Wie die USA hinrichten und warum es Probleme gibt
US-Präsident Trump hat die Hinrichtung des Fort-Hood-Amokläufers Nidal Hasan genehmigt. Der frühere Militärpsychiater hatte 2009 in Texas 13 Menschen getötet und 30 weitere verletzt.
06.10.2026 | 0:30 minSollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es die erste Militär-Hinrichtung in den USA seit mehr als 60 Jahren: US-Präsident Donald Trump hat die Hinrichtung eines früheren Psychiaters des US-Heeres genehmigt, der 2009 ein Massaker auf einem Militärstützpunkt verübte. Er soll in Texas durch ein Erschießungskommando hingerichtet werden.
Nur wenige Tage zuvor war in Tennessee ein Hinrichtungsversuch mit der Giftspritze gescheitert. Die wegen Mordes verurteilte Christa Pike überlebte zwei Dosen des Mittels Pentobarbital und ist ihren Anwälten zufolge inzwischen wieder bei Bewusstsein.
Beide Fälle werfen Fragen auf: Warum scheitern Hinrichtungen in den USA immer wieder? Welche Hinrichtungsmethoden gibt es? Wie funktionieren sie und warum kommt es dabei zu Problemen?
Wo in den USA gilt die Todesstrafe?
Ob die Todesstrafe eingesetzt wird oder nicht, ist in den USA überwiegend Sache der Bundesstaaten. In 27 Staaten ist sie gesetzlich vorgesehen. 23 Bundesstaaten sowie Washington D.C. haben sie abgeschafft.
In Kalifornien, Oregon, Pennsylvania und Ohio ist die Todesstrafe zwar weiterhin im Gesetz verankert, Hinrichtungen sind dort derzeit jedoch ausgesetzt. Besonders häufig kommt die Todesstrafe in Texas, Florida und Oklahoma zur Anwendung.
Wie häufig finden Hinrichtungen in den USA statt?
Die Todesstrafe wird heute deutlich seltener vollstreckt als noch vor einigen Jahrzehnten. Ihren Höhepunkt erreichte die Zahl der Hinrichtungen 1999. Damals wurden laut dem "Death Penalty Information Center" (DPI), dem US-amerikanischen Informationszentrum zur Todesstrafe, 98 Menschen hingerichtet. So viele wie in keinem anderen Jahr seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976.
Seitdem sind die Zahlen deutlich zurückgegangen. Die Gründe:
- Langwierige Gerichtsverfahren
- Abschaffung der Todesstrafe in mehreren Bundesstaaten
- wachsende Zweifel an ihrer Anwendung
Eine gescheiterte Hinrichtung im US-Bundesstaat Tennessee hat eine neue Debatte über die Todesstrafe ausgelöst.
02.10.2026 | 1:37 minNach Angaben des DPI wurden in den USA 2026 bislang 29 Menschen hingerichtet. Alle Exekutionen fanden in nur sechs Bundesstaaten statt: Alabama, Arizona, Florida, Oklahoma, Tennessee und Texas. Die meisten Hinrichtungen gab es in Florida.
Nach jahrzehntelangem Rückgang ist die Zahl der Hinrichtungen im vergangenen Jahr wieder gestiegen. Laut DPI wurden 2024 insgesamt 25 Menschen hingerichtet, 2025 waren es 47.
In Tennessee soll keine weitere Hinrichtung in diesem Jahr vollzogen werden. USA-Korrespondent David Sauer erklärt bei ZDFheute live, wie auf den Fall entlang der Parteilinien geblickt wird.
02.10.2026 | 12:17 minWelche Methoden gibt es?
Die meisten Hinrichtungen erfolgen per Giftspritze. Einige Bundesstaaten erlauben daneben auch den elektrischen Stuhl, die Gaskammer, Stickstoffhypoxie oder Erschießungskommandos. Welche Methode angewendet wird, hängt vom jeweiligen Bundesstaat ab.
