RTP DesportoCorridas de Fórmula 1 mais curtas a partir de 2027וואלההאם רע"ם ועוצמה יהודית ייפסלו? דיונים בבקשות לפסילה לכנסת ה־26The Jerusalem PostMotive behind Ontario synagogue shooting attack not yet determined by Canadian policePunchVIDEO: NSCDC busts illegal fruit juice factory in Lagos, arrests twoDaily MaverickWHAT’S COOKING: A pair of meaty recipes to plan for Braai DayBollywood HungamaVeteran actor Radha files complaint against sister Ambika and brother over alleged Rs 50 crores cheque fraudInquirerDepEd asked: Why reiterate Pride Month memo when it’s always voluntary?UOLFuracão Polo atinge categoria 4 no Pacífico mexicanoColliderApple TV’s Sensational Spy Series Is on a 630-Day Streaming StreakEgypt IndependentEgypt stresses protection of workers in Lebanon, stronger labor cooperationThe Sydney Morning HeraldLachie Neale faces tribunal in bid to play in AFL grand finalBlickMit viel Gold versehen: Messi präsentiert Spezialtrikot für Argentinien-Abschied
The Daily Newsstand · Free, Always
Tuesday, September 22, 2026

Rassismus auf dem Wohnungsmarkt: „Passt nicht“, weil Sinteza

Translate

Die Sinteza und Aktivistin Kelly Laubinger bewarb sich auf eine Wohnung – und erfuhr per Zufall, warum sie dafür nicht infrage kommt.

Esther Geißlinger

„Sie verdient glaub ich zu wenig und ist Roma/Sinti – bin nicht sicher, obs passt.“ Diese Notiz verschickte die Mitarbeiterin einer Immobilienfirma nach einem Wohnungsbesichtigungstermin in Neumünster. Was die Mitarbeiterin offenbar übersah: Ihre Mail landete nicht nur im internen Verteiler der Firma, sondern ging auch an Kelly Laubinger, die Frau, die sich für die Wohnung interessierte. Deren Anwalt fordert nun eine Entschädigung gemäß dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Für Laubinger ist das nicht der erste Fall dieser Art.

„Ich hatte eigentlich ein sehr gutes Gefühl bei der Besichtigung“, berichtet Kelly Laubinger. Die Neumünsteranerin ist auf der Suche nach einer Wohnung, und die Anzeige der Immobilienfirma, die sie auf einem Internetportal fand, passte zu ihren Wünschen. Ihr sei vor allem wichtig, dass ihre neue Wohnung in der Nähe ihres Arbeitsplatzes liege, so Laubinger.

Die 37-Jährige ist als Geschäftsführerin der Sinti Union Schleswig-Holstein tätig. Der Verein organisiert unter anderen Veranstaltungen und Schulungen. Die Mitglieder setzen sich für die Interessen der Sinti und Roma ein, der Kampf gegen Diskriminierung ist ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit. In den vergangenen Jahren ist der Verein, auch dank Kelly Laubingers Einsatz, im Land und auf Bundesebene als laute Stimme der Sinti- und Roma-Community bekannt geworden.

„Bei der Wohnungsbesichtigung habe ich meine Tätigkeit bei der Sinti Union bewusst erwähnt, eben weil es sich um einen eingeführten und mit öffentlichen Mitteln geförderten Verein handelt“, berichtet Laubinger. Dass sie über ein sicheres Einkommen verfüge, sei schließlich eine wichtige Information für einen möglichen Vermieter.

Was soll dieser Hinweis auf meine Zugehörigkeit zur Sinti-Minderheit?

Kelly Laubinger

Sie erwähnte aber auch, dass sie neben der Festanstellung regelmäßig Honorare als Freiberuflerin erhalte. „Dazu gab es aber keine Rückfragen“, erinnert sie sich. Insgesamt sei das Gespräch aus ihrer Sicht angenehm und offen verlaufen. Sie habe deutliches Interesse an der Wohnung signalisiert und eigentlich auf eine Zusage gehofft.

