Messerundgang Mondial de l’Auto: Kleinwagen stehlen den Stars die Show
Beim Messerundgang über die Mondial de l’Auto wird schnell klar, dass sich 2026 einiges geändert hat. Die Jahre der Stagnation sind offenbar vorbei, die Erfolge europäischer Marken in China auch. Dafür sieht man eine Menge Autos aus China, die gezielt für den europäischen Markt entwickelt sind. Dazu kommt, dass lange leistbare Elektroautos fehlten. Kein Wunder, dass neue Kleinwagen jetzt den bisherigen Stars die Show stehlen.
Beginnen wir also gleich mit dem Allerkleinsten: Der elektrische Smart #2 ist eine Neuauflage des Fortwo. Das erste Konzept wurde 1996 vor dem Pariser Louvre präsentiert. Hier schließt sich nun der Kreis. Das Gemeinschaftsunternehmen aus Geely und Mercedes-Benz wagt die elektrische Neuauflage des Stadtautos. Beim Design macht man keine Experimente, die Neuauflage ist direkt als Smart zu erkennen.
(Bild: Dirk Kunde / heise Medien)
Die beiden Sitze im #2 sind so gestaltet, dass man wie auf einer Bank durchrutschen kann, falls man zu dicht am Nachbarfahrzeug geparkt hat. Das passt zum Konzept als Stadtwagen. Wer Abstand zum Beifahrer will, klappt eine Armablage herunter. Von oben fällt Licht durch ein Glasdach in den Innenraum, in dem sich bei einem Unfall sieben Airbags öffnen. In der Ablage der Mittelkonsole lädt das Smartphone. Mit frei platzierbaren Haken in der Lüftungsleiste kann man weitere Objekte anbringen. Der Kofferraum bietet 305 Liter Stauraum. Die Heckklappe ist zweigeteilt und öffnet auch nach unten. Darauf kann man beim Tailgating sitzen und beim Picknick die beiden Getränkehalter nutzen.
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Knapp 300 km Reichweite
Mit seiner 35,8-kWh-LFP-Batterie soll das E-Auto bis zu 290 km weit kommen. Im Heck arbeitet ein 60-kW-Motor, der bis 140 km/h beschleunigt. Der Wendekreis liegt bei schlanken 6,95 m. Der Smart #2 kann direkt bestellt werden. Preise für die vier Versionen starten bei 19.990 Euro und gehen bis 25.690 Euro. In der Einstiegsvariante lädt der Wagen mit 7,4 kW am Wechselstromanschluss. Das dauert von 10 bis 80 Prozent fünf Stunden. Angeboten wird auch eine exklusive Couture-Variante, die auf 999 Stück limitiert ist. Eine Brabus-Version ist angekündigt.
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Die Ente kommt zurück
Etwas mehr Geduld braucht man beim Citroën 2CV, besser bekannt als Ente. Das Serienmodell will Citroën bis 2028 vorstellen. Die Preise sollen bei 15.000 Euro starten. Die Stellantis-Marke Citroën will das Auto in Europa produzieren. Gewiss hat man hier neidisch auf den Erfolg der Renault-Neuauflagen von R4, R5 und Twingo geblickt.
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Der 2CV hat bei dem angekündigten Startpreis ebenfalls Chancen auf Erfolg. Das Zielgewicht des E-Autos liegt bei rund einer Tonne. Auf der Messe begeistert das 3,76 m lange Auto mit einem großen Faltdach und einem verspielten Innenraum, bei dem die Frontsitze aussehen wie eine Strandklappbank, ganz ähnlich wie schon 1948. Im Fußraum steht ein Korb für das Picknick.
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Unterhalb des kleinen Bildschirms erkennt man den Knüppel einer Revolverschaltung. Die war damals prägend für das Original aus dem Jahr 1948. Im E-Auto hat Citroën ihn beibehalten und ihm andere Funktionen gegeben. Der 2CV positioniert sich zwischen Citroën Ami und dem C3. Direkt hinter der roten Neuauflage der Ente steht auf dem Messestand eine 2CV Fourgonnette in Silber. Die Kastenente ist das Pendant für Handwerker und Lieferanten.
(Bild: Dirk Kunde / heise Medien)
Neuauflage des Espace
Renault nutzt das Heimspiel für einen großen Auftritt seiner Marken Renault, Dacia, Alpine sowie der leichten Renault-Nutzfahrzeuge. Im Zentrum steht die Neuauflage des Vans von 1984. Mit dem Espace hat Renault diese Fahrzeugkategorie in Europa etabliert. Heute heißen die Modelle MPV, was für Multi Purpose Vehicle steht.
