Angeklagte sollen Frau in Soest monatelang gequält haben
Vier Männer müssen sich vor dem Landgericht Arnsberg verantworten. Sie sollen eine Frau in Soest vier Monate lang gefangen gehalten, vergewaltigt und schwer misshandelt haben.
12.10.2026 | 2:23 minDennis J. zeigt keine erkennbare Reaktion, als die Anklage verlesen wird. Im gut besetzten Saal des Landgerichts Arnsberg (NRW) werden am Montag die Vorwürfe gegen den Krankenpfleger und drei weitere Angeklagte vorgetragen: Eine 33-jährige Frau soll über Monate geschlagen, erniedrigt und vergewaltigt worden sein. Nach ihrer Rettung musste sie auf die Intensivstation. Sie überlebte nur knapp.
Vier Männer wegen Misshandlungen angeklagt
Der Fall wurde als "Horrorhaus von Soest" bekannt. Zwischen Juli und November 2025 sollen sich die vier Angeklagten in unterschiedlicher Weise an den Misshandlungen in einem Soester Reihenhaus beteiligt haben. Die beiden Erwachsenen sind 29 und 25 Jahre alt, die beiden Jugendlichen 16 und 17.
Die am ersten Prozesstag verlesene Anklage beschreibt massive Gewalt und Erniedrigungen. Die Frau soll gezwungen worden sein, eine benutzte Toilettenbürste in den Mund zu nehmen und längere Zeit dort zu behalten. Ihr Intimbereich soll mit Zigaretten verbrannt worden sein. Zwei Angeklagten wird zudem gemeinschaftliche Vergewaltigung vorgeworfen.
Psychische, körperliche, sexuelle Gewalt: Fast jede fünfte Frau ist betroffen - nur eine von 20 Taten wird angezeigt.
11.02.2026 | 28:18 minDas Opfer ist als Nebenklägerin im Prozess vertreten. Die junge Frau, die unter Autismus leidet, lässt sich aber zum Auftakt durch eine Anwältin vertreten. Sie will an einem der nächsten Termine teilnehmen und aussagen.
Lebensgefährtin des Hauptangeklagten in Untersuchungshaft
Die Lebensgefährtin des Hauptangeklagten galt zunächst nur als Zeugin. Nachdem bei weiteren Ermittlungen neue Beweismittel gefunden wurden, gilt sie nun aber als "gesondert Beschuldigte" und sitzt ebenfalls in U-Haft.
Es geht unter anderem um gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung. Welche Taten den einzelnen Angeklagten nachgewiesen werden können, muss das Gericht in den kommenden Wochen klären. Für sie alle gilt die Unschuldsvermutung.
Hauptangeklagter bestreitet Vorwürfe
Dennis J., der als mutmaßlicher Haupttäter gilt, bestreitet die Vorwürfe. Er und der zweite erwachsene Angeklagte, Kevin S., sitzen in Untersuchungshaft. Die beiden haben sich inzwischen zerstritten. Kevin S. hat angekündigt, sich zu den Vorwürfen zu äußern.
Am "Orange-Day" liegt der Fokus auf den Kampf gegen Gewalt an Frauen. Ministerin Prien beruft Kommission, die besseren Schutz für Betroffene schaffen soll.
24.11.2025 | 1:38 minWährend der Verlesung der Anklage lässt sich Dennis J. äußerlich nichts anmerken. Eine erkennbare Reaktion auf die Schilderungen der mutmaßlichen Misshandlungen zeigt er nicht.
Gericht hält an öffentlicher Verhandlung fest
Die Verteidiger der beiden Jugendlichen hatten zum Auftakt beantragt, die Öffentlichkeit grundsätzlich auszuschließen. Das Gericht folgte dem nicht. Der Vorsitzende Richter Gährken begründete die Entscheidung damit, dass das Interesse der Öffentlichkeit an der Sanktion hoch und berechtigt sei.
Ein zeitweiser Ausschluss bleibt aber möglich: Wenn es um die Tatbeteiligung der beiden Jugendlichen geht, können einzelne Teile der Verhandlung ohne Publikum stattfinden. Der Prozess wird vor einer Jugendkammer geführt.
Nachbar entdeckte die gefesselte Frau
Ein Nachbar hatte am 3. November 2025 spätabends eine teilweise entkleidete Frau auf der Terrasse des Hauses entdeckt. Ihre Hände waren mit Handschellen über dem Kopf an einem Balken befestigt. Ihre Füße berührten nur mit den Zehen den Boden. Der Mann alarmierte die Polizei. Rettungskräfte brachten die schwer unterkühlte Frau ins Krankenhaus.
Nach ihrer Befreiung musste sie intensivmedizinisch behandelt werden. Sie überlebte die Misshandlungen nur knapp und blieb anschließend über Monate im Krankenhaus.
Femizide in Verbindung mit Trennung oder Eifersucht sind laut einer Studie mit Abstand die häufigste Form von Tötungen an Frauen aufgrund ihres Geschlechts in Deutschland.
20.11.2025 | 2:35 minBeschimpfungen nach dem ersten Prozesstag
Wie aufgeladen die Stimmung ist, zeigt sich nach dem Ende der Verhandlung auch vor dem Gerichtsgebäude. Als einer der jugendlichen Angeklagten das Gericht verlässt, ruft ihm eine junge Frau "Vergewaltiger!" hinterher und beschimpft ihn.
Für den Nachmittag war in Soest eine Demonstration gegen Gewalt an Frauen angekündigt. Das Frauennetzwerk Kreis Soest und andere Gruppen und Personen wollten damit auch ihre Solidarität mit der betroffenen Frau zeigen.
Für den Prozess sind insgesamt 14 Verhandlungstage bis zum 17. Dezember vorgesehen.
Thomas Münten ist Reporter im ZDF-Landesstudio Nordrhein-Westfalen.
Über das Thema berichtete die heute-Sendung am 12.10.2026 ab 17 Uhr.
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