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Thursday, October 22, 2026

Ukraine-Krieg trifft den zivilen Flugverkehr in Russland

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Seit Monaten kommt es an den Moskauer Flughäfen wegen ukrainischer Drohnenangriffe immer häufiger zu Betriebsstörungen. Wie das unabhängige russische Investigativ- und Exil-Medium "Agentstwo" berichtet, mussten die Flughäfen Domodedowo, Scheremetjewo, Schukowski und Wnukowo im Oktober fast täglich den Flugbetrieb unterbrechen. An manchen Tagen waren die Flughäfen für bis zu neun Stunden geschlossen.

Anfang September hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj angekündigt, den Luftraum über Russland schließen zu wollen. "Heute möchten wir jede Fluggesellschaft, die den russischen Luftraum nutzt, jeden Versicherer und alle, die weiterhin die wichtigsten russischen Flughäfen in Anspruch nehmen, warnen: Der russische Luftraum wird gänzlich unsicher", warnte Selenskyj. Am Tag darauf richtete Kyjiw eine entsprechende Mitteilung an die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO). Der ukrainische Luftraum ist schon seit Beginn von Russlands umfassendem Krieg gegen die Ukraine im Februar 2022 gesperrt.

Kann die Ukraine Flughäfen lahmlegen?

Der sogenannte Plan "Teppich", ein spezielles Notfall-Sicherheitsprotokoll der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija, dient der sofortigen Sperrung des Luftraums über einer bestimmten Region oder um betroffene Flughäfen. Sobald der Plan ausgerufen wird, gelten drastische Einschränkungen für den gesamten Flugverkehr. Dazu kommt es, wenn ein Flugzeug den russischen Luftraum verletzt, Waffen eingesetzt werden oder nicht identifizierte Objekte in der Luft auftauchen.

"Wenn eine militärische Bedrohung vorliegt, wird ein bestimmter Abschnitt des Luftraums gesperrt und eben dieser 'Teppich' ausgerufen. Im Grunde genommen stellt jede Drohne eine militärische Bedrohung dar", sagt der Luftfahrtexperte Oleksandr Laneckij gegenüber der DW.

Blick auf das Gebäude des internationalen Flughafens Scheremetjewo und den Tower
Blick auf den internationalen Flughafen ScheremetjewoBild: Valery Sharifulin/TASS/dpa/picture alliance

Er erinnert daran, wie es den jemenitischen islamistischen Huthi gelungen ist, Saudi-Arabien lahmzulegen. "Ich denke, dass die militärischen Fähigkeiten der Ukraine die der Huthi bei weitem übertreffen", so Laneckij. Er geht davon aus, dass es den Ukrainern in einem weiter ausufernden Krieg nicht schwerfallen dürfte, nicht nur den Moskauer Luftverkehrsknotenpunkt massiv zu stören, wenn nicht gar lahmzulegen.

Der unabhängige Militärexperte Jan Matwejew ist ähnlicher Meinung. Auch wenn sich Selenskyjs Ankündigung einer vollständigen Sperrung der Flughäfen bislang nicht bewahrheitet habe, hielten die ukrainischen Streitkräfte "an dieser Idee fest". "Um den Luftraum zu sperren und den Plan 'Teppich' auszulösen, braucht man lediglich einfache Drohnen, die weder über einen Sprengkopf noch über eine große Reichweite verfügen müssen", so der Experte. Allein von den kampffähigen Langstreckendrohnen würde die ukrainische Industrie täglich Dutzende oder gar Hunderte herstellen. Die Ukraine könnte daher über die notwendigen Ressourcen verfügen, um die Flughäfen lahmzulegen.

Am 15. Oktober schrieb Simon Shuster vom US-Magazin "The Atlantic" unter Berufung auf informierte Quellen, dass die ukrainische Operation zur Lahmlegung des russischen Luftraums "gerade erst beginnt".

Kann Russland die Gefahr abwehren?

Militäranalyst Matwejew stellt fest, dass die russische Luftabwehr gegen die ukrainischen Drohnen, die in die Hauptstadtregion eindringen, nicht vollständig ankommt. "Wäre es möglich, sie abzuschießen, würde man das schon jetzt tun", sagt er. Besäßen die russischen Streitkräfte zusätzliche Reserven zur Verstärkung der Luftabwehr, hätte man sie längst eingesetzt.

