeister Vitali Klitschko, schlugen in der Nähe eines Brückenpfeilers und auf der Fahrbahn für den Autoverkehr ein. Daraufhin wurde der gesamte Verkehr auf der Brücke vorübergehend eingestellt.

Warum ist die Südbrücke ein Angriffsziel?

Dem Kyjiwer Verkehrsplaner Dmytro Bespalow zufolge sei die Südbrücke von Russland alles andere als zufällig als Ziel ausgewählt worden. Die U-Bahn überquert auf ihr den Fluss Dnipro. Bespalow erklärt, dass die Brücke bislang bei Alarmstufe Gelb für den Verkehr geöffnet blieb. Diese Alarmstufe signalisiert eine akute Gefahr durch einzelne Kampfdrohnen im Anflug. Sie gilt als weniger kritisch als die Stufe Rot, die bei Bedrohungen wie ballistischen Raketen oder Drohnenschwärmen ausgelöst wird.

"Die Logik der Russen ist einfach: Wenn man dem Kyjiwer Verkehrssystem einen schweren Schlag versetzen will, dann ist dies eine der naheliegendsten Optionen. Sie wollen die Südbrücke treffen, um möglichst viele Menschen und die Wirtschaft der Hauptstadt lahmzulegen", erläutert er im DW-Gespräch.

Blick auf die von der Polizei abgesperrte Fahrbahn zur Brücke, auf der sich ein langer Stau von Autos gebildet hat
Stau vor der gesperrten Südbrücke nach dem russischen DrohnenangriffBild: Valentyn Ogirenko/REUTERS

Bespalow zufolge ist die Brücke eine wichtige Logistik-Ader für den LKW-Transport. Laut Verkehrsberechnungen passieren in der Hauptverkehrszeit stündlich bis zu 15.000 Menschen die Südbrücke mit der U-Bahn. "Wenn sie ausgeschaltet wird, dann werden das linke und rechte Ufer der Stadt faktisch voneinander getrennt, da der bestehende Fahrgast-Strom zwischen den beiden Ufern nicht durch mehr PKW-Verkehr ersetzt werden kann", so der Experte.

Bespalow sieht in den Angriffen in erster Linie den Versuch, die Menschen in Kyjiw einzuschüchtern, und nicht den Willen, die Brücke zu zerstören. Zwei oder drei Shahed-Drohnen könnten ein solches Bauwerk kaum zu Fall bringen, so der Experte. Er schließt jedoch nicht aus, dass sich dies ändern könnte, sollten neuere und stärkere Geschosse zum Einsatz kommen. Gleichzeitig weist Bespalow darauf hin, dass die Kyjiwer Brücken insgesamt in keinem guten baulichen Zustand mehr sind. Das gilt auch für die Südbrücke.

Der Experte vermutet, dass die Russen mit den Angriffen die Stadt zwingen wollen, den U-Bahn-Betrieb auf der Brücke während der Alarmstufe Gelb einzustellen. So wolle man der Wirtschaft der Hauptstadt großen Schaden zufügen. Denn die Alarmstufe Gelb gelte derzeit fast den ganzen Tag über.

Ende einer "stillen Übereinkunft"?

Wadym Denysenko vom ukrainischen Thinktank "Business Capital" hält die Angriffe auf die Brücke für einen "Wendepunkt". Seiner Ansicht nach waren wichtige strategische Brücken bisher eine der "roten Linien" dieses Krieges sowohl für Russland als auch die Ukraine. Jetzt sei diese stille Übereinkunft anscheinend gebrochen, schrieb Denysenko auf Facebook.

