Israel verweigert taz-Korrespondentin die Einreise
Sorge um Pressefreiheit Israel verweigert taz-Korrespondentin die Einreise
Stand: 12.10.2026 • 18:08 Uhr
Offenbar in Verbindung mit ihrer kritischen Berichterstattung verweigert Israel der taz-Journalistin Bilanceri die Einreise. Sie spricht von einer schlechten Nachricht für die Pressefreiheit. Auch israelische Kollegen sind besorgt.
Es ist nicht das erste Mal, dass Serena Bilanceri in Israel Probleme bei der Ein- und Ausreise hat. Im Juli 2025 wollte sie von Tel Aviv nach Wien fliegen, um einen Journalistenpreis entgegenzunehmen. Am Flughafen wurde ihr Computer beschlagnahmt: Erst nach neun Tagen erhielt sie ihn zurück. Schwer beschädigt.
Die Organisation Reporter ohne Grenzen untersuchte damals das Gerät und erklärte, ein Zugriff sei sehr wahrscheinlich. Jetzt wird der in Italien geborenen Korrespondentin der Tageszeitung taz für Israel und die palästinensischen Gebiete die Einreise gleich ganz verweigert:
Ich hatte bereits im vergangenen Jahr Probleme, also mein Laptop wurde am Flughafen beschlagnahmt. Und: Ich bin nicht die einzige Journalistin, der das passiert ist. Mein Eindruck ist, dass die israelische Regierung kritische Berichterstattung und Berichterstattung über die Lage in den palästinensischen Gebieten so weit wie möglich erschweren will.
TAZ-Journalistin Serena Bilanceri
Auch andere Journalisten sind betroffen
Auch einem italienischen Journalisten und einer französischen Reporterin wurde die Einreise bereits verweigert. Serena Bilanceri hatte zuletzt eine dreimonatige Aufenthaltsgenehmigung. Als die auslief, reiste sie aus. Ihr Antrag auf ein länger gültiges Arbeitsvisum wurde nicht genehmigt.
Dass das mit ihrer kritischen Berichterstattung über die israelische Regierung zusammenhängt, belegt eine Erklärung des "Ministeriums für Diasporaangelegenheiten und den Kampf gegen Antisemitismus": Darin wird aus zwei Kommentaren Bilanceris aus dem Jahr 2025 zitiert.
Texte zu Gaza und Siedlergewalt
Einer handelt von der erwiesenermaßen katastrophalen Lage im Gazastreifen im vergangenen Jahr, von Plänen der EU-Kommission, Israels Regierung deswegen zu sanktionieren und von der Tatsache, dass die Bundesregierung solche Sanktionen verhinderte. Bilanceri schreibt, Sanktionen wären ein "bitter notwendiges Zeichen an die israelische Regierung."
Ein anderer Kommentar handelt von der Gewalt durch jüdische Siedler im Westjordanland an Palästinensern, die bis heute unter der Regierung Netanjahu ein nie gekanntes Ausmaß erreicht hat. Bilanceri spricht von einer "radikalen Vertreibungsstrategie" und fordert wegen der Verletzung des Völkerrechts "finanzielle und militärische Sanktionen".
Insgesamt zehn Länder, darunter Großbritannien und Frankreich, haben inzwischen Sanktionen gegen die Siedlungen auf den Weg gebracht - Deutschland weiterhin nicht.
"Schlechte Nachricht für die Pressefreiheit"
Serena Bilanceris Meinung als Berichterstatterin wird nun offiziell von der israelischen Regierung sanktioniert.
In der Erklärung des Dispora-Ministeriums wird Avi Cohen Scali, der Generaldirektor mit folgenden Worten zitiert: "Antiisraelische Elemente und solche, die Israel diffamieren, sollten keinen Fuß auf israelischen Boden setzen. Wir werden Boykottaufrufe gegen Israel unter dem Deckmantel des professionellen Journalismus nicht dulden."
Das sei eine sehr schlechte Nachricht für die Pressefreiheit in Israel, sagt taz-Journalistin Bilanceri "Das heißt: Wer als ausländischer Journalist in Israel arbeiten will, muss sich gegebenenfalls selbst zensieren. Also zumindest, wenn es um Sanktionen oder die Lage im Westjordanland geht."
Auch israelische Journalisten besorgt
Auch israelische Kollegen sorgen sich um die Pressefreiheit im Land. Anat Saragusti kümmert sich bei der Journalistengewerkschaft um das Thema. Sie sagte dem ARD-Studio Tel Aviv, die Pressefreiheit in Israel verschlechtert sich rapide.
"Israelische Journalisten werden angegriffen, nur weil sie ihre Arbeit machen und die Mächtigen zur Rechenschaft ziehen", sagt Saragusti. Ausländischen Journalisten werde die Einreise in das Land verweigert, weil sie die Politik der israelischen Regierung kritisierten. "Bald schon wird sich Israel nicht mehr eine Demokratie nennen können. Denn es gibt keine Demokratie ohne Pressefreiheit."
Israel wählt am 27. Oktober
Hoffnung liegt für sie in den israelischen Parlamentswahlen am 27. Oktober: Doch ob die ein neues Regierungsbündnis hervorbringen und ob eine neue Regierung die Sanktionierung von Journalistinnen und Journalisten beendet, ist völlig offen.
Solange leben zahlreiche Korrespondenten mit dem Risiko, dass auch ihnen wegen zu kritischer Berichterstattung die Einreise nach Israel verweigert wird.
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