Kühlgeräteangriffe: Bis aufs Blut verwundbar
Ein Cyberangriff soll Kühlanlagen getroffen haben, die der Dienstleister Coolworld für das französische Blutspendeinstitut Établissement français du sang (EFS) wartet und in denen unter anderem Blutplasma tiefgefroren lagert. Die Angreifer sollen die Zieltemperatur auf 110 Grad Celsius gesetzt haben. Ein im Bereitschaftsdienst tätiger Techniker habe den Manipulationsversuch in der Nacht vom 1. auf den 2. November bemerkt und eingegriffen. Insbesondere die Region Bourgogne-Franche-Comté sei betroffen, berichten französische Medien wie Le Canard enchaîné. Dass es einen derartigen Versuch gegeben habe, bestätigte das dem Gesundheitsministerium unterstellte EFS in einer Mitteilung vom 3. November. Blutprodukte seien dabei nicht verloren gegangen.
Es ist der jüngste Fall nach den berichteten Angriffen auf die Steuerungssysteme von Gefriertruhen in Supermärkten, die zuerst vor allem in Frankreich, später auch in Belgien, Luxemburg und Schweden Händler betrafen, zuletzt aber auch aus Deutschland vereinzelt berichtet wurden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hatte die Nutzer und Betreiber vernetzter Gefriertruhensteuerungen und anderer per Fernsteuerung über das Internet erreichbarer Geräte dringend aufgefordert, ihre Systeme vom Internet zu trennen oder zumindest abzusichern und zu patchen.
Auch in Deutschland sind dem BSI Fälle bei einzelnen Supermärkten bekannt. Fachleuten zufolge besteht, weil Angreifer Sicherheitslücken mithilfe von KI leichter finden, ein erhöhtes Angriffsrisiko auf alle an das Internet angeschlossenen, unzureichend gesicherten und länger nicht mehr mit Sicherheitsupdates versehenen Geräte.
Unter anderem soll es im Pharmahandel Versuche gegeben haben, Kühlgeräte entsprechend zu manipulieren. Sowohl Blutprodukte als auch die Pharmaversorgung gehören zu den kritischsten Bereichen, in denen ein Ausfall der Kühlung alle betroffenen Produkte unbenutzbar machen kann. Zudem sind Medikamente oft extrem teuer, sodass auch der Ausfall weniger Kühlgeräte einen enormen wirtschaftlichen Schaden bedeuten würde. In diesen Bereichen sind die Lagerbestände ohnehin knapp, außerdem haben sie strategische militärische Relevanz. Die zuständigen Behörden in Frankreich und Deutschland gehen den Vorfällen deshalb derzeit intensiv nach.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.