Blick auf eine andere Kyjiwer Brücke, auf der Autos in einem langen Stau stehen
Lange Staus auf anderen Brücken in Kyjiw nach dem Angriff auf die SüdbrückeBild: Gleb Garanich/REUTERS

"Offenbar will man sehen, ob solche Angriffe die Brücke so stark beschädigen können, dass sie für den Verkehr vollständig gesperrt werden muss. Sie ist eine relativ stabile Konstruktion und kann nicht mit einem einzigen Treffer zerstört werden, aber gezielte Angriffe auf bestimmte Punkte könnten theoretisch Wirkung zeigen. Das testen die Russen jetzt", so Denysenko. Er glaubt, Russlands Präsident Wladimir Putin setze darauf, dass US-Präsident Donald Trump die Ukraine so weit unter Druck setzen wird, dass Kyjiw auf die russischen Angriffe nicht mit verstärkten Attacken auf russische Ölraffinerien reagieren wird.

Es drohe eine "vollständige Lähmung Kyjiws"

Der militärpolitische Experte des "Ukrainischen Zentrums für Sicherheitsstudien", Oleksandr Kowalenko, sieht in Russlands Angriffen eine neue Phase des Terrors gegen die ukrainische Hauptstadt. Auch er meint, ihr Ziel sei, die Verbindungen zwischen dem rechten und linken Ufer zu unterbrechen. "Wir haben gesehen, dass die Drohnen gezielt und präzise auf die Brücke gerichtet wurden", betont der Experte im DW-Gespräch.

Stau in Kyjiw am 2. Oktober nach den Drohnen-Angriffen auf die Südbrücke in der ukrainischen Hauptstadt
Verkehrschaos in Kyjiw nach den Drohnen-Angriffen auf die SüdbrückeBild: Gleb Garanich/REUTERS

Brücken, so Kowalenko, seien zwar sehr schwer zu zerstören. Doch wochen- und monatelange tägliche Attacken könnten eine Notlage herbeiführen, die eine Sperrung der einen oder anderen Brücke notwendig machen würde. "Ziel ist die vollständige Lähmung Kyjiws", ist er überzeugt.

Kowalenko hält die psychologische Dimension für nicht weniger wichtig. Russland wolle unter den Menschen Panik, Misstrauen gegenüber der Armee und Unzufriedenheit mit der ukrainischen Führung schüren. Ihm zufolge sollte die Ukraine mit einer Attacke auf die Kertsch-Brücke, die Russlands Festland mit der besetzten ukrainischen Halbinsel Krim verbindet, oder auf Brücken auf russischem Territorium, insbesondere in den Regionen Brjansk, Belgorod und Kursk antworten.

Wie kann Kyjiw seine Brücken schützen?

Kowalenko räumt ein, dass es schwierig ist, solch große Bauwerke zu schützen. "Man kann keine Kuppel über Brücken spannen. Das ist reine Fantasie", sagt er.

Blick auf die Pylone der Südbrücke vor blauem Himmel mit Wolken
Fachleute befürchten noch unentdeckte Schäden an der Brücke infolge der AngriffeBild: Christophe Gateau/dpa/picture alliance

Dmytro Bespalow ist jedoch der Ansicht, dass die empfindlichsten Bauteile von Brücken durchaus mit Netzen oder Schirmen abgedeckt werden könnten. Man könnte sie ihm zufolge ähnlich wie Panzer schützen, damit ein Geschoss explodiert, bevor es die Panzerung erreicht. Dies würde aber zusätzliches Gewicht für die ohnehin ermüdeten Bauteile der Brücken bedeuten. "Man kann nicht alle Brücken in Panzerungen und Beton hüllen", sagt Bespalow und betont, dass es keine Alternative zu hochwertiger Luftverteidigung und elektronischen Gegenmaßnahmen gebe.

Auch Oleksandr Kowalenko betont, dass die Brücken nur durch eine verstärkte Luftabwehr geschützt werden können. Es müsste eine effektive, gestaffelte Luftverteidigung mit Abwehrsystemen gegen Kampfdrohnen aufgebaut werden. Abfangraketen gegen Kampfdrohnen seien aber noch in einer Testphase, sagt Kowalenko und fügt hinzu, dass die Ukraine bei Raketen und Flugabwehrsystemen auf Lieferungen ihrer westlichen Partner angewiesen sei. Der Experte beklagt, solange es keine flächendeckende Stationierung von Abfangraketen gebe, seien die Brücken weiterhin von Angriffen bedroht.

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