Was das Alkoholverbot an Bahnhöfen bedeutet
Die Bahn will mit einem Alkoholverbot Bahnhöfe sicherer machen. Gleichzeitig bleibt Alkohol in Zügen und Bahnhöfen zum Verkauf erhältlich. Die Gewerkschaft der Bundespolizei kritisiert das Konzept.
15.10.2026 | 2:32 minKaputte Flaschen, Erbrochenes - dazu Menschen, die durch Bahnhofshallen torkeln oder dort ihren Rausch ausschlafen. Solche Szenen sollen ein Ende haben. Ab diesem Donnerstag gilt an 5.400 Bahnhöfen des Landes ein Alkoholverbot.
"Zu oft mussten wir feststellen, dass dort, wo zu viel Alkohol fließt, auch die Gewalt zunimmt", begründet Bahn-Chefin Evelyn Palla diesen Schritt.
Bahn: Mehr Sicherheit und Sauberkeit
Im Juli endete eine Fahrkartenkontrolle bei einem betrunkenen Fahrgast in einer brutalen Schlägerei. Dabei stürzte ein Sicherheitsmitarbeiter der Bahn bei Tempo 120 aus dem fahrenden Zug. Er wurde lebensgefährlich verletzt. Der Fall sorgte bundesweit für Entsetzen.
Die Deutsche Bahn setzt ein Alkoholverbot an allen 5.400 Bahnhöfen durch. Ab 15. Oktober tritt das Verbot auf Bahnsteigen und in Bahnhofshallen in Kraft. Die Bahn erhofft sich so mehr Sicherheit.
21.07.2026 | 1:54 minBahn-Sprecherin Anja Bröker erklärt: "Wir wollen, dass unsere Bahnhöfe sauberer werden. Sicherer werden. Dass sich Reisende wohlfühlen. Auch unsere Mitarbeitenden. Und deswegen ist das Alkoholkonsumverbot ein weiterer Schritt, um die Bahnhöfe zu einem solchen Ort zu machen."
Wir haben gute Erfahrungen - an rund 40 Bahnhöfen gilt es schon. Da kommt es zu weniger Konflikten, zu weniger Müll.
Anja Bröker, DB-Sprecherin
Was bei Verstößen droht
An vielen Großstadt-Bahnhöfen gilt schon länger ein Alkoholverbot. Dort seien die Gewalttaten deutlich zurückgegangen, sagt die Bahn - und es gebe auch weniger Müll. Laut Umfragen sollen 80 Prozent der Fahrgäste das Verbot befürworten.
Umsetzen müssen es die Mitarbeiter der DB Sicherheit. Wer mit Bier oder Schnaps erwischt wird, erhält einen Platzverweis. Im Wiederholungsfall droht sogar dauerhaft Hausverbot.
An deutschen Bahnhöfen ist es ab sofort verboten, Alkohol zu trinken. Das Verbot soll unter anderem für mehr Sicherheit sorgen und gilt in Bahnhofshallen und auf Bahnsteigen.
15.10.2026 | 0:15 minPolizei-Gewerkschafter: "Nicht weitreichend genug"
Die Bundespolizei unterstützt den Sicherheitsdienst dabei, wenn die Situation eskaliert. Andreas Roßkopf, der Vorsitzende der GdP für den Bereich Bundespolizei, kritisiert die Pläne der Bahn aber als inkonsequent.
Gute Maßnahmen - aber nicht weitreichend genug. Der Verkauf von Alkohol in Zügen und Bahnhöfen sollte zumindest abends gestoppt werden.
Andreas Roßkopf, GdP-Vorsitzender für den Bereich Bundespolizei
Auch in Bahnhofsgaststätten ist der Verkauf von Alkohol weiterhin erlaubt.
Bahnhöfe werden laut Polizeigewerkschaft zunehmend zu Hotspots der Kriminalität. Alexander Poitz fordert klarere Regeln und sieht die DB-Sicherheitskräfte in der Pflicht bei der Umsetzung.
22.07.2026 | 4:56 minFraglich sei auch, so Roßkopf, "wie wir das Verbot durchsetzen sollen, wenn ganze Hundertschaften gewaltbereiter Fußball-Hooligans mit Bierflaschen durch den Bahnhof ziehen". Trotzdem unterstützt die Gewerkschaft das Konzept.
Was Reisende sagen
Und was meinen die Fahrgäste? Am Düsseldorfer Hauptbahnhof sagt uns Aydin Ayas:
Ich finde das gut. Alkohol ist ein schwieriges Thema. Gerade an Tagen, wo viel los ist, würde ich schon dafür plädieren, dass man Alkohol einschränkt.
Aydin Ayas, Reisende
Alia ist zwiegespalten: "Ich würde es nur als letzte Möglichkeit begrüßen. Ich finde, dass wir Bürger zunehmend entmündigt werden und unserer eigenen Entscheidungen beraubt werden."
Der Verein "Zwischenstopp Straße" in Hamburg setzt sich für die Belange von Obdachlosen ein.
11.09.2026 | 1:43 minDie 22-jährige Sophie kann es gar nicht erwarten: "Weil einem gerade alkoholisierte Männer an Bahnhöfen auflauern - und da würde ich mich schon wohler fühlen, wenn einfach der Punkt wegfallen würde."
Alkoholverbot: Ein Problem für Obdachlose
Doch für andere ist ein Alkoholverbot in Bahnhöfen durchaus ein Problem. Marcel etwa, er lebt in Düsseldorf auf der Straße. Er nutzt die Gänge des Bahnhofs, um sich aufzuwärmen. Hier werde er auch nicht ausgeraubt, sagt er, weil überall Leute sind. Doch Bier oder Schnaps darf er hier nicht mehr konsumieren - in Düsseldorf gilt das Alkoholverbot schon länger. "Das Alkoholverbot ist jetzt sechs Wochen aktiv. Ich bin schon dreimal angehalten worden."
Die haben mir gesagt: Beim nächsten Mal krieg' ich eine Ordnungswidrigkeitsanzeige, also eine Strafe. Wenn ich dann nochmal auffalle, würden die mich sogar festnehmen.
Marcel
Am 17. April wird deutschlandweit die Bahnhofsmission gewürdigt. Sie ist eine Anlaufstelle für Obdachlose und Hilfsbedürftige und bietet ihnen Unterstützung, wie ein Beispiel aus Leipzig zeigt.
17.04.2026 | 2:01 minBahn sieht keine Widersprüche
Streetworker Ongaro befürchtet, dass künftig viele Obdachlose im Freien übernachten werden - mit allen Gefahren. Auch für die, die im Bahnhof bleiben und mit Alkohol erwischt werden, werde es schwierig: "Man kann damit rechnen, dass es dann viele Hausverbote gibt, die dann auch justiziabel sind - also ein Hausfriedensbruchverfahren - und die Leute kommen mit dem Gesetz in Konflikt."
Wenn die Geldstrafe nicht bezahlt wird, landen sie im Gefängnis.
Oliver Ongaro, Streetworker
Widersprüchlich: Am Kiosk und in Gaststätten wird auch an den Bahnhöfen weiter Alkohol verkauft - und natürlich im Bord-Bistro des ICE. DB-Sprecherin Anja Bröker sagt dazu:
Die Erfahrungen zeigen, dass es da auch nicht zu solchen Konflikten kommt - sondern eher im öffentlichen Raum, auf den Bahnsteigen.
Anja Bröker, DB-Sprecherin
Über dieses Thema berichtete das gemeinsame Morgenmagazin von ARD und ZDF am 15.10.2026 ab 5:30 Uhr.
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