Luftfahrtexperte Laneckij schließt nicht aus, dass man in Russland den Schwellenwert für die Ausrufung des Plans "Teppich" lockern könnte. Dies würde jedoch zusätzliche Gefahren mit sich bringen, warnt er. So würde das Risiko steigen, dass sich ein Absturz wie mit der Maschine der aserbaidschanischen Fluggesellschaft AZAL wiederholt. Das Flugzeug war im Dezember 2024 offenbar versehentlich von einer russischen Luftabwehrrakete getroffen worden, die zur Abwehr von Drohnen im Einsatz war.

Welche Risiken bestehen für die Luftfahrt?

Auch Jan Matwejew weist auf die Gefahr hin, dass die Luftabwehr ein ziviles Flugzeug anstelle eines militärischen Ziels anvisieren könnte. Seit Ende 2024, als die AZAL-Maschine abgeschossen wurde, habe sich bei der russischen Luftabwehr im Grunde nichts verändert, sagt er.

Blick auf das Wrack des aserbaidschanischen AZAL-Flugzeugs in Aktau, Kasachstan, vor dem ein Sicherheitsmann steht
Absturzstelle des aserbaidschanischen AZAL-Flugzeugs in Aktau, KasachstanBild: Meiramgul Kussainova/Anadolu/picture alliance

Bei einem Einsatz gegen eine Drohne, die in geringer Höhe fliegt, wird das Ziel visuell erfasst und mit einem Maschinengewehr beschossen. Dabei ist die Gefahr für Flugzeuge äußerst gering, es sei denn, sie fliegen zufällig in unmittelbarer Nähe vorbei.

Bei einem Einsatz von Flugabwehrraketen hingegen steige das Risiko für die zivile Luftfahrt enorm, so der Militärexperte. Eine Rakete könne Defekte haben, die bei Massenproduktionen praktisch unvermeidlich seien, und sich auf ein in der Nähe fliegendes Flugzeug umorientieren. Matwejew weist auf die weltweite Praxis hin, bei Gefahren im Luftraum Sicherheitsmaßnahmen wie den Plan "Teppich" zu verhängen, weil die Flugabwehr bei Einsätzen keinesfalls die Sicherheit ziviler Flugzeuge garantieren könne.

Außerdem müssten, so Matwejew, störende Drohnen nicht unbedingt Sprengstoff tragen. Schon die Kollision eines Flugzeugs mit ihnen könne schwerwiegende Folgen haben. "Eine Drohne, die von der Ukraine aus Moskau erreicht, muss ziemlich groß sein. Sie wiegt Dutzende Kilogramm", erläutert er.

Im Sommer 2023 griffen die ukrainischen Streitkräfte den Flughafen der russischen Stadt Pskow an, auf dem sowohl militärische als auch zivile Flugzeuge standen. Mitte Oktober dieses Jahres fielen Trümmerteile einer Drohne auf das Gelände des Flughafens Sotschi am Schwarzen Meer. Aber auch die russischen Streitkräfte greifen ukrainische Flughäfen an. Selenskyj bestätigte Anfang September Attacken auf die Flughäfen Kyjiw und Boryspil nahe der Hauptstadt.

Wie steht es um ausländische Airlines?

Ob ausländische Fluggesellschaften aufgrund der Risiken ihre Flüge nach Russland einstellen könnten, macht Luftfahrtexperte Laneckij von drei Faktoren abhängig: von den tatsächlichen militärischen Gefahren, von der Höhe der Nachfrage und den Kosten für Versicherungen.

Bei den Versicherungen könne es Probleme geben. Die Gesellschaften, so Laneckij, könnten die Risiken so hoch einstufen, dass sie ihre Versicherungstarife für Flüge nach Russland stark anheben. Dadurch würden die Ticketpreise hochschnellen. Der Wettbewerb auf dem russischen Markt sei ohnehin schon zurückgegangen, weil viele Airlines nicht mehr da seien. Das habe zu einer steigenden Nachfrage nach Flugtickets bei den verbliebenen ausländischen Fluggesellschaften geführt, meint der Experte. "Ob sie bleiben oder nicht, hängt von dem Preis ab, den sie für die reale Gefahr zahlen müssen."

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