Weltweiter Kohlekraft-Ausbau trotz Klimazielen
Die Zahl der Kohleprojekte ist trotz der angestrebten Energiewende und Klimaziele weltweit gestiegen. Nach Angaben der Umweltorganisation Urgewald aus dem nordrhein-westfälischen Sassenberg kamen 2025 auf jedes zurückgestellte Kohleprojekt drei neue Vorhaben. Während im vergangenen Jahr demnach 76 geplante Kohleprojekte auf Eis gelegt oder gestrichen wurden, wurden im gleichen Jahr weltweit 257 neue Kohleprojekte angekündigt.
„Anstatt zu schrumpfen, ist die Zahl der geplanten neuen Kohlebergbau-, -energie-, -chemie- und -infrastrukturprojekte inzwischen auf 1.510 angestiegen“, kritisierte Urgewald-Experte Pacôme David-Mauduit, dessen Organisation in einer Datenbank („Global Coal Exit List“/GCEL 2026) die Aktivitäten von Kohleunternehmen erfasst. Mehr als 40 Prozent der dort gelisteten Unternehmen entwickelten derzeit neue Kraftwerkskohleprojekte.
„Umfassendste öffentliche Datenbank“
Die Liste ist den Angaben zufolge die umfassendste öffentliche Datenbank zu Unternehmen, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Kraftwerkskohle tätig sind. Die diesjährige GCEL umfasst demnach mehr als 1500 Mutterkonzerne und 1150 Tochtergesellschaften. Derzeit nutzen laut Urgewald 717 Finanzinstitute weltweit die GCEL, um ihre Finanzierung dieses Sektors zu überwachen und einzuschränken.
Ein besonderer Fokus der aktuellen Urgewald-Analyse liegt auf der Türkei, dem Gastgeberland der diesjährigen Weltklimakonferenz (COP31) im November, außerdem auf Australien, das die Klimaverhandlungen leiten wird.
Vor Weltklimakonferenz: Gastgeber Türkei und Australien im Fokus
Während in weiten Teilen Europas Wind- und Solarenergie die Stromerzeugung aus Kohle inzwischen überflügelt hätten, hinke die Türkei hinterher, heißt es. Zusammen machten Solar- und Windenergie im Jahr 2025 dort lediglich 22 Prozent der Stromerzeugung aus. Kohle bleibe mit einem Anteil von 34 Prozent die dominierende Stromerzeugungsquelle des Landes. Der Großteil der in türkischen Kraftwerken verbrannten Kohle stamme aus Russland. Zudem will die Regierung das Kohlekraftwerk Afşin-Elbistan erweitern, obwohl ein Gericht die Umweltverträglichkeitsprüfung dafür kürzlich gekippt hat – das Umweltministerium hat Berufung eingelegt –, und subventioniert die Kohleindustrie jährlich mit umgerechnet über 2,4 Milliarden Euro.
Australien wiederum sei das Land mit der weltweit drittgrößten geplanten Expansion von Kohleminenprojekten. Aktuell seien dort 49 neue Kohleminen oder Erweiterungen solcher Minen geplant. Die starke Minenexpansion stelle die Führungsrolle des Landes bei der Weltklimakonferenz infrage. Australien sei zudem der zweitgrößte Kohleexporteur der Welt.
Die 31. UN-Klimakonferenz findet vom 9. bis 20. November im türkischen Antalya statt. Die Türkei übernimmt als COP31-Präsidentschaft die Ausrichtung der Weltklimakonferenz, während Australien als Verhandlungspräsidentschaft die Verhandlungen führt.
Chinesen und Inder führende Entwickler und Produzenten
Der weltweit größte Entwickler von Kohlekraftwerken ist der Organisation Urgewald zufolge die staatliche chinesische China Energy Investment Group, die den Bau von 44 Gigawatt (GW) an neuer Kohlekraftwerkskapazität plane. Insgesamt planen die 335 erfassten Kraftwerksentwickler 606 Projekte mit über 740 GW – viermal so viel wie die Leistung aller Kohlekraftwerke in den USA. Chinesische Unternehmen seien demnach für 70 Prozent der weltweit geplanten Kohlekraftwerke verantwortlich. An zweiter Stelle stehen demnach indische Unternehmen mit einem Anteil von 18 Prozent. Die restlichen 12 Prozent verteilen sich auf 33 weitere Länder.
Das staatliche indische Bergbauunternehmen Coal India wiederum ist der Umweltorganisation Urgewald zufolge sowohl der weltweit größte Kraftwerkskohleproduzent mit 710 Millionen Tonnen im vergangenen Geschäftsjahr als auch der weltweit größte Entwickler von Minen für Kraftwerkskohle.
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