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Monday, September 21, 2026

CDU-Wahlschlappe: Neuer Kurs, alte Probleme

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Friedrich Merz

Analyse

CDU-Wahlschlappe Ein Kanzler auf Bewährung

Stand: 21.09.2026 • 20:03 Uhr

Der Bundeskanzler und CDU-Chef kämpft nach dem erneuten Wahldebakel um sein Amt. Die SPD setzt sich vom Reformkurs ab. Merz will daran festhalten und hofft auf Unterstützung.

Für die CDU hätte der Wahlsonntag nicht schlimmer ausgehen können. Mit Blick auf das Resultat in Mecklenburg-Vorpommern spricht Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz von einem "Desaster".

Die CDU fiel Manuela Schwesigs Aufholjagd gegenüber der AfD zum Opfer und erstmals aus einem Landesparlament. In Berlin wurde die CDU nur zweitstärkste Kraft hinter der Linkspartei.

Diesmal war Merz vorbereitet

Zumindest kam der Schock nicht unerwartet. In der Unionsführung hatten viele mit einem schlechten Ergebnis gerechnet. Und anders als bei der Wahl in Sachsen-Anhalt vor gut zwei Wochen hatte Merz diesmal vorgebaut: In der vergangenen Woche haben die acht CDU-Ministerpräsidenten ihm mit einer kühlen Solidaritätsadresse den Rücken gestärkt.

Am Wahlabend ging der CDU-Vorsitzende schon kurz nach Schließung der Wahllokale an die Öffentlichkeit, um klarzumachen, dass er an den geplanten Reformen festhält - und an seinem Amt als Bundeskanzler.

Ein bisher einzigartiger Vorgang, der zeigt, wie ernst die Lage für Merz ist. Die Frage ist, ob die Partei ihm noch folgt und wie groß Unmut und Sorge in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ausfallen. Sie tritt am Dienstagnachmittag zusammen. Um teilnehmen zu können hat Merz eine Reise zur UN-Generalversammlung nach New York abgesagt.

Die Reformen werden zur Belastungsprobe

Inhaltlich hält Merz auch nach den schmerzhaften Wahlschlappen der vergangenen Wochen daran fest, die Reformen bei Rente, Pflege, Gesundheit und Steuer wie von der schwarz-roten Koalition geplant umzusetzen. Der Kanzler und CDU-Chef hat lediglich angekündigt, die geplanten Änderungen besser erklären und emotional vermitteln zu wollen. Ob das reicht, wird immer fraglicher.

Denn Ablehnung und Verunsicherung angesichts der Reformpläne gelten als eine Hauptursache für das schlechte Abschneiden von SPD und CDU bei den Wahlen. Der Koalitionspartner SPD verlangt deshalb Kurskorrekturen. Auch ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten hatten die geplante Abschaffung der vorzeitigen abschlagsfreien Rente für langjährig Versicherte infrage gestellt. Auf der anderen Seite erwarten wichtige Abgeordnete in der Unionsfraktion, dass Merz jetzt nicht wackelt und das Reformpaket ohne Abstriche gegen Widerstände durchsetzt.

Politikwechsel statt Kanzlerwechsel?

Der CDU-Vorsitzende will offenbar Wut und Aufregung über die Wahlergebnisse von sich ab- und in eine breitere interne Debatte über Inhalte und Struktur der Partei umlenken. Dabei soll es darum gehen, den Charakter der CDU als Volkspartei zu erhalten, erklärte Merz nach den Gremiensitzungen am Montag.

Außerdem kündigte er ein Umdenken auch in der schwarz-roten Bundesregierung an, um das Gefühl zu adressieren, dass es im Land nicht gerecht zugehe. Als Beispiel nannte Merz das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Kranken- und Pflegeversicherung: "Wenn die Bevölkerung das als ein so massives Problem ansieht, dann müssen wir daran etwas ändern." Beim Koalitionspartner SPD dürfte Merz damit offene Türen einrennen.

Keine Alternative in Sicht

Eine Personaldebatte hat es in den CDU-Führungsgremien nach Merz' Worten nicht gegeben. Seine schnelle Ablösung ist auch nach den jüngsten Niederlagen unwahrscheinlich. Die verfassungsrechtlichen Hürden für einen Kanzlerwechsel oder für Neuwahlen sind hoch. Ein aussichtsreicher Gegenkandidat drängt sich nicht auf.

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder genießt zwar Sympathien in der ostdeutschen CDU und könnte sich mit dem Koalitionspartner SPD arrangieren. Er gilt aber bei der CDU im Norden und Westen als schwer vermittelbar. Dort nimmt man ihm die Sticheleien gegen Armin Laschet übel, gegen den Söder 2021 den Machtkampf um die Unions-Kanzlerkandidatur verlor.

Nordrhein-Westfalens Regierungschef Hendrik Wüst gilt als ambitioniert, hat aber im April Landtagswahlen zu bestehen. Falls die geplanten schwarz-roten Reformvorhaben scheitern, könnte allerdings der Unmut an der Basis wachsen. Erfahrene Unionsabgeordnete sprechen von einer letzten Chance für den Bundeskanzler und CDU-Vorsitzenden. Merz bleibt ein Kanzler auf Bewährung.

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