Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt: Ins Blaue hinein

NS-Gedenkstätten sorgen sich vor einer AfD-Regierung. Sie fürchten, dass ihnen die Mittel gekürzt werden. Ein Besuch in der ehemaligen Tötungsanstalt Bernburg.
A uf der linken Seite des langen, schmalen Flurs öffnen sich die Räume, die als Mordstätte gedient haben. Auf der rechten Seite an der Wand hängen Erklärungen über das, was die Nazis hier in der Tötungsanstalt Bernburg, rund 40 Kilometer südlich von Magdeburg, getan haben.
Judith Gebauer führt durch den Keller der heutigen Gedenkstätte Gedenkstätte für Opfer der NS-„Euthanasie“ Bernburg. Sie zeigt ein gefliestes Zimmer: die Gaskammer. Durch ein in die Wand eingelassenes Fensterchen konnten die Mörder beobachten, ob die Tötung mithilfe von Kohlenmonoxid planmäßig vonstatten ging. Dahinter: der Sektionsraum, in dem Ärzte Gehirne der kurz zuvor Ermordeten entnahmen. Es folgt das Zimmer, in dem zwei Brennöfen standen, in denen die Leichen eingeäschert wurden. Ob jemand ermordet wurde, entschieden die Nazis nach einer „Bewertung von Menschen nach ihrer Wirtschaftlichkeit“, sagt Gebauer.
Margot Jungmanns Haftnummer lautete 2681. Unter diesen Ziffern war sie vom 26. Januar 1940 an zunächst im brandenburgischen KZ Ravensbrück bei Fürstenberg/Havel inhaftiert. Auf einer Liste mit Neuankömmlingen sind bei Jungmanns die Haftkategorien „Jüdin“ und „Rassenschande“ angegeben, also die Beziehung zu einem „arischen“ Mann.
Ihr 10-jähriger Sohn Manfred lebte im Waisenhaus, bis er im Oktober 1942 deportiert und ermordet wurde. Irgendwann zwischen Februar und April desselben Jahres kam Margot Jungmann, geborene Lohmann, aus dem KZ Ravensbrück in die Heil- und Pflegeanstalt Bernburg in Anhalt. Das Codewort lautete „14f13“. Das „f“ stand für Todesfälle und die „13“ für die Todesart: Vergasung.
So starb Margot Jungmann, ihr Körper wurde verbrannt. Sie wurde 29 Jahre alt. Sie war eine von etwa 4.000 bis 5.000 KZ-Insassen, die in Bernburg getötet wurden – neben knapp 10.000 Behinderten, die die Nazis für „unbrauchbar“ erachteten.
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NS-Gedenkstätten wie diese finden im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt keine Erwähnung. Aber es gibt da zum Beispiel diesen Satz: „Wir werden durch Bezugnahme auf die guten Seiten der deutschen Geschichte eine unverkrampfte und auf gesunde Weise selbstbewusste deutsche Identität fördern.“ Die Partei wendet sich auch gegen eine „künstliche Aufrechterhaltung eines Schuldgefühls“. Im Wahlkreis Bernburg erhielt die AfD am 6. September 50,2 Prozent der Zweitstimmen.
