SNB-Zinsentscheid steht an – wann kommt die Wende?

- Die Schweizerische Nationalbank (SNB) entscheidet am Donnerstag über ihren Leitzins, der aktuell bei 0 Prozent liegt.
- Laut Experte Philipp Burckhardt von Lombard Odier erwartet der Markt Zinserhöhungen erst ab 2027.
- Die SNB dürfte ihre Inflationsprognose nach oben korrigieren. Die Inflation ist zuletzt auf 0,8 Prozent gestiegen.
Im Ausland haben die Notenbanken die Zinswende bereits eingeläutet: Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte ihre Leitzinsen im September um 0,25 Prozentpunkte. Wenige Tage später zog auch die US-Notenbank Fed nach und hob ihren Leitzins ebenfalls um 0,25 Prozentpunkte an.
Damit wächst der Zinsabstand zur Schweiz, wo der Leitzins weiterhin bei 0 Prozent liegt. Gleichzeitig haben steigende Energiepreise den Inflationsdruck erhöht und der Franken hat gegenüber Euro und Dollar an Wert verloren.
Am Donnerstag steht nun der nächste Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an. Bankexperte Philipp Burckhardt bei Lombard Odier Investment Managers, ordnet ein, wie sich die Ausgangslage verändert hat und womit bei der SNB zu rechnen ist.
Zum Experten
Märkte rechnen mit Zinserhöhungen
«Auch in der Schweiz rechnen die Finanzmärkte inzwischen mit ersten Zinserhöhungen der SNB, wenn auch erst ab 2027», sagt Bankeexperte Burckhardt. Dafür spreche unter anderem die Entwicklung der Konjunktur.
«Die Wirtschaft läuft nach einem schwachen Start ins Jahr wieder besser, gleichzeitig steigen die Preise», so Burckhardt. Deshalb hätten die Zentralbanken wieder mehr Spielraum für höhere Zinsen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Energiepreise. «Vor allem die Spannungen im Nahen Osten treiben die Energiepreise nach oben», sagt Burckhardt. Gleichzeitig sei die Wirtschaft robust genug, um höhere Zinsen derzeit verkraften zu können.
Schwächerer Franken hilft der SNB
Auch in der Schweiz hat sich die Ausgangslage verändert. «Das Risiko sinkender Preise ist weiter zurückgegangen», sagt Burckhardt. Gleichzeitig hat der Franken gegenüber Euro und Dollar seit Anfang 2026 an Wert verloren. «Dadurch werden importierte Waren etwas teurer», sagt Burckhardt. Die Inflation sei zuletzt auf 0,8 Prozent gestiegen.
Der schwächere Franken ist dabei ein wichtiger Faktor, denn er verteuert tendenziell Waren aus dem Ausland und kann damit den Preisdruck in der Schweiz erhöhen.
Noch keine Zinserhöhung erwartet
Für den Zinsentscheid am Donnerstag erwartet Burckhardt trotzdem noch keinen Schritt nach oben. «Wir erwarten, dass die SNB die Zinsen im September noch nicht anhebt», heisst es.
Wichtiger könnte deshalb werden, wie die Nationalbank die weitere Entwicklung der Preise einschätzt. «Die SNB dürfte ihre Inflationsprognose nach oben korrigieren und damit eine spätere Zinserhöhung andeuten», sagt Burckhardt. Ganz ausgeschlossen ist eine Überraschung für ihn allerdings nicht. «Eine Zinserhöhung bereits im September halten wir aber für eher unwahrscheinlich.»
Hypothekarzins könnte trotzdem steigen
Wer eine Hypothek hat oder eine abschliessen will, spürt die veränderten Erwartungen teilweise bereits. «Zinserhöhungen sind bei den Hypotheken bereits eingepreist», sagt Burckhardt. Sollte die SNB am Donnerstag doch überraschen, könnte es nochmals Bewegung geben. «Die Hypothekarzinsen könnten kurzfristig noch etwas steigen, falls die SNB überrascht.»
Sparer könnten profitieren
Auswirkungen hätte eine Zinswende auch auf den Franken. «Der Franken dürfte sich dadurch stabilisieren», sagt Burckhardt. Für Sparer könnte die Entwicklung ebenfalls interessant werden. «Sparkonten könnten bald wieder höhere Zinsen abwerfen.»
Sorgen um die Schweizer Wirtschaft macht sich der Experte deswegen nicht. «Das Wachstum ist solide und die Inflation im internationalen Vergleich tief.» Auch weitere Zinserhöhungen wären aus seiner Sicht verkraftbar. Sie würden, so Burckhardt, «aus einer Position der Stärke erfolgen».
Auf die Mieten hätte dies laut Burckhardt vorerst keinen direkten Einfluss. Höhere Zinserwartungen könnten allerdings die starke Nachfrage etwas bremsen.
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Martine Anastasiou (man), Jahrgang 2001, arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Wirtschaft.
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