Hype ums Hähnchen: Wer profitiert und wer die Folgen trägt
TikTok-Videos und Influencer treiben den Hype der Hähnchen-Imbisse – Kunden stehen teilweise stundenlang Schlange.
17.10.2026 | 1:10 minAn einem Kölner Imbiss stehen Leute stundenlang für halbe Hähnchen an, weil sie dazu virale TikTok-Videos gesehen haben. Und auch generell boomen Hähnchen-Restaurants: Nach Angaben von Uber Eats hat sich ihre Zahl im Angebot der Lieferplattform innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, vor allem Korean Fried Chicken sei im Kommen.
Große Player versuchen ebenso mitzumischen: KFC will expandieren, McDonald's Deutschland launcht neue Hähnchen-Produkte.
Fast Food verspricht schnelle Sättigung, gleichbleibenden Geschmack und günstige Preise. Burger King, McDonald’s, Nordsee oder KFC nutzen dafür ein ausgeklügeltes System.
17.03.2026 | 43:16 minGeflügel-Konsum in Deutschland steigt
Laut Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL) wird heute über 60 Prozent mehr Hähnchenfleisch gegessen als 2010. Ist der Hype um die Chicken-Imbisse ein Grund dafür? Schwer zu sagen, meint der Deutsche Hotellerie- und Gastronomieverband (Dehoga), aber: "Die Gastronomie greift die wachsende Nachfrage auf - und setzt mit neuen Angeboten selbst zusätzliche Impulse", sagt Dehoga-Sprecherin Stefanie Heckel.
Agrarexperte Achim Spiller von der Universität Göttingen ergänzt: "Social Media kann durchaus das Essverhalten beeinflussen, aber dieser Hype nutzt eher die Gunst der Stunde und baut auf den darunterliegenden Trend zu mehr Geflügelkonsum auf, der viel langfristiger ist."
Laut Prognosen des wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik der Bundesregierung dürften die Menschen Ende der 2030er-, Anfang der 2040er-Jahre mengenmäßig sogar mehr Geflügel als Schwein essen, so Spiller weiter.
Schwein lag mengenmäßig beim Konsum in den vergangenen Jahrzehnten stets auf dem ersten Platz. Das war auch 2025 mit rund 28,3 Kilogramm pro Kopf und Jahr noch der Fall. Doch 2010 betrug der jährliche Pro-Kopf-Konsum noch 39 Kilogramm.
Der Geflügelkonsum ist dagegen stark angestiegen. 2025 lag er bei rund 14,7 Kilogramm pro Kopf und Jahr. 2010 waren es noch 11,5 Kilogramm. Am steilsten geht die Kurve speziell bei Hähnchen bergauf: Von 7,1 Kilogramm im Jahr 2010 auf 11,4 Kilogramm in 2025.
Quelle: Bundeszentrum für Landwirtschaft (BZL)
Die Gründe für den steigenden Konsum von Geflügel: Es habe ein besseres Gesundheitsimage als rotes Fleisch und zahle auf den Protein- und Fitnesstrend ein, erklärt Spiller. Zusätzlich ist Geflügel, anders als Schwein, mit vielen Religionen kompatibel. Somit haben Hähnchen-Imbisse potenziell eine große Kunden-Basis.
Die Deutschen haben schon jetzt die Fleischmenge konsumiert, die für das ganze Jahr empfohlen wird. Mit dem "Meat Exhaustion Day" soll auf negative Folgen aufmerksam gemacht werden.
21.04.2026 | 0:53 minWarum Geflügel für Gastronomie und Höfe attraktiv ist
Als weiteren Faktor nennt Dehoga-Sprecherin Heckel den Preis: "Geflügel hat sich weniger verteuert als anderes Fleisch." Attraktiv für Verbraucher, aber auch für die Gastrobetriebe, die so ihre Einkaufskosten besser im Griff behalten können. Laut Spiller ist Geflügel unter anderem deshalb weiter recht günstig, weil Masthähnchen für die gleiche Gewichtszunahme viel weniger teures Futter brauchen als andere Tiere.
Der Trend verändert auch die Viehwirtschaft: Wurden hierzulande 2015 pro Jahr noch knapp 55 Millionen Schweine aus heimischen Betrieben geschlachtet, waren es 2025 rund 44 Millionen. 40 Prozent der schweinehaltenden Betriebe sind innerhalb der letzten zehn Jahre verschwunden. Übrig bleiben große Höfe, die Effizienzvorteile haben.
Andere orientieren sich um: Landwirt Thomas Otto etwa hat lange Schweine gehalten, doch jetzt will er zwei seiner Ställe auf Hähnchenmast umrüsten. "Das gibt auskömmlichere Preise", sagt er.
Energiekrise, steigende Kosten, Bürokratie - Landwirte kämpfen mit verschiedenen Herausforderungen. Beim Deutschen Bauerntag berieten sie über die Lage der Branche.
25.06.2026 | 2:34 minKonzerne dominieren Geflügelmarkt
Den Markt für Geflügel kontrollieren Player wie Wiesenhof. "Viele Höfe werden für diese Konzerne dann zu Lohnmastbetrieben, bekommen gesagt, was sie füttern sollen und wie der Stall aussehen und gemanagt werden soll, quasi wie ein Franchisesystem", sagt Agrarexperte Spiller. Ein Unterschied zur oft individuell geführten Schweinemast. "Für die Höfe bedeutet das weniger Freiheiten, aber auch weniger eigenes Risiko."
Thomas Otto sieht darin die Chance, seinen Hof auch künftig wirtschaftlich zu betreiben. Sein Vorteil: "Ich muss dazu nur einen Stallumbau zahlen und genehmigen lassen, keinen Neubau."
Union und SPD haben das gesetzlich verpflichtende Tierwohl-Label erneut verschoben. Woran das liegt, berichtet ZDF-Hauptstadtreporter Johannes Lieber.
15.01.2026 | 0:53 minHeimische Produktion deckt Nachfrage nicht
Wo noch kein Stall steht, stoßen Neubauten wegen Nitrat- und Geruchsbelastung nämlich oft auf Anwohnerprotest und behördliche Hürden. Deshalb könne man den Nachfrageboom nicht bedienen, sagt die deutsche Geflügelwirtschaft. Also werde mehr importiert, etwa aus Polen, das seine Lieferungen seit 2015 verdreifacht habe.
"Während hier der Trend zu Haltungsstufen mit mehr Platz und Beschäftigungsmaterial geht, wird in Polen und anderen Nachbarländern oft noch sehr konventionell gemästet", sagt Veterinärmedizinerin Helen Louton von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Importgeflügel lande dann vor allem in verarbeiteten Produkten und Gastrobetrieben wie den trendigen Chicken-Imbissen, wo die Herkunft kaum nachvollziehbar sei.
"Letztlich müssen die Konsumenten da aufgeklärt werden", meint Louton. "Und selbst entscheiden: Wo kaufe ich mein Fleisch und soll es Masse oder eher Klasse sein?" Gut möglich nämlich, dass im gehypten Imbiss-Hähnchen wenig Tierwohl steckt.
Karen Grass ist Redakteurin beim ZDF-Wirtschaftsmagazin WISO.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.