Ukraine: Kanzler Merz in Kyjiw - Drohne trifft Nordbrücke
"Wenn Russland nicht gestoppt wird, richtet sich seine Kriegsmaschinerie früher oder später gegen uns", betonte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz bei seiner Ankunft mit einem Sonderzug in der Hauptstadt Kyjiw. Der Kanzler wird bei seinem nicht angekündigten Ukraine-Besuch von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und zehn Unternehmern aus den Bereichen Rüstung und Energie begleitet.
Fahrbahn der Nordbrücke in Kyjiw zerstört
Wenige Stunden nach dem Eintreffen der Delegation aus Deutschland gaben die Behörden in Kyjiw neuen Luftalarm. Die Nordbrücke wurde von einer russischen Drohne angegriffen. Der Bürgermeister von Kyjiw, Vitali Klitschko, teilte im Onlinedienst Telegram mit, die Fahrbahn der Nordbrücke sei getroffen worden. "Rettungsdienste sind auf dem Weg."
Vor der Ankunft des Regierungszugs in der Drei-Millionen-Metropole hatte das russische Außenministerium ausländische Besucher und Diplomaten vor einem Aufenthalt dort gewarnt. Sie sollten die Hauptstadt verlassen und sich vor allem nicht in der Nähe von militärischen Objekten und Regierungsgebäuden aufhalten, hieß es in einer Mitteilung aus Moskau.
Gefährliche Reise ins Kriegsgebiet
Es ist wohl die gefährlichste Reise eines Kanzlers in das Kriegsgebiet seit Beginn der russischen Invasion Ende Februar 2022. Die russischen Streitkräfte haben in den vergangenen Monaten ihre Angriffe auf Kyjiw und auch auf Personenzüge deutlich verstärkt. Seit einigen Wochen setzt Russland zudem schnelle Jet-Drohnen für Angriffe auf zivile Ziele ein - so auch am Freitag, als die zentralen Brücken in Kyjiw Ziel massiver Attacken waren.

Abfangdrohnen und Langstreckenraketen
Merz will nach Angaben aus Berliner Regierungskreisen den ukrainischen Streitkräften in Kyjiw die baldige Auslieferung von Tausenden Abfangdrohnen zusichern. Damit soll die Flugabwehr die besonders schnellen und daher auch besonders gefährlichen russischen Kampfdrohnen mit Düsenantrieb bekämpfen. Geplant ist die gemeinsame Produktion verschiedener Drohnentypen, die sowohl in Deutschland als auch in der Ukraine gebaut werden sollen.
Zudem geht es um die gemeinsame Entwicklung und Produktion sogenannter Abstandswaffen mit einer Reichweite von mehr als 1000 Kilometern. Mit diesen könnten Nachschublinien hinter der Front in Russland angegriffen werden.
Hilfspaket umfasst mehr als eine Milliarde Euro
Für die deutschen Unterstützungsmaßnahmen soll eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln freigegeben werden. Geplant sind zudem weitere 350 Millionen Euro für Reparatur und Wiederaufbau zerstörter Kraftwerke.
In Regierungskreisen in Berlin wurde betont, es gehe nicht nur darum, die Ukraine militärisch zu unterstützen. Die verstärkte Zusammenarbeit nutze auch der Bundesrepublik, weil Geld und Technologie zurück nach Deutschland flössen.

Er sei nach Kiew gereist, "weil die Ukraine für die kommenden Wochen all unsere Unterstützung braucht", erläuterte der Kanzler. "Bald beginnt für die Menschen der fünfte Kriegswinter. Russland bombardiert Städte, Wohnhäuser und Heizkraftwerke." Die Ukrainer ließen sich aber durch den Terror Russlands nicht unterkriegen. "Ich werde Präsident (Wolodymyr) Selenskyj heute sagen: 'Auf unsere Hilfe könnt ihr weiter zählen.'"
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