Die gesellschaftliche Rolle rückwärts bemerke sie schon, sagt die 41-jährige Gebauer, aber weniger in der Gedenkstätte selbst. Zwischenfälle bei Führungen etwa, habe es bisher kaum gegeben. Wahrscheinlich weil Bernburg nicht so bekannt sei wie etwa das KZ Buchenwald, das Neonazis ebenso wie linken Israel-Hassern als Bühne für ihre Inszenierungen dient. Nach Bernburg kämen vor allem Schulklassen ab dem 9. Jahrgang und angehende Pflegekräfte. Sie sagt auch: „Wer mit gefestigtem rechtem Weltbild hierher kommt, wird seine Vorstellungen nicht ändern, nur weil er oder sie eine Gedenkstätte besucht hat.“
Die Partei hat, sollte sie regieren, angekündigt, Etats zu streichen und Förderungen zu kürzen. Auch die Lehrpläne in den Schulen sollen verändert werden, Schulfahrten zu Gedenkstätten gestrichen. „Wir warten jetzt alle ab“, sagt Judith Gebauer. Es sei einfach alles unklar. Sie sagt das alles andere als verdruckst, ohne Angst und mit Wille zum Widerstand. Sie hätten sich mit anderen Gedenkstätten vernetzt. Es gebe ein Bündnis für Demokratie. Klar sei Bernburg eine eher konservative Stadt, aber es gebe hier engagierte Menschen, betont Gebauer. „Die Demonstrationen für Vielfalt seien hier vielleicht ein bisschen kleiner als anderswo. Aber auf das gesamte Bundesland bezogen sagt sie: „Es gibt eine Mehrheit, die anders gewählt hat.“
Die Mappe, die Gebauer für den Besucher zusammengestellt hat, enthält Informationen über die Morde, aber auch Postkarten mit Aufschriften wie „Gestern Verfolgung – Heute Vielfalt“ oder „Gestern weggesperrt – heute Meinungsfreiheit“. Material wie dieses hat die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt aus Magdeburg herstellen lassen. Unter ihrem Dach arbeiten sieben solche Einrichtungen, die nicht nur, aber doch zumeist an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnern. Auch Bernburg ist dabei.
Kai Langer, Direktor der Stiftung, betrachtet die Lage betont nüchtern. „Das Wissen um die Verbrechen der Nationalsozialisten und die Menschenrechtsverletzung unter sowjetischer Besatzung und in der DDR weiter zu geben, ist unser jetziger Stiftungszweck. Mit veränderten Mehrheitsverhältnissen im Landtag könnte man diesen natürlich ändern“, erklärt er. So wäre es durchaus möglich, die Stiftung mit dem Erhalt sogenannter Kriegerdenkmäler zu beauftragen oder die Opfer alliierter Bombardierungen zu berücksichtigen. Darin sieht Langer allerdings einen Beitrag zur Entkernung ihrer Bildungsarbeit, es würde „geschichtsrevisionistische Narrative verbreiten“, sagt der Stiftungsdirektor am Telefon.
Im Fall einer AfD-Regierung wäre alles möglich, sogar eine Auflösung seiner Organisation. Der Stiftungsrat habe auch die Möglichkeit, personelle Veränderungen vorzunehmen, so Langer. Die Leitungen erhalten unbefristete Arbeitsverträge. Der Direktor wird für fünf Jahre gewählt. „Als solcher bin ich Angestellter, kein Beamter. Meine Berufung kann ‚aus wichtigem Grund‘ widerrufen werden“, sagt er.
Ist es vorauseilender Gehorsam?
Gleich am Tag nach der Landtagswahl hätten sie eine Video-Konferenz mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abgehalten. Dabei seien natürlich Ängste zur Sprache gekommen.
Anett Gottschalk ist nicht bei der Magdeburger Stiftung angestellt. Sie arbeitet im Auftrag des Landkreises Anhalt-Bitterfeld. Der lässt im Vorfeld eines Besuchs erklären: „Zu politischen Bewertungen oder Einschätzungen nehmen wir als öffentliche Einrichtung grundsätzlich keine Stellung. Ebenso sehen wir von einer weitergehenden Erörterung interner Verwaltungs- und Finanzierungsprozesse im Rahmen eines Interviews ab“, heißt es darin. Ist sie da schon, die von den Rechtsextremisten eingeforderte weltanschauliche und politische „Neutralität“?
Gottschalk sagt, sie wolle sich in ihrem Engagement nicht bremsen lassen, schon gar nicht von irgendeiner politischen Gruppierung. Die 39-jährige Judaistin leitet das Museum Synagoge Gröbzig. Dass in der Kleinstadt das ehemalige jüdische Gotteshaus überhaupt noch steht, ist einem Zufall zu verdanken.
