Ryan Fitzpatrick zerlegt Bo Nix: "Respektlos gegenüber der Quarterback-Position"
Die Denver Broncos haben gegen die Seattle Seahawks mit 17:14 nach Verlängerung gewonnen. Doch während die Defense den knappen Erfolg sicherte, blieb Quarterback Bo Nix erneut blass. In der Nachberichterstattung bei Amazon Prime übte Ex-NFL-Quarterback Ryan Fitzpatrick ungewöhnlich scharfe Kritik am Spielmacher und stellte dabei vor allem dessen Einsatz und Entscheidungsfindung infrage.

Ryan Fitzpatrick kritisiert Bo Nix hart. IMAGO/Marty Jean Louis
Der Sieg gegen Seattle änderte nichts daran, dass Bo Nix nach der Partie im Mittelpunkt der Kritik stand. Ryan Fitzpatrick fand deutliche Worte für die Leistung des Broncos-Quarterbacks und zweifelte an dessen Auftritt auf dem Feld.
„Kein Feuer und keine Leidenschaft“
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"Es ist fast respektlos gegenüber der Quarterback-Position, wie er momentan Football spielt", erklärte Fitzpatrick in der Prime-Video-Nachberichterstattung. Besonders störte ihn, dass Nix in entscheidenden Situationen nicht entschlossen genug agiere. Als Beispiel nannte er einen Screen-Pass bei einem dritten Versuch mit acht Yards bis zum First Down. Auch in der Verlängerung habe Nix bei einer vorgesehenen Laufaktion die Gelegenheit verpasst, mit einem entschlossenen Lauf Raumgewinn zu erzielen.
"Es gibt kein Feuer und keine Leidenschaft", lautete Fitzpatricks Urteil. Der ehemalige NFL-Quarterback stellte sogar infrage, ob Nix die Bedeutung seiner Rolle ausreichend ernst nehme. Gleichzeitig ließ er offen, ob eine mögliche körperliche Einschränkung hinter den Leistungen stecken könnte.
Broncos machen es Nix so einfach wie möglich
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Der Vorwurf richtet sich nicht allein gegen schwierige Würfe oder einzelne Fehlentscheidungen. Vielmehr geht es auch darum, ob Nix die einfachen Möglichkeiten nutzt, die ihm das System der Broncos bietet. Kurze Pässe und klare Reads können einem Quarterback helfen, schnell Entscheidungen zu treffen und die Offense am Laufen zu halten. Sie müssen allerdings auch in Raumgewinn umgesetzt werden.
Gegen Seattle gelang das kaum. Nix brachte 17 seiner 27 Passversuche für 107 Yards an. Das entspricht gerade einmal vier Yards pro Passversuch. Touchdown-Pässe und Interceptions gab es für ihn nicht. Die Broncos kamen insgesamt auf lediglich 168 Offense-Yards und erzielten nach der Halbzeit keine weiteren Punkte. Den Sieg sicherte letztlich Wil Lutz mit einem Field Goal aus 53 Yards in der Verlängerung, nachdem die Defense zuvor eine entscheidende Interception erzwungen hatte.
Das Passspiel bleibt zu harmlos
Nicht nur der Auftritt gegen Seattle, sondern auch die Saisonwerte geben Anlass zur Diskussion. Nach sechs Spielen steht Nix bei 1.049 Passing Yards, sechs Touchdown-Pässen und drei Interceptions. Seine Passquote liegt bei rund 60,3 Prozent, der Schnitt bei 5,6 Yards pro Passversuch. Die Broncos haben damit zwar eine Bilanz von 4:2, die offensive Produktion ihres Quarterbacks bleibt aber hinter den Erwartungen zurück.
Auch die fortgeschrittenen Statistiken zeichnen ein problematisches Bild. Vor dem Seahawks-Spiel lag Nix' Average Depth of Target (aDOT) laut PFF bei 6,5 Yards. Die Kennzahl beschreibt, wie weit hinter der Line of Scrimmage seine anvisierten Passempfänger im Durchschnitt stehen. Sein PFF-Gesamtrating betrug zu diesem Zeitpunkt 49,8 Punkte und lag auf Rang 32 von 34 bewerteten Quarterbacks.
Dazu kam ein Expected Points Added (EPA) pro Dropback von minus 0,14 vor dem sechsten Spiel. Der Wert misst, wie sich die Spielzüge eines Quarterbacks auf die erwarteten Punkte seiner Mannschaft auswirken. Ein negativer Wert bedeutet, dass seine Dropbacks den erwarteten Punktwert im Durchschnitt verringern. Auch Nix' Yards pro Passversuch lagen bereits vor Seattle mit 5,8 auf einem niedrigen Niveau.
Die Werte beweisen für sich genommen keinen mangelnden Einsatz. Sie zeigen jedoch, dass Nix bislang zu selten aus seinen Passversuchen Kapital schlägt. Gegen Seattle verschärfte sich das Problem mit nur vier Yards pro Versuch noch einmal.
Fragen bleiben trotz Sieg
Die Broncos können sich bislang auf ihre Defense verlassen. Vier Siege aus sechs Spielen sind eine gute Ausgangslage. Die offensive Entwicklung wirft dennoch Fragen auf. Head Coach Sean Payton hat die Verantwortung für das Playcalling inzwischen wieder selbst übernommen, nachdem zuvor Davis Webb diese Aufgabe innehatte. Eine nachhaltige Verbesserung im Passspiel ist bislang nicht erkennbar.
Ob tatsächlich fehlender Einsatz dahintersteckt, wie Fitzpatrick behauptet, lässt sich aus den Zahlen allein nicht ableiten. Nix' Leistungen, seine Effizienz und die geringe Tiefe vieler Würfe bieten aber genügend Anlass für Kritik. Der Sieg gegen Seattle verschafft Denver eine gute Bilanz. Die Diskussion über den Quarterback dürfte damit noch lange nicht beendet sein.
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