(Bild: Dirk Kunde / heise Medien)
Auch das Konzeptfahrzeug setzt auf Vielseitigkeit. Die zwei Sitze hinter dem Fahrer kann man drehen. Die Sitze der zweiten Reihe lassen sich umklappen und dienen dann als Tisch für die dritte Reihe. Das 4,70 m lange und 1,67 m hohe Fahrzeug bietet viel Platz für sechs Personen. Für die Messe schwingen die beiden Türen in unterschiedliche Richtungen auf, doch das dürfte nicht in der Serienversion kommen. Die Renault-Designer spielen in Heck und Front mit großen Lichtflächen. Die Renault-Raute scheint wie ein Diamant zu schweben. Renault nennt seinen E-Space ein „voiture à vivre“, ein Alltagsauto. Offiziell plant Renault derzeit keine Serienversion.
(Bild: Dirk Kunde / heise Medien)
Entschieden ist allerdings, dass der französische Hersteller bei immer mehr E-Tech-Modellen auf Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) setzt, um günstigere Preise anzubieten. Beim Twingo sind es 27,5 kWh, der Renault 5 bekommt 37 kWh und bei Mégane und Scénic sind es 67 kWh. Die Batterien verfügen über einen Zugang namens Fireman Access, über den die Feuerwehr im Brandfall Wasser direkt in die Batterie leiten kann.
Dacia Spring und Striker
Dacia zeigt zwei Premieren in Paris. Die zweite Generation des Spring wird künftig in Europa produziert. Der Einstiegspreis liegt unter 18.000 Euro. Die zweite Premiere ist der Striker, ein Crossover für das C-Segment als Ergänzung zum Bigster. Er kommt mit Hybrid- und Autogasantrieb für unter 25.000 Euro. Eine rein elektrische Version gibt es vorerst nicht.
Nur eine Skulptur
Renaults Sportwagentochter Alpine zeigt lediglich eine blaue Skulptur, die für die elektrische Version der A110 stehen soll. Daran soll man das Design des Sportwagens ablesen können. Das Exponat überrascht, denn ein Entwicklungsfahrzeug der künftigen A110 ist bereits beim Festival of Speed in Goodwood den Hillclimb gefahren. Dafür entschädigt die Studie A310 Vision. Die Vision zeigt, wohin sich diese Sportwagenversion entwickeln könnte.
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60 Hersteller vertreten
Die Automesse in der französischen Hauptstadt erlebt in diesem Jahr eine Renaissance. Etliche Jahre litt der Autosalon unter dem Überangebot an Messen in Europa. Bei der letzten Messe 2024 überraschten chinesische Hersteller mit ihren selbstbewussten Auftritten. Das wurde zum Weckruf für die französischen Marken. Aber auch Hersteller wie Volvo, Hyundai, Toyota, Fiat und Lancia sind in diesem Jahr wieder dabei.
(Bild: Dirk Kunde / heise Medien)
Auch die chinesischen Autohersteller haben noch mal nachgelegt. Waren es vor zwei Jahren neun Marken, sind in diesem Jahr in den fünf Hallen über 20 chinesische Marken vertreten. Insgesamt findet man Exponate von mehr als 60 Herstellern beim Mondial de l’Auto, wie die Messe offiziell heißt.
Stellantis trumpft auf
Zählt man den chinesischen Partner Leapmotor hinzu, ist Stellantis mit acht Marken in Paris vertreten. Dabei ist das Gedränge bei Citroën und dem 2CV am größten. Aber auch das Konzept des elektrischen Kleinwagens F3VER von DS zieht viele Blicke auf sich. DS setzte zuletzt auf SUVs. Mit 4,19 m Länge und 1,46 m Höhe kehrt der Hersteller zum Schrägheck-Kleinwagen zurück, mit dem einst der DS 3 bekannt wurde. Die Ziffer 3 steht für ein umgedrehtes E.
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Alfa Romeo zeigt mit dem Konzeptfahrzeug Cuorerosso, wie kommende Modelle der italienischen Marke aussehen könnten. Übersetzt heißt das Modell „Rotes Herz“ und soll Emotionen wecken. Das will auch die deutsche Marke Opel mit ihrem STX Concept. Das Akronym steht für Sports Tourer Experimental. Das Konzept könnte einen Vorgeschmack auf den nächsten Astra-Kombi geben. Auffällig ist der neue Opel Vizor, eine beleuchtete Version von Logo und Frontpartie.
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Bei der Stellantis-Marke Fiat wird aus Multipla „Multiplay“. Das 4,45 m lange Auto ist eine Kombination aus Van und Pick-up-Truck. Ein bewegliches Heckmodul macht aus einem viersitzigen Pick-up mit offener Ladefläche einen Van mit sechs Sitzen plus einem flexiblen Platz für Kind oder Haustier. Fiat nennt die Studie ein Ideenlabor, ausdrücklich keine Vorschau auf ein Serienmodell.
(Bild: Dirk Kunde / heise Medien)
Eine Nummer größer
Bei der Vielzahl chinesischer Automarken stechen drei hervor. Ihnen geht es nicht mehr um den Einstieg mit günstigen Kleinwagen, sondern um Erfolge in der Mittel- und Oberklasse. BYD zeigt in Paris den Atto 8. Der SUV ist die größte Version der Modellpalette. Zudem ist es das erste Modell der Marke BYD, das die Flash-Charging-Technik in Europa nutzen kann. Damit lädt das Auto in neun Minuten von 10 bis 97 Prozent. Die 115-kWh-Lade-Batterie soll den 5,04 m langen SUV bis zu 653 km weit bringen.
(Bild: Dirk Kunde / heise Medien)
Kino-Feeling im SUV
Xpeng präsentiert sein gesamtes Portfolio von der Einstiegsvariante L03 bis zum neuen Luxus-SUV G9L. Der 5,12 m lange und 1,79 m hohe SUV erleichtert den Einstieg über ausklappbare Trittbretter. Die Allrad-Version mit 430 kW Motorleistung und einer 110-kWh-NCM-Batterie soll bis zu 553 km weit kommen. Das Assistenzsystem Next Generation Pilot ist ebenfalls integriert. Es soll ab 2027 Fahrten im Level 2++ ermöglichen.
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Der Luxus-SUV ist ein Chauffeurs-Auto. In der zweiten Reihe der Sechs- oder Siebensitzer-Konfiguration genießt man neben einer Massage auch Kino-Feeling mit einem 21,4-Zoll-Bildschirm, der aus dem Dachhimmel klappt, und 23 Lautsprechern. Der Beifahrersitz enthält aufblasbare Luftkissen, die sich automatisch an die Körperform anpassen. Preise für das Oberklassemodell starten in Deutschland bei 74.600 Euro.
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Für Europa entwickelt
Der Autokonzern Chery richtet seine global angebotene Marke Omoda stark auf Europa aus. Der Omoda 4 wurde maßgeblich im europäischen Entwicklungszentrum von Chery in Raunheim bei Frankfurt entwickelt. Er misst 4,42 Meter in der Länge, der Kofferraum fasst rund 400 Liter. Der Crossover im B-Segment kombiniert einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit 143 PS, einen 150-kW-Elektromotor, ein eingängiges Hybridgetriebe und eine 1,83-kWh-Batterie. Angeboten wird auch eine elektrische Variante mit 160 kW Motorleistung und einer 67-kWh-LFP-Batterie für bis zu 450 km Reichweite.
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Der Omoda 5 erhält ein Facelift und wächst um 14 Zentimeter auf 4,54 Meter. Der Kofferraum fasst knapp 400 Liter. Der Hersteller bietet das Modell mit Hybridantrieb sowie als rein elektrische Variante.
Deutsche Autohersteller
Natürlich sind auch einige deutsche Hersteller in Paris vertreten. Volkswagen zeigt erstmals alle vier Modelle der Urban Electric Family auf einem Messestand (ID. Polo, ID. Cross, Skoda Epiq, Cupra Raval). Hinzu kommt der ID. Tiguan, der den ID.4 und den ID.5 ersetzen wird. Audi präsentiert sein kleinstes E-Auto, den A2 e-tron.
(Bild: Dirk Kunde / heise Medien)
Mercedes-Benz stellt den elektrischen GLA in den Mittelpunkt und feiert mit der S-Klasse 140 Jahre Automobil. Die US-Marke Ford hat weder Neuheiten noch Konzepte im Angebot. Man behilft sich auf dem Stand mit Modellen aus dem Motorsport-Engagement.
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