Stattdessen landete die Mail mit der Notiz „ist Roma/Sinti“ in ihrem Postfach. Kurz darauf kam sogar eine zweite Mail, in der die Mitarbeiterin der Firma die Notiz noch erweitert hatte. Es ging dabei um ihr monatliches Einkommen, das die Mitarbeiterin deutlich niedriger einstufte, als Laubinger es ihr gesagt hatte. Der Hinweis auf das zweite finanzielle Standbein aus der freien Tätigkeit fehlte komplett. Wieder endete die Mail, die der taz als Screenshot vorliegt, mit der Einschätzung: „Weiß nicht, ob das passt.“

Auf taz-Anfrage spricht der Chef der Immobilienfirma von einem „Missverständnis“. Die Notiz stamme von seiner Schwester, die ebenfalls in der Firma arbeite. Dass sie den Hinweis auf „Roma/Sinti“ diskriminierend gemeint hätte, weist er von sich: „Das ist eine Fehlinterpretation.“ Auch in seiner eigenen Familie gebe es Erfahrungen mit Diskriminierung: „Unsere Mutter war eine Reisende, sie hat im Zirkus gearbeitet“, berichtet er. Laubingers Einsatz gegen Diskriminierung fände er bewundernswert. Er hoffe auf eine Einigung und ein klärendes Gespräch, um die Sache aus der Welt zu räumen.

Laubinger und ihr Anwalt sehen dagegen deutliche Anzeichen für eine Diskriminierung und damit einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandungsgesetz. „Was soll dieser Hinweis auf meine Zugehörigkeit zur Sinti-Minderheit?“, fragt Laubinger. Sie ärgert sich auch darüber, dass die Mitarbeiterin ihr Gehalt reduziert und die selbstständigen Einkünfte gar nicht einberechnet hat. „Eigentlich bin ich ziemlich bekannt in der Stadt“, sagt Laubinger. „Eine kurze Internetsuche hätte gezeigt, was ich alles tue.“

Sinti in Schleswig-Holstein

Seit über 600 Jahren sind Sinti in Schleswig-Holstein ansässig, urkundlich erwähnt wurde die Minderheit erstmals 1447.

Im November 2012 hat Schleswig-Holstein als erstes Bundesland die deutschen Sinti und Roma als Minderheit in die Landesverfassung aufgenommen und sie damit den anderen Minderheiten im Land, Frie­sen und Dänen, gleichgestellt.

Heute leben rund 5.000 Angehörige der Minderheit in Schleswig-Holstein, bundesweit gibt es rund 70.000 Sinti und Roma.

„Sinti“ bezeichnet die in Mittel- und Westeuropa sowie Norditalien lebenden Roma.

Dabei wäre aufgefallen, dass Kelly Laubinger mehrfach juristisch gegen Diskriminierung vorgegangen ist. So wurde sie 2021 abgelehnt, als sie in ein Fitness-Studio eintreten wollte. Angeblich gab es keine freien Plätze mehr, aber als Laubinger Freundinnen bat, sich probeweise anzumelden, klappte das mühelos. Offenbar lag es an dem Nachnamen, der in Neumünster als „typisch Sinti“ bekannt ist.

Laubinger klagte – und gewann. Das war der Start ihrer Karriere als Aktivistin. Erneut ging sie 2024 vor Gericht, nachdem ein Hotelier der Sinti Union ein Zimmer verweigerte, das Laubinger für den Autor Max Czollek buchen wollte. Das Verfahren endete mit einer Geldstrafe für den Hotelbesitzer.

Nach dem Erfolg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt bangen viele Menschen um die Zukunft, es droht die erste AfD-Regierung. Das wäre eine (weitere) Zäsur für Deutschland. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

View the original on taz

KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.