Foto: Heiko Rebsch/dpa/picture alliance
Die einst große jüdische Gemeinde, erklärt Gottschalk, habe sich infolge von Landflucht und Industrialisierung immer weiter verkleinert. Die zur Abhaltung eines jüdischen Gottesdienstes notwendigen zehn Männer kamen nicht mehr zusammen – und so ging die Synagoge ausgerechnet 1933 an den örtlichen Heimatverein und wurde 1938 nicht etwa gebrandschatzt, sondern schon zuvor als Heimatmuseum unter Denkmalschutz gestellt.
Die Dauerausstellung in der ehemaligen Synagoge und ihren Nebengebäuden sei „ihr Baby“, sagt Gottschalk, die die neue Dauerausstellung mit konzipiert hat und im November 2024 eröffnen konnte. Ihr Team besteht aus nur drei Personen, sie eingeschlossen. Rund 1.600 Menschen besuchen das Museum jedes Jahr, ungefähr die Hälfte davon sind Schülerinnen und Schüler.
Schon ab der vierten Klasse sind hier Führungen möglich, wobei der Holocaust für die Kinder ausgespart bleibt, aber viel über die Religion erzählt wird. „Schreibe Deinen Namen auf Hebräisch“, lautet eine Aufgabe, die mit dem Federkiel gelöst werden soll und für verschmierte Hände sorgt. Die Kinder sitzen dabei auf den kleinen Holzbänken in der früheren jüdischen Schule in einem Anbau der Synagoge.
Bei den Veranstaltungen mit Schulklassen sei ihr das bisher nicht aufgefallen, sagt Gottschalks Kollegin Dorisz Macher. Sie erzählt von einer Klasse, die am Vormittag zum Besuch gekommen war. Unter den Kindern befand sich auch eine Muslima: „Das Mädchen war super interessiert, fragte, wie gebetet wird, und hat viele Fragen zum Judentum gestellt.“
Aber es gehöre leider auch zum Alltag, dass ein bis zwei Kinder vor dem Schulausflug in die Synagoge krankgemeldet werden und gewisse Zweifel bestehen, ob da wirklich jemand nicht gesund ist. Gleichzeitg beobachtet Gottschalk, dass manche Lehrkräfte angesichts der politischen Entwicklungen aktiver werden als früher. Dieses Jahr sei das Museum für Schulklassen schon ausgebucht.
Die Ausstellung stellt die Geschichte der Gröbziger Juden vor, ebenso wie Statistiken zum Judenhass – auch bezogen auf heute. Höhepunkt der Schau ist der Eintritt in die im 19. Jahrhundert umgebaute ehemalige Synagoge mit der blauen Decke, Kronleuchter und einer Tora-Rolle auf der Bima, also der Ort, von dem die Tora gelesen wird.
Zu jedem im Haus ausgestellten Stück kann Gottschalk eine Geschichte erzählen. Eine „Herzensangelegenheit“ sei das Museum, sagt die Frau, die selbst keine Jüdin ist. Sie ist nach Gröbzig gezogen, lobt ihre Nachbarn. Quasi nebenbei kümmert sie sich um ein Kataster für die vielen verwaisten jüdischen Friedhöfe in Sachsen-Anhalt.
In der Region Stadt Südliches Anhalt, westlich von Bitterfeld, zu der Gröbzig gehört, erhielt die AfD am 6. September 52,8 Prozent. Im Stimmbezirk Gröbzig-Rathaus waren es 63,5 Prozent der Zweitstimmen.
Foto: Jens Gyarmaty
„Ich will keine Angst haben“
Wenn es um die Zukunft geht, verlässt Anett Gottschalk und ihrer Kollegin die gute Stimmung. „Ich will keine Angst haben“, sagt Gottschalk, „ich möchte hoffen.“ Finanziell ist das Museum größtenteils vom Land abhängig, dazu kämen Gelder von der Stadt und dem Landkreis. Würden die Schüler nicht mehr kommen, wäre dies ein harter Schlag. „Wir werden Zeiten erleben, die werden uns nicht gefallen“, fürchtet Gottschalks Kollegin Macher. Aber beide sagen auch: „Man kann etwas ändern.“
Rund 15 Kilometer von Gröbzig entfernt liegt Köthen. Anett Gottschalk ist zum jüdischen Friedhof weit draußen vor der Stadt mitgekommen. Es gibt seit dem Holocaust keine jüdische Gemeinde mehr in der Kleinstadt, so wie es keine Synagoge mehr gibt. Geblieben sind nur die Gräber auf dem 1884 angelegten Friedhof und ein kleines achteckiges Gebäude. Es war einmal die Trauerhalle.
