Dackel: Vom Jagdhund über die "Sofarolle" zum Alter Ego
Unter den zahlreichen Hunderassen genießt der Dackel absoluten Kultstatus. Mit „Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi“ gibt es in Bremen nun zum ersten Mal eine Ausstellung.
30.10.2026 | 1:26 minWie kaum ein anderer Hund hat es der Dackel geschafft, vom Jagdbegleiter zu einer Muse und Ikone der modernen Kunstgeschichte aufzusteigen. Seine Geschichte zeigt die Bremer Kunsthalle jetzt in einer Ausstellung. Für Kuratorin Annett Reckert beruht die Faszination, die dieser kleine Hund ausübt, zum einen visuell "aus der Perspektive der Kunst auf der radikalen Form", zum anderen auf "seinem speziellen Charakter":
Der Mut, sein Eigensinn, seine Sturheit und seine Anpassungsfähigkeit begeistern.
Annett Reckert, Kuratorin, Kunsthalle Bremen
Schon im Mittelalter wurden kleine "Erdhunde" für die Jagd unter der Erde genutzt. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden dann Hunde gezielt für die Jagd in Dachs-, Fuchs- und Kaninchenbauten gezüchtet: "Dachs-Hunde", kurz Dackel oder Teckel.
127 Dackel gehen in München an den Start – doch nicht alle wollen rennen. Während die Halter mitfiebern, macht auf der 40-Meter-Strecke jeder Hund sein eigenes Ding.
19.10.2026 | 2:32 minVom Jagdhund zum persönlichen Begleiter
Ein Jagdhund ist er noch immer, doch längst hat der Dackel seine zweite Karriere als Begleit- und Gesellschaftshund begonnen: Seine Größe machte ihn anpassungsfähig, dazu schätzen viele Halter seinen eigenen Kopf. Kaiser Wilhelm II. war ein Dackelfan, ebenso wie Queen Victoria, deren "Waldmann" in der Bremer Kunsthalle als Zeichnung zu sehen ist. "Dann ist der Dackel eingezogen in bürgerliche, biedermeierliche Wohnzimmer", erklärt Kuratorin Reckert:
Er ist der Dackel mit Pickelhaube geworden im Ersten Weltkrieg - wackelte als nickender Wackeldackel auf der Hutablage und wurde 1972 zu "Olympia-Waldi" und damit international.
Annett Reckert, Kuratorin, Bremer Kunsthalle
Dackelliebe unter Künstlern
Auch unter Künstlern war der Hund beliebt: Pablo Picasso, Andy Warhol, David Hockney, sie alle waren große Dackelfans. Das Porträt des Dackels "Lump" auf einem Porzellanteller 1957 ist eines von Picassos ikonischen Werken.
Von großer Kunst bis Kitsch: Dackel in der gleichnamigen Ausstellung in Bremen.
Quelle: dpa / Sina Schuldt/dpaFür den König der Pop-Art war sein Dackel "Archie" ab 1973 ständiger Begleiter und Pop-Art-Motiv für Siebdrucke, Fotografien und Zeichnungen. "Archie war Andy Warhols Alter Ego", sagt Kuratorin Reckert. "Es gibt Bilder, da sieht man, wie er seinen "Archie" trägt, fast so wie einen Telefonhörer. Er soll zu ihm auch gesagt haben, und das sieht man auf Videos: 'Talk, Archie Talk'."
David Hockney widmete seinen beiden Dackeln "Stanley" und "Boodgie" in den 1990er-Jahren eine ganze Serie von Gemälden: beide Hunde in alltäglichen und friedlichen Momenten, schlafend, zusammengerollt.
Er ist ihnen hinterhergeschlichen mit Pinsel und Bleistift und hat sie über zwei Jahre lang obsessiv porträtiert.
Annett Reckert, Kuratorin, über David Hockney und dessen Dackel
Hockney habe sich auch gefragt, ob sie eigentlich "so eine Art Bewusstsein dafür haben, dass sie wirklich Hollywood-Dogs sind", berichtet Reckert.
Maler David Hockney liebte seine Dackel und porträtierte sie.
Quelle: ZDFBodenständig und nie aus der Mode
Doch ein reiner Schoßhund war der Dackel nie. Sein Jagdtrieb, seine Wachsamkeit und sein Eigensinn zeichnen die Rasse auch heute noch aus. Und begründen wohl auch, warum er einfach nicht aus der Mode kommt.
Für Kunsthistorikerin Reckert ist es die prägnante Körperform, kombiniert mit seinem besonderen Charakter zwischen Hartnäckigkeit und Müßiggang, die die Menschen am Dackel schätzen. "Man kann ihn zur Sofarolle, Zugluftwurst, zum Tassenmotiv oder Pyjamamotiv machen - es ist die Prägnanz der Form, die ihn so weit trägt", sagt Reckert.
Bei Ernst-Wilhelm und Frederike leben die verschiedensten Wildtiere zu Hause. Auch Hirschkalb Archie findet dort eine neue Familie – besonders Dackeldame Nala hat ihn ins Herz geschlossen.
17.06.2026 | 1:30 minTreuer Hundeblick
Der Rassedackel zeigt sich in vielen Farbschlägen und neun verschiedenen Varianten: Rauhaar, Glatt- oder Langhaar, als Standard-, Zwerg- oder Kaninchendackel. Gemeinsam ist ihnen allen: Der ganz besondere Blick.
Der Dackelblick ist wirklich einmalig, eine Mischung aus Napoleon-Blick, sehr würdevoll, aber auch sehr witzig, charmant und einmalig.
Emily Sidka, Dackelbesitzerin
An zwei Tagen in der Woche sind lebendige Dackel in der Ausstellung willkommen, am "Dackel-Donnerstag" und "Sausage-Dog-Saturday". In einigen Räumen sind dafür Kunstwerke in Dackelhöhe und tiefe Bildschirme angebracht, es gibt Geruchsbilder und tiefgehängte Pfotenkunst. Und einen extra Dackelausguck nach draußen - mit der Idee, dass ihn das vielleicht doch mehr interessiert als die Kunst.
Die Ausstellung "Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi" ist bis zum 28. März 2027 in der Bremer Kunsthalle zu sehen. Donnerstags und samstags sind Dackel und andere kleine Hunde in einigen Ausstellungsräumen willkommen.
Über dieses Thema berichtete das ZDF am 30.10.2026 in der heute-Sendung ab 19 Uhr sowie 3sat in der Kulturzeit ab 19:20 Uhr.
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