Wie oft missglücken Hinrichtungen?
In der Geschichte der USA gab es immer wieder Hinrichtungen, bei denen etwas schiefging. Das "Death Penalty Information Center" (DPI) führt derzeit 64 bekannte fehlgeschlagene oder problematische Hinrichtungen seit 1976 auf. 51 davon betrafen die Giftspritze, zehn den elektrischen Stuhl und drei die Gaskammer.
Als "missglückt" gelten dabei nicht nur Fälle, in denen ein Mensch den Hinrichtungsversuch überlebt. Auch erhebliche Verzögerungen, technische Probleme oder andere Abweichungen vom vorgesehenen Ablauf fallen darunter.
Nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike würden ihre Anwälte nach Gründen suchen, die Exekution kein weiteres Mal durchzuführen, erklärt Jurist Jürgen Rodegra bei ZDFheute live.
02.10.2026 | 14:28 minWarum missglücken Hinrichtungen in den USA?
Beim elektrischen Stuhl können technische Probleme auftreten. In einzelnen Fällen waren mehrere Stromstöße nötig, bevor der Tod eintrat, erklärt das DPI auf Anfrage von ZDFheute. Auch bei der Gaskammer könne es zu technischen Problemen mit der Zuführung des Gases kommen. In einzelnen Fällen hätte es deshalb einen langwierigen Sterbeprozess gegeben.
Bei der Giftspritze ist ein häufiges Problem, einen geeigneten Venenzugang zu legen, erklärt Matthew Wynia, Direktor des "Center for Bioethics and Humanities" an der University of Colorado gegenüber ZDFheute. Das liege auch daran, dass medizinische Berufsverbände wie die "American Medical Association" eine Beteiligung von Ärzten und Pflegepersonal an Hinrichtungen ablehnen.
In der Medizin gibt es einen weitgehenden Konsens, dass Ärzte ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nicht einsetzen sollten, um Menschen auf Anordnung des Staates zu töten.
Matthew Wynia, Direktor des "Center for Bioethics and Humanities"
Gleichzeitig führten Lieferengpässe bei etablierten Medikamenten dazu, dass Bundesstaaten auf weniger erprobte Wirkstoffe und Medikamentenkombinationen zurückgreifen. In einigen Fällen sei es dabei zu Komplikationen gekommen, weil die verwendeten Medikamente keine ausreichende Bewusstlosigkeit gewährleisteten.
Zusätzlich beziehen Staaten die benötigten Substanzen teilweise von sogenannten "Compounding Pharmacies", also Apotheken, die Medikamente individuell herstellen und deren Herstellung weniger streng reguliert ist, berichtet das Informationszentrum DPI.
Die Organisation kritisiert darüber hinaus Geheimhaltungsgesetze, die dafür sorgten, dass Informationen über Medikamente, Lieferanten und beteiligtes Personal teilweise nicht öffentlich zugänglich sind, wodurch eine unabhängige Kontrolle der Qualität und Durchführung erschwert wird.
Ist "humanes Töten" überhaupt möglich?
Darauf gibt es unter Experten keine einheitliche Antwort. Schon der Begriff "human" ist umstritten. Kann ein Mensch getötet werden, ohne oder mit möglichst wenig bewusst erlebtem körperlichem Schmerz? Es gibt Mediziner und Hinrichtungsexperten, die das unter ganz bestimmten Bedingungen für möglich halten.
Berücksichtigt man jedoch auch Angst, Zwang, Würde und die ethische Dimension staatlichen Tötens, kommen viele Medizinethiker und Hinrichtungsexperten zu einem anderen Schluss.
Katharina Schuster ist Korrespondentin im ZDF-Studio in Washington D.C.
Quelle: mit Material von dpa
Über die Debatte über die Todesstrafe in den USA berichteten die heute-Nachrichten u.a. am 02.10.2026 ab 17:00 Uhr.
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