Vor rund 25 Jahren war Igor Pissetski vom Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt Beauftragter für die 60 verwaisten Friedhöfe, die vom einst reichen Leben der Minderheit im Land geblieben sind. Er macht diesen Job bis heute. Damals, so erzählt der 68-Jährige auf dem Weg zu dem ungewöhnlichen Achteck-Gebäude, habe er mit Schrecken feststellen müssen, dass die Trauerhalle kurz vor dem Kollaps stand. Er alarmierte Heinfried Stuve, einen Architekten, der aus Niedersachsen in den Osten rübergemacht hatte. So begann die Initiative zur Restaurierung dieses im Land einmaligen Baudenkmals. Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, steht sie vor dem Abschluss.
Stuve schwärmt von der Trauerhalle vom Boden bis zur höchsten Spitze. Der Fußboden stamme aus den Jahren 1884 und 1906, als das Gebäude erweitert wurde. Damals zählte die Jüdische Gemeinde von Köthen etwa 250 Mitglieder. Die in der Sonne silbern glänzende Kuppel bestehe aus Titanzinkblech. Nur der Davidstern an der Spitze fehlt, sagt Stuve: „Der ist wohl schon 1916 heruntergefallen“, sagt der Architekt.
Foto: Klaus Hillenbrand
25 Jahre Restaurierung eines kleines Gebäudes sind eine lange Zeit. Es ist nicht so, dass Stadt, Landkreis oder wer anders ihnen direkt Steine in den Weg gelegt hätten, sagt Stuve. Aber das Geld sei immer knapp gewesen. Am Ende unterstützten vor allem Stiftungen die Restaurierung. Rund 550.000 Euro sind über die Jahre in den Bau geflossen. „Wir haben immer wieder gebettelt“, sagt Stuve. Die Fenster würden gerade noch von einem Schreiner gefertigt, die Eingangstür ist fertig. Jetzt fehle nur noch der Innenausbau, der nochmals etwa 50 bis 60.000 Euro kosten werde, schätzt der Architekt. Dann soll die frühere Trauerhalle zu einer Begegnungsstätte werden.
Warum tut man sich das an, arbeitet man über Jahrzehnte an einem Projekt, das keinen Cent Gewinn hervorbringt? Da erzählt Heinfried Stuve, dass unter Hitler in seiner Familie ein „Ariernachweis“ verlangt worden sei und sich herausgestellt habe, dass unter seinen Vorfahren auch Juden waren. Also gab es keinen „Ariernachweis“. Aber seitdem ein Bewusstsein für die immer wieder bedrohte Minderheit.
Igor Pissetski berichtet, dass das jüdische Gräberfeld in den letzten Jahren zweimal verwüstet wurde. Er selbst habe glücklicherweise in Deutschland keine antisemitischen Vorfälle erleben müssen. Und zur AfD bestehe kein Kontakt. Weder bezüglich der Trauerhalle in Köthen noch beim Synagogen-Museum in Gröbzig, ebenfalls nicht in der Gedenkstätte zur „Euthanasie“ in Bernburg.
Auch in der Geschäftsstelle der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt habe sich noch nie jemand von der Partei blicken lassen, sagt Direktor Kai Langer. Wenn die Rechtsextremisten die historische Erinnerung marginalisieren wollen, dann tun sie das ohne Betroffene. In Köthen erreichte die AfD bei der Landtagswahl 50,0 Prozent der Stimmen.
