Lula und Bolsonaro treten in Stichwahl gegeneinander an
Die Präsidenschaftswahl in Brasilien wird sich in einer Stichwahl zwischen dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und dem rechten Senator Flávio Bolsonaro entscheiden. Nach Auszählung von 97 Prozent der Stimmen kam Lula laut vorläufigen Angaben der Wahlbehörde auf rund 44,6 Prozent, sein rechter Rivale auf 47,4 Prozent - beide verfehlten damit die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit.
In Brasilien wird am Sonntag ein neuer Präsident gewählt. Es zeichnet sich eine knappe Entscheidung zwischen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und dem rechten Senator Flávio Bolsonaro ab.
04.10.2026 | 0:25 minEntscheidung am 25. Oktober
Damit entscheidet sich am 25. Oktober, ob der 80-jährige Lula eine vierte Amtszeit antritt oder der 45-jährige Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro die Regierung übernimmt. Rund 159 Millionen Brasilianer waren zur Wahl aufgerufen.
Lula von der Arbeiterpartei PT steht für die Fortsetzung seiner seit 2023 betriebenen Politik mit Sozialprogrammen, öffentlichen Investitionen und einer stärkeren Rolle des Staates. Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei PL verspricht dagegen einen schlankeren Staat, Ausgabenkürzungen und eine härtere Linie gegen Kriminalität. Der Wahlkampf ist von einer starken Polarisierung geprägt.
Gemischte Bilanz nach Lulas laufender Amtszeit
Lula regierte Brasilien bereits von 2003 bis 2011. Seine Bilanz der laufenden Amtszeit ist gemischt: Die Arbeitslosigkeit sank, der Mindestlohn wurde angehoben und die Abholzung im Amazonasgebiet ging zurück. Zugleich belasten steigende Lebenshaltungskosten, hohe Staatsausgaben und Schulden sowie Korruptionsaffären die Regierung.
Am Sonntag wählt Brasilien einen neuen Präsidenten. Dabei kämpft der amtierende Lula da Silva gegen den Sohn seines wegen eines Putschversuchs zu Hausarrest verurteilten Vorgängers Bolsonaro.
02.10.2026 | 2:44 minBolsonaro-Sohn will politisches Erbe des Vaters fortführen
Vor vier Jahren standen sich Lula und Jair Bolsonaro gegenüber, der wegen seiner Beteiligung an einem versuchten Staatsstreich zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt wurde. Nun möchte sein Sohn das politische Erbe seines Vaters fortführen. Eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen ist eine Amnestie für seinen Vater.
Andere Mitglieder der Bolsonaro-Familie konnten bereits Wahlerfolge verbuchen: Die frühere First Lady Michelle Bolsonaro wurde im Bundesdistrikt Brasília in den Senat gewählt. Carlos Bolsonaro, ein weiterer Sohn des früheren Präsidenten, gewann ebenfalls einen Senatssitz - im südlichen Bundesstaat Santa Catarina.
Gewalt gegen Frauen bleibt großes Problem
Kriminalität gehört zu den wichtigsten Sorgen vieler Brasilianer. Auch Gewalt gegen Frauen bleibt ein großes Problem. Flávio Bolsonaro setzt auf einen besonders harten Kurs. Im Wahlkampf kündigte er rund eine halbe Million zusätzliche Haftplätze und Hochsicherheitsgefängnisse nach dem Vorbild in El Salvador an. Zudem will er kriminelle Organisationen stärker bekämpfen. Lula setzt stärker auf die Bekämpfung der finanziellen Strukturen organisierter Kriminalität.
Die brasilianisch Reporterin Miyuki Droz Aramaki fragt sich, warum ein Teil ihrer Familie im Oktober 2026 für Bolsonaro stimmen will.
02.10.2026 | 52:33 minDie Rolle der USA
Auch Außenpolitik war Teil des Wahlkampfs. US-Präsident Donald Trump hatte Jair Bolsonaro politisch unterstützt und die strafrechtliche Verfolgung des früheren Staatschefs kritisiert. Flávio Bolsonaro näherte sich im Wahlkampf dem politischen Lager Trumps an und traf ihn bereits im Weißen Haus in Washington. Lula setzt dagegen stärker auf die Verteidigung der brasilianischen Souveränität und versucht, trotz Konflikten mit Washington die Beziehungen zu den USA zu stabilisieren.
In Ländern wie Bolivien, Chile und Kolumbien haben zuletzt rechte Kandidaten die Präsidentenwahlen gewonnen. Brasilien ist als größte Volkswirtschaft und bevölkerungsreichstes Land Lateinamerikas ein wichtiger politischer Akteur der Region. Ein Sieg Lulas würde Brasilien neben Mexiko als große linke Bastion in der Region erhalten. Unter Flávio Bolsonaro würde sich Trumps Einfluss in Lateinamerika deutlich ausweiten.
Unabhängig vom Ausgang der Stichwahl wird die künftige Regierung auf Mehrheiten im Kongress angewiesen sein. Gleichzeitig mit dem Präsidenten wurden am Sonntag unter anderem auch Abgeordnete und Senatoren gewählt.
Quelle: dpa, AFP
Über dieses Thema berichtete ZDFheute Xpress am 04.10.2026 um 9:42 Uhr.
KioskNews shows a cleaned-up reading view extracted from the publisher’s page — the original always lives on their site, not ours.