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Monday, September 21, 2026

CDU-Chef übersteht "Tag danach": Merz macht neue Front auf, bekommt Gratis-Lektion und Söder-Tipps

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CDU-Chef übersteht "Tag danach"Merz macht neue Front auf, bekommt Gratis-Lektion und Söder-Tipps

21.09.2026, 18:34 Uhr imageVon Volker Petersen

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Eine Personaldebatte habe es in den Sitzungen von Vorstand und Präsidium der CDU nicht gegeben, sagte Merz. (Foto: picture alliance / Ipon)

Nach dem Wahltag beginnt das Scherbenaufsammeln für die CDU. Kanzler und Parteichef Merz tritt wie schon am Wahlabend vor Journalisten und lässt diesmal Fragen zu. In einem Punkt stiftet er Verwirrung.

Die Pressekonferenz im Konrad-Adenauer-Haus ist schon fast zu Ende, aber Zeit für eine Frage ist noch. Eine Journalistin fragt den Bundeskanzler, wo er in der Gesellschaft ein konkretes Problem der Gerechtigkeit sehe. Und was das für die Rente nach 45 Beitragsjahren bedeute.

Und dann lässt der Friedrich Merz eine kleine Bombe platzen: Ihm sei berichtet worden, dass die Rente in den Wahlkämpfen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gar nicht so eine große Rolle gespielt habe. Sondern eher die ärztliche Versorgung.

Und er fährt fort: Das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung löse ein "erhebliches Problem im Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung" aus. "Es gibt gute Gründe für beide Systeme, aber wenn die Bevölkerung das als ein so massives Problem ansieht, und ich teile die Einschätzung, dann müssen wir da etwas ändern."

Kurz darauf verabschiedet sich der Kanzler und lässt einen Haufen Fragezeichen zurück. Hat der Kanzler gerade eine Abschaffung der privaten Krankenversicherung in Aussicht gestellt? Und damit der alten SPD-Forderung nach einer Bürgerversicherung nachgegeben? Und ist das womöglich der Preis dafür, die Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen? Solche Fragen stellen sich plötzlich, aus heiterem Himmel.

Doch mittlerweile hat eine Regierungssprecherin das dementiert. "Der Bundeskanzler hat das System der Krankenversicherung nicht in Frage gestellt", hieß es gegenüber ntv. Merz habe lediglich auf ein Gefühl der Ungerechtigkeit hingewiesen.

Dann fährt er einen jungen Mann an

Am Ende könnte man sagen: Viel Lärm um (fast) nichts. Aber die Episode zeigt, was gemeint ist, wenn man Merz kommunikative Schwächen vorwirft. Mit seinen Äußerungen hat er Verwirrung gestiftet und Pferde scheu gemacht. Und die Botschaften, die er eigentlich setzen wollte, überdeckt.

Die glichen denen seines Auftritts am Sonntagabend. Anders als üblich war der Bundeskanzler schon am Wahlabend vor Journalisten getreten. Dort sagte er, er wolle Parteichef und Bundeskanzler bleiben und den Reformkurs auf jeden Fall fortsetzen. Dabei bleibt er erwartungsgemäß auch heute Mittag.

Zuvor hatte er sich in den Gremiensitzungen seiner Partei Präsidium und Vorstand gestellt - nachdem er am Sonntag bereits mit den Ministerpräsidenten gesprochen hatte. Merz sagt, niemand habe eine Personaldiskussion begonnen. Insgesamt wirkt Merz sehr ernst. Einmal fährt er einen jungen Mann an, der in den Reihen der Journalisten noch einen Sitzplatz sucht. Er solle sich hinsetzen oder an die Seite stellen.

"Sehr kurzfristig" werde er sich noch einmal mit den Ministerpräsidenten treffen", kündigt Merz an. "Wir wollen auch den Reformprozess selbst voranbringen, aber wir wissen, dass wir den Menschen auch Antworten auf ihre Sorgen, auf ihre Ängste schuldig sind." Auch die CDU habe auf zu viele Fragen keine zufriedenstellenden Antworten mehr. "Und das werden wir, und das müssen wir ändern", sagt Merz.

Neben Merz steht der Berliner Spitzenkandidat Stefan Evers, aber nicht Daniel Peters, der CDU-Chef aus Mecklenburg-Vorpommern. Der treffe sich mit der Landtagsfraktion, die jetzt aufgelöst werde, sagt Merz. Aufgelöst wird sie, weil die CDU erstmals überhaupt aus einem Landtag geflogen ist. Dabei ist der Termin mit dem Parteichef in Berlin ein festes Ritual nach Landtagswahlen.

Lektion von Evers

Evers gibt derweil eine überaus interessante Antwort auf eine einfache Frage. Ob er glaube, die Landesvorsitzenden der CDU stünden noch hinter Merz. Evers ist selbst einer von ihnen. Was folgt, wirkt wie eine Gratis-Lektion in Sachen Kommunikation.

Bei der "Akzeptanz von Bundespolitik" komme es auf Nähe und Nahbarkeit an, doziert Evers. "Reform ist ein Begriff, der viele Menschen eher besorgt, ihnen eher Angst einjagt", fährt er fort. Man müsse deutlich machen, für wen Reformen gemacht würden, "was jeder einzelne davon hat". Das unterstützten "wir alle", so der Berliner CDU-Chef. Fehlte nur noch, dass Merz sich Notizen machte. Was er nicht tat.

Denn der ist eindeutig der Adressat dieses Kurzreferats. Merz sei abgehoben, rede über Reformen als Selbstzweck, so die Kritik. Zuletzt betonte er aber stärker, warum er diese unbedingt will. Es gehe darum, auch der jungen Generation denselben Wohlstand zu ermöglichen wie den Generationen zuvor.

Die Nahbarkeit, die Nähe, die Evers erwähnte, war auch weit weg ein wichtiges Thema. Knapp 400 Kilometer entfernt von Berlin trat fast zeitgleich CSU-Chef Markus Söder vor die Kameras. Einer der lange selbst Bundeskanzler werden wollte. Aber er hält sich zurück, warnt vor einer Personaldebatte. Die CDU dürfe jetzt "nicht zum Hühnerhaufen werden", mahnt er.

Dann ist da noch Schwesig

Dann kommt er zur Nähe. Bei allen Reformprozessen dürfe die Nähe zum Volk nicht verloren gehen. "Die neue Nähe zum Volk, die neue Nähe herstellen zur Bevölkerung, wird die Kernaufgabe sein neben der fachlichen Notwendigkeit von Reformen in den nächsten Wochen zu erreichen", sagt Söder. Hat er sich mit Evers abgesprochen?

So oder so hat Merz den "Tag danach" erstmal überstanden. Doch der "Tag danach" ist eigentlich die "Woche danach". Am Dienstag stellt sich Merz der Fraktion von CDU und CSU im Bundestag. Die Abgeordneten dürften viele Fragen haben, um es vorsichtig zu formulieren. Und wenn er das überstanden haben sollte, ist da ja auch noch die SPD. Deren neue tonangebende Frau Manuela Schwesig sagte im Willy-Brandt-Haus einen ziemlich eindeutigen Satz, der der Kanzlerbotschaft widersprach: "Ein Weiter so kann es nicht geben." Auf den Kanzler wartet jedenfalls noch einiges an Arbeit.

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