Ein KZ in einem Renaissanceschloss
Um an einen weiteren Gedenkort, im ordöstlichsten Zipfel Sachsen-Anhalts, zu gelangen, nimmt man am besten die Fähre von Torgau über die Elbe. Knapp 20 Kilometer nördlich liegt der kleine Ort Prettin, den ein gewaltiges Renaissanceschloss aus dem 16. Jahrhundert fast erdrückt. Es heißt Schloss Lichtenburg.
Dieses Schloss nutzten die Nazis ab 1933 als Konzentrationslager, zunächst für männliche Gefangene, später auch für Frauen. Mehr als 10.000 Menschen sind dort gequält worden. So manche Nazi-Opfer wurden über die Elbe hierher gebracht. Ein kleiner Kahn, der dafür genutzt wurde, ist auf einem Foto in der Ausstellung der Gedenkstätte zu sehen. Diese ist in einem früheren Werkstattgebäude untergebracht.
Das Schloss selbst, im Bundesbesitz, steht leer. Jedes Jahr verfällt das Gebäude ein bisschen mehr. Die Gedenkstätte würde gerne das ehemalige Zellengebäude des KZ in die Ausstellung integrieren, sagt Leiterin Melanie Engler. Einstweilen können Besucher im Schloss nur den Bunker betreten, wo sich die Strafzellen der Gefangenen befanden. Ein dunkles Gewölbe, feucht und furchteinflößend, mit winzigen Zellen – ein augenfälliger Gegensatz zu der modernen Ausstellung nebenan.
Engler hat, anders als die anderen Gedenkstätten-Leitungen, durchaus Erfahrung mit Rechtsextremisten. Sie berichtet von „Störungen einer Veranstaltung“, sodass sie letztlich gar mit einem Rauswurf drohen musste. Ein Hinweis auf den Abend habe sich anschließend auf der Website des AfD-Kreisverbands gefunden. In diesem Zusammenhang sei sie namentlich an den Pranger gestellt worden. Auch im Kreistag störe sich die AfD an ihrer Arbeit. Sie spüre eine „große Belastung“, sagt die Leiterin.
Die Gedenkstätte Lichtenburg verzeichnet jährlich etwa 4.000 Besucher, rund 35 Prozent seien das Schulklassen und Jugendliche an Projekttagen. Auch bei Führungen, erinnert sich Engler, habe es schon einschlägige Äußerungen gegeben. In der Stadt Annaburg, zu der Prettin gehört, erzielte die AfD bei der Landtagswahl 54,2 Prozent. In den beiden Wahllokalen von Prettin waren es 66,1 und 66,4 Prozent.
Das Außergewöhnliche am früheren KZ in der Lichtenburg sei dessen Lage mitten in der Stadt Prettin gewesen, erklärt Melanie Engler. Im Ort habe es damals „große Zustimmung“ gegeben. Dennoch hält sich der „Mythos“, dass die Leute von allem „nichts gewusst“ hätten.
„Ich möchte meine Arbeit für eine vielfältige Erinnerungskultur fortführen“, sagt Engler trotz allem. Seit 2012 leitet sie die Gedenkstätte, damals war sie 27 Jahre. Melanie Engler, Anett Gottschalk aus Gröbzig und die Bernburgerin Judith Gebauer lassen sich nicht einschüchtern.
Foto: Klaus Hillenbrand
Die AfD findet: „Staatliche Institutionen haben sich weltanschaulich und politisch neutral zu verhalten und sich im Übrigen zur normativen Normalität der Gesellschaft zu bekennen.“ Gehört es zur „normativen Normalität“, sich einer rechtsextremistischen Partei unterzuordnen?
Der Direktor der Stiftung Gedenkstätten, Kai Langer, sagt: „Wenn eine Partei erwiesen rechtsextrem ist, dann ist das für mich keine Partei wie jede andere, erst recht nicht, wenn sie die Erinnerungskultur in Deutschland aktiv bekämpft.“ Er wolle sich, verspricht Langer, wenn nötig schützend vor seine Kolleginnen stellen. Jetzt dürfe man nicht den Kopf einziehen.
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