„Antivirus Survivors 2003 Professional“: Bester Bluescreen aller Zeiten
Wer sich an hochauflösende Röhrenmonitore erinnert, der bekommt hier einen Flashback: Bei „Antivirus Survivors 2003 Professional“ ist schon der spröde Bandwurmtitel ein Witz. Das Spiel ahmt die Optik der Jahrtausendwende liebevoll nach. Anfangs zoomt die Kamera an einen virtuellen, beigefarbenen Bildschirm heran, dann klebt man dicht am Pixelraster. Und dann fühlt man sich ganz schnell unbehaglich. Alles war damals umständlicher. Warum bewegt man eigentlich den Mauszeiger mit dem Joystick?
Wie einst „Vampire Survivors“
Die Präsentation ist eine Art Taschenspielertrick. Das Schlüsselwort „Survivors“ deutet darauf hin, dass man hier wie in „Vampire Survivors“ eine automatisch kämpfende Spielfigur mit dem Joystick bewegt. Oder mit einer Tastatur. Aber eben nicht mit der Maus, das wäre zu einfach.
(8 Bilder)
Screenshot Heise Medien
)Die Spielidee liegt näher an „Diablo“ als an Windows. In „Antivirus Survivors 2003 Professional“ macht sich ein unerschrockener Mauszeiger auf die Reise durch große, automatisch scrollende Fenster. Hässliche Grafikartefakte liegen wie Dorngestrüpp herum. Auch die heranrückenden Icons und Symbole machen Schaden, wenn sie den Zeiger berühren. Dafür hat der Mauszeiger ein wachsendes Waffenarsenal, mit dem er automatisch gegen die feindlichen Elemente kämpft. Beim Spielen steuert man vor allem das Ausweichen. Außerdem sucht man Dateien im Level, die man anklickt, als wären es Schatztruhen.
Anfangs albern
Wer die Idee nur einmal sehen und darüber lachen will, kann das gratis tun. Eine Demo für „Antivirus Survivors 2003 Professional“ ist immer noch auf Steam erhältlich. Darin kann man die wunderbar doofe Idee ausprobieren und kurz kichern. Von Weitem sieht das Spiel nicht nach Arbeit aus, aber doch so, als würde jemand planlos in einem alten Windows-Fenster herumfahren.
Das volle Spiel hat dagegen sehr viel mehr zu bieten. Es hält sich an die Erwartungen, die bereits viele Titel im Survivors-Genre bedienen. Jede Partie eskaliert: In fünf Runden geht es je fünf Minuten lang durch den Level. Schnell muss der Mauszeiger Gegner besiegen und Dateien anklicken, um Erfahrung zu sammeln und stärker zu werden. Mit jedem Levelaufstieg des Spielers stehen drei Upgrades zur Wahl.
Besser als Windows XP
In den ersten Runden sieht das Spiel wirklich läppisch aus. Dass alle Effekte oder Animationen sehr nach Windows XP aussehen, gehört zur Idee. Wurde der Mauszeiger dann die ersten ein, zwei Male von Ausrufezeichen, flammenden CDs und rot-weißen Fehler-Symbolen verprügelt, unterschätzt man es vielleicht noch. Doch „AVS03“ hat eigene Ideen.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externes YouTube-Video (Google Ireland Limited) geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen (Google Ireland Limited) übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Was direkt auffällt: Die Bewegung durch den Level und das Aufsammeln bestimmter Dateien machen das Spiel aktiver. In jeder Partie fädelt man irgendwann den Zeiger durch feindliche Symbole, um schnell noch den Klick auf die DLL-Datei abzusetzen und den Levelbonus zu kassieren. Man sammelt zuerst Schlüssel ein, damit man später Installer anklicken kann, die mächtige Boni bieten. Man klickt auf eine Zip-Datei, muss um einen störenden Ladebalken herum navigieren und bekommt am Ende vielleicht doch nur Pop-up-Fenster voller Fake-Spam angezeigt.
Eskalation auf allen Ebenen
Zumindest für die ersten zehn Stunden wird „Antivirus Survivors“ mit dem Spielen immer besser. Denn immer mehr Möglichkeiten schalten sich frei. Im Lauf der Partien verdient man nicht nur Erfahrungspunkte, sondern auch „Beanz“, mit denen man dann neue Waffen, aber auch Spielelemente dazukaufen kann. Einen zusätzlichen Nitro-Boost für den Mauszeiger, Investitionsmöglichkeiten für gesammelte Münzen, neue Kampfzonen, in denen sich der Zeiger aufhalten kann. Das Spiel ist vielleicht nicht ganz so vielseitig wie Windows XP, aber es ist sehr viel mehr als nur ein Survivors-Klon.
Es behält allerdings auch einen gewissen Troll-Humor. Einige Waffen, die man für viel Geld freischaltet, sind richtig schlecht. Wie wäre etwa ein kleiner Pseudo-MSN-Messenger, der sich gelegentlich träge um den Mauszeiger dreht? Auf jeden Fall nicht so gut wie die Möglichkeit, Gegner mit hopsenden Solitär-Kartenstapeln zu beschießen.
Fazit: Bester Bluescreen aller Zeiten
Hat man einige Upgrades gesammelt und spielt in einem der schneller eskalierenden Spielmodi, dann sieht „Antivirus Survivors 2003 Professional“ aus wie ein beständiges Nonsens-Feuerwerk. Zahllose Windows-UI-Elemente wirbeln und kriechen über den Bildschirm. Man muss sich konzentrieren, um die eigenen Seifenblasen, WLAN-Symbole und Flipperkugeln von den gegnerischen Papierkörben und Laderädern zu unterscheiden. Aber diesen Quatsch zu beherrschen, macht richtig Spaß.
„Antivirus Survivors 2003 Professional“ ist seit dem 28.09.2026 für Windows, Linux und macOS auf Steam erhältlich. Es kostet 6,15 Euro.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.