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Saturday, October 3, 2026

"Ostfluencer": Deutsche Einheit "absolute Erfolgsgeschichte"

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Justus Geilhufe will das Schöne im Osten Deutschlands in den Vordergrund stellen. Als Influencer sucht der Pfarrer aus Sachsen das Verbindende und eine neue Ost-Identität.

03.10.2026 | 1:36 min

ZDFheute: Herr Geilhufe, der Tag der Deutschen Einheit ist für Ostdeutschland aus Ihrer Sicht eine Erfolgsgeschichte oder eine noch immer ungelöste Aufgabe?

Geilhufe: Eine absolute Erfolgsgeschichte, mit allen Höhen und Tiefen. Uns geht's allen besser als vor 36 Jahren. Und ich glaube, das Potenzial, was hier im Osten steckt, ist noch gar nicht gehoben. Ich gucke sehr positiv in die Zukunft.

ZDFheute: Es gibt viele Menschen, die das nicht sofort unterschreiben würden.

Geilhufe: Ja, wenn man den Vergleich mit dem Rest Osteuropas nicht hat. Fragen wir mal die Polen, Moldawier, Ukrainer, was dort die letzten 36 Jahre los war, um dahin zu kommen, wo sie jetzt sind, und wie viele Opfer bis heute dafür notwendig sind. Deshalb sage ich den Leuten hier:

Schaut gerne in Richtung Osten und seht, was wir hier auch ein Stück weit geschenkt bekommen und uns erarbeitet haben.

1990 trat in Berlin der erste gesamtdeutsche Bundestag zusammen. Wolfgang Thierse (SPD) wuchs in der DDR auf und erlebte diesen Tag als frisch gewählter Abgeordneter.

18.12.2025 | 10:09 min

ZDFheute: Als kirchlicher "Ostfluencer" mit über 30.000 Followern auf Instagram versuchen Sie, vieles anders zu machen: sehr viel Social Media, Motorradgottesdienste, intensive Jugendarbeit. Was spornt Sie an im überwiegend atheistischen Sachsen?

Geilhufe: Wir merken, dass es hier einen riesengroßen Durst nach der Tiefe des Lebens gibt. Wir machen den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes die Türe auf. Es gibt eine riesengroße Dankbarkeit und wir merken, dass dieser Durst, den die Menschen haben, bei uns gestillt wird.

ZDFheute: Die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gewann die AfD. Viele AfD-Wähler fühlen sich von Politik, Institutionen, aber auch von der Kirche geradezu verachtet. Wie sprechen Sie mit AfD-Wählern, ohne deren Position zu übernehmen?

Geilhufe: Indem ich die Positionen, die da vertreten werden, ganz stark kritisiere. Gleichzeitig trete ich stark für meine Werte ein, so wie die Kirche das seit Jahrhunderten macht.

Ich bleibe aber bei den Leuten, ich bleibe in diesem Dorf, bei den Menschen, bei ihren Argumenten.

Ost- und Westdeutschland haben sich in vielen Bereichen angenähert. Bei privaten Vermögen bleiben jedoch Unterschiede, deren Folgen bis heute spürbar sind.

30.09.2026 | 1:47 min

ZDFheute: In ihrer Gemeinde Großschirma stellt die AfD den Bürgermeister. Wo endet für Sie das Gespräch mit AfD-Anhängern?

Geilhufe: Das Gespräch endet in dem Moment, wo das, was das Gegenüber sagt, andere Menschen in Gefahr bringt und den gesellschaftlichen Zusammenhang zerrüttet. Das beste Gespräch ist meist nachts um elf beim Feuerwehrfest, wo man sagt: 'Schieß mal los, ich versteh' dich nicht.' Und dann gibt's meistens echt einen guten Abend, mit viel Emotion, aber am Ende irgendwie auch eine bessere Beziehung.

ZDFheute: Es gibt ein neues ostdeutsches Selbstbewusstsein, mit dem die AfD spielt. Dem setzen Sie ein positives Narrativ entgegen und nennen es "ostdolce vita". Was machen Sie anders?

Geilhufe: Das, was daraus spricht, ist vor allem Nostalgie. Eine Sehnsucht nach hinten, nach dieser Klarheit von früher, wo niemand reingeredet hat und wo alles auch ein bisschen unfreier war.

Dem stelle ich "ostdolce vita" entgegen. Ein Bildband, ein Lebensgefühl, was sehr positiv in die Zukunft schaut und einfach Lust auf diesen Landstrich macht.

Ich will andere ermutigen, hier zu bleiben oder hierher zu kommen und einfach was Neues aufzubauen.

Mecklenburg-Vorpommern: In Jarmen wählten 2025 54 Prozent AfD. Musiker Monchi sieht den politischen Graben heute vor allem zwischen Stadt und Land.

17.09.2026 | 3:38 min

ZDFheute: Ein Gedankenspiel: Sie hätten die Möglichkeit, alle fünf ostdeutschen Ministerpräsidenten für fünf Minuten zu treffen. Was würden Sie ihnen sagen?

Geilhufe: Ihr müsst mehr beten, damit ihr nicht in die Versuchung kommt, zu denken und die Angst zu bekommen, ihr müsstet alles regeln. Eine Gesellschaft, die Politik, ein Dorf lebt von Voraussetzungen, die sie selber nicht geschaffen haben.

Und unter diesen Voraussetzungen alle im Blick zu behalten, das ist das Entscheidende für jede Politik, für jede Entscheidung, für jedes Miteinander.

ZDFheute: In Bezug auf den Osten Deutschlands - was macht Ihnen derzeit mehr Sorgen? Die Schwäche der Kirche oder die Stärke der AfD?

Geilhufe: Sorgen muss immer die Schwäche der Kirche machen. Die Stärke der anderen ist eigentlich nicht beängstigend, sondern man muss immer gucken, wie kann die Kirche zu ihren Kraftquellen zurückkehren, und da bemühen wir uns ganz sehr drum.

Der Platz der katholischen Kirche sei in diesen Zeiten klar "an der Seite der Ausgegrenzten", sagt Irme Stetter-Karp, Präsidentin des Zentralkomitees deutscher Katholiken.

29.09.2026 | 5:28 min

ZDFheute: Das heißt, fast 50 Prozent Wählerstimmen für die AfD machen Ihnen keine Sorgen?

Geilhufe:

Also, ich habe ja immer die Ewigkeit im Blick, und ich glaube, da haben wir ganz andere Sachen schon durchlebt als das.

Christ sein heißt auch immer, in Jahrtausenden denken, und da macht mir das jetzt keine großen Sorgen. Das erledigt sich irgendwann. Und uns gibt's dann noch.

Das Interview führte Cornelia Schiemenz.

Über dieses Thema berichteten am 03.10.2026 mehrere Sendungen, darunter die heute-Nachrichten ab 19:00 Uhr.

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"Ostfluencer": Deutsche Einheit "absolute Erfolgsgeschichte" — KioskNews