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Wednesday, October 7, 2026

Wehrdienst in der russischen Armee: Energydrinks gegen die Einberufung

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In Russland müssen auch offensichtlich untaugliche Männer Wehrdienst leisten. Dann werden sie im Angriffskrieg in der Ukraine verheizt.

Tigran Petrosyan

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DOXA öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den ganzen Beitrag finden Sie hier auf Russisch.

Auch Russen, die ihren Grundwehrdienst leisten, sind am Krieg gegen die Ukraine beteiligt. Mittlerweile gibt das russische Verteidigungsministerium zu, dass Wehrpflichtige sogar in ukrainische Gefangenschaft geraten sind. DOXA hat mit Männern gesprochen, die 2025 und 2026 ihren Wehrdienst abgeleistet haben, und mit Wehrpflichtigen, die derzeit dienen. Was sie berichten, ist erschreckend.

So wie Wlad. Er ist Student an einer Hochschule in einer russischen Region. Nach der Winterprüfungsphase im Jahr 2025 wurde er exmatrikuliert und erhielt bereits im Frühjahr einen Einberufungsbescheid. Er suchte nach Möglichkeiten, dem Wehrdienst zu entgehen, und beschloss, Bluthochdruck vorzutäuschen. Das ist für den Militärdienst ein Ausschlusskriterium.

Seit 2024 gilt die Wehrpflicht für Männer im Alter von 18 bis 30 Jahren, der Grundwehrdienst dauert zwölf Monate. In den Tagen vor der ärztlichen Untersuchung trank Wlad jeden Morgen vier Tassen schwarzen Kaffee und mehrere Dosen Energydrinks, dazu trainierte er intensiv. Bei der Blutdruckmessung stemmte er die Füße zudem fest gegen den Boden, damit das Messgerät höhere Werte anzeigte.

Die Ärzte wurden misstrauisch und legten ihm zur Überprüfung seines Gesundheitszustands ein Gerät zur 24-Stunden-Blutdruckmessung an. Die ganze Nacht lang machte er Kniebeugen und Liegestütze und trank Energydrinks.

Fast alle werden für wehrdiensttauglich erklärt

„Als ich beim nächsten Termin das Untersuchungszimmer betrat, sah ich eine ganze Menge Jungs in Unterhosen“, sagt Wlad gegenüber DOXA. „Der eine hatte einen Rücken wie ein Fragezeichen, der nächste gefühlt minus 100 Dioptrien, ein Dritter war fettleibig, und alle wurden für wehrdiensttauglich erklärt! Da wurde mir klar, dass es bei meinem Gesundheitszustand keinen Sinn hatte, überhaupt noch zu versuchen, mich vor dem Wehrdienst zu drücken.“ Einige Wochen später war Wlad bereits in einem Verteilungszentrum.

Viele der Wehrpflichtigen, mit denen DOXA gesprochen hat, berichten, dass Soldaten zu Arbeiten gezwungen werden, die sie als „würdelos“ betrachten. So wurde etwa einer der Gesprächspartner dazu abkommandiert, eine Grube für Fäkalien auszuheben. In der russischen Armee gibt es dafür eine eigene Sprache. Als „Elefanten“ werden pauschal alle Rekruten bezeichnet: Sie seien schwerfällig und würden gedankenlos jegliche Befehle ausführen.

Kirill aus Krasnojarsk kam im Frühjahr 2025 zu seiner Einheit im Fernen Osten. Ihm zufolge standen für fast 200 Soldaten lediglich zwei türlose Duschen zur Verfügung, aus denen nur eiskaltes Wasser kam. Zum Duschen blieben jedem etwa 30 Sekunden, da sich dahinter bereits eine Schlange bildete. Nach einigen Wochen lag ein Drittel der Kompanie mit Lungenentzündung oder Bronchitis im Bett.

Für Wlad war die Unterwäsche ein Problem: „Private Unterhosen sind verboten. Bei einer Durchsuchung werden sie einem abgenommen. Die vom Militär ausgegebene Unterwäsche wird von der gesamten Kompanie gemeinsam in die Wäsche gegeben.“ Nach dem Waschen werde sie nach dem Zufallsprinzip verteilt. Wlad: „Man kann also die Unterhose eines anderen bekommen, und die kann auch noch zerrissen sein. Deshalb habe ich zwei Paar für mich beiseitegelegt und sie das ganze Jahr über selbst